Die Kraft des Atlantiks… oder wie man zufällig einen Halbmarathon läuft

September 2012. Ich war gerade mit meinem damaligen Freund – nennen wir ihn Klaus-Dieter 😉 – aus Ägypten zurückgekehrt. Klaus-Dieter und ich waren knapp drei Monate ein Paar und verbrachten – zum krönenden Abschluss unserer Beziehung, wie sich herausstellen sollte – eine total witzige und absolut friedvolle Woche am roten Meer. Eigentlich hatte alles wunderbar gepasst zwischen uns beiden. Dennoch kehrten wir nach Hause zurück und jeder ging fortan seinen eigenen Weg, als wäre es die logischste Sache der Welt. In der Nachbetrachtung eine reichlich skurrile Geschichte… eine Geschichte, die das Leben schreibt.

In den darauffolgenden Wochen wurde ich zunehmend zappelig, hatte sprichwörtlich Hummeln im Hintern. Verständlich, denn bis dahin war das Jahr 2012 ja proppenvoll mit Wohnungssuche, Umzug, Haushaltgründung und Klaus-Dieter :-P. Doch jetzt, wo wieder Ruhe und so was ähnliches wie Routine in mein Leben eingekehrt war, drehte ich buchstäblich am Rad. Ich musste dringend etwas unternehmen, doch was?

Ich dachte an die tolle Zeit in Barcelona zurück und an die ambitiösen Vorsätze, die ich in jener lauen Silvesternacht in den katalonischen Himmel hinauf beschwörte. Ja, die Zeit war definitiv reif, einen weiteren, bewussten Schritt zu wagen, um meine Leidenschaft fürs Reisen weiter auszuleben. Ich überlegte mir also, welche Art von Urlaub denn geeignet sein könnte für mich als Alleinreisende. Das war gar nicht so einfach, denn wie in BarceLOVEna – wo alles begann… beschrieben, war ich bis dahin grossmehrheitlich per Camper unterwegs. Ich fand Camping immer toll. Doch die Vorstellung alleine zu campieren, überforderte mich – übrigens genauso, wie der Gedanke an eine Gruppenreise und/oder an Cluburlaub…

Sport + Urlaub = Sporturlaub

Sport genoss schon immer lange einen wichtigen Stellenwert in meinem Leben und wurde nun, in meiner Singlezeit, zunehmend zu einer zentralen Energiequelle. Und genau dies brachte mich schliesslich auf eine geniale Idee: ich könnte irgendwohin ans Meer reisen, um dort Sport zu treiben – joggen zum Beispiel. Gesagt getan und so flog ich drei Wochen später für zehn Tage nach Teneriffa.

Verkehrsregelung im Teide Nationalpark

Ich strandete an der Costa Adeje, einer ziemlich edlen Gegend im Süden der Kanareninsel – perfekt zum joggen und wandern und nah genug an der legendären Playa de las Americas, falls es mal einen Tick flotter zu und her gehen durfte. Mein Hotel war 10 Gehminuten vom Busbahnhof entfernt und damit ideal gelegen für Tages-Ausflüge auf der ganzen Insel. Mein Zimmer befand sich auf Etage acht (von acht), hatte einen überraschend grosszügigen Grundriss und war äusserst stilvoll eingerichtet. Eine charmante, kleine Dachterrasse mit seitlichem Meerblick rundete das Profil meiner Behausung für die nächsten zehn Tage krönend ab. Ich bin heute noch überzeugt, dass das die Prinzessinnen-Suite war. Fakt ist: ich fühlte mich vom ersten Moment an wohl hier und das war schon mal viel wert.

Etwas Bammel hatte ich durchaus vor dem ersten Frühstück. Was, wenn ich als Single irgendwo an einen Familientisch mit kreischenden Kindern gesetzt würde – als „Lückenfüller“, quasi? Oder die andere Ausprägung: Was, wenn ich ätzend labernde Kerle abwimmeln musste, die sich zu mir an den Tisch gesellen wollten?

Glücklicherweise traf nichts von beidem ein. Im Gegenteil: ich erhielt jeden Morgen meinen (zur Suite passenden) Prinzessinnen-Tisch, wurde äusserst respektvoll und zuvorkommend behandelt und das Frühstücks-Buffet verdiente das Prädikat „Wow“!

Ich liebte es, ausgiebig zu brunchen, um mich dann für den Rest des Tages mit dem Rucksack auf dem Buckel einfach von der Atlantikbrise treiben zu lassen. Oder aber, ich schnallte meine Laufschuhe an, steckte Identitätskarte und einen Notgroschen ein und joggte einfach drauflos. Ohne Ziel und ohne auch nur irgendjemandem Rechenschaft darüber abzuliefern. Ich war frei und das fühlte sich nicht nur okay, sondern verdammt richtig an…

Joggito ergo sum…

Eines Tages joggte ich also wieder der lebhaften Strandpromenade entlang. Vorbei an unzähligen Restaurants und den für Teneriffa so typischen schwarzen Sandstränden. Beschwingt setzte ich einen Fuss vor den anderen, als würde ich auf Watte laufen. Ich nahm eine wunderbare Leichtigkeit in mir wahr und mit jedem Atemzug sog ich noch etwas mehr von dieser kraftspendenden Atlantikluft in mir auf. Ich spürte die vielen bemitleidenden bewundernden Blicke des „faulen“ Strandvolks auf mir. Ich fühlte mich grossartig. Leicht und dennoch vor Energie strotzend – frei nach Descartes: «joggito ergo sum» – ich jogge, also bin ich.

Nach knapp zwölf Kilometern endete die Strandpromenade schliesslich bei Los Christianos. Erst da realisierte ich, wie weit ich schon gelaufen war. Jetzt noch zurück zu meiner Prinzessinnen-Suite und er war geschafft: mein erster Halbmarathon…

2014-06-04 18.41.57
Beeindruckende Flora im Teide-Nationalpark

2 Kommentare zu „Die Kraft des Atlantiks… oder wie man zufällig einen Halbmarathon läuft

  1. Merci für Deine Gedanken zu dem Thema, lieber Niggi!
    Bitte melde dich ungeniert bei mir, falls du an meinem ultimativen Prinzessinnen-Crashkurs interessiert bist 😉

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  2. Schon kommisch was ein anderer Ort mit einem macht. Das Vergessen von Zeit, Distanz und Schmerz kenn ich auch und kann Dir, Doedel, gut nachempfinden… Die Vernunft, der Kopf, der Alltagstress und der innere Sch… lassen es in der gewohnten Umgebung oft nicht zu…Ausreden! Try! … Nur dies mit dem Prinzeslein geht bei mir wohl nicht… 😉

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