doedel’s Buchprojekt

Wer mir drĂŒben auf Twitter folgt, hat bereits mitbekommen, dass ich aktuell an meinem ersten Buch schreibe – einem autobiographischen Irgendetwas.  Na ja, soooo genau weiss ich noch nicht in welches Genre sich das fertige Produkt dann mal einordnen lassen wird. Bis dahin ist ja auch noch ein StĂŒck Weg… 😎

Falls du Lust hast, mich in meinem Buchprojekt zu unterstĂŒtzen und Teil des Reflexionsteams zu werden, freue ich mich auf ein Zeichen 👋 von dir per E-Mail. Gerne prĂŒfe ich dein Angebot.

Damit du dir ein Bild machen kannst, worauf du dich in etwa einlassen wĂŒrdest, hier ein kleiner Einblick ins Manuskript:

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(…) Es war ein freundlicher Samstag, der 14. April 2012. Die Sonne lachte vom Himmel und die FrĂŒhlingsblumen in den Töpfen vor dem KĂŒchenfenster leuchteten in saftigen Orange- und Violetttönen um die Wette. An dem Tag an sich gab es nichts auszusetzen. Aber Samstage, die auf den vierzehnten Tag eines Monats fallen, tragen nunmal ein fieses Schicksal: ihnen ist nĂ€mlich ein Freitag der Dreizehnte vorausgegangen. Und jener Freitag der Dreizehnte im April 2012 machte seinem Namen nun wirklich alle Ehre. (…)

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(…) Ich verstand die Welt nicht mehr. Noch nie zuvor hatte mich jemand verlassen. Ganze verflixte vierunddreissig Jahre lang nicht. Ausser mein Opa, damals, als ich zwölf war. Herzversagen. Aber sonst niemand.
Das GefĂŒhl, im Regen stehen gelassen zu werden, war völlig neu fĂŒr mich, entsprechend unbeholfen ging ich damit um. Wie so ein kleines MĂ€dchen, das sich zu Weihnachten nichts sehnlicher als diese eine Puppe gewĂŒnscht hatte, schliesslich aber enttĂ€uscht unter dem Tannenbaum sass und sich wimmernd damit abfand, weiterhin mit ihren alten Puppen spielen zu mĂŒssen. (…)

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(…) Die Knie zitterten, als ich das CafĂ© betrat. Ich war etwas verspĂ€tet, was mir nicht nur ziemlich peinlich war, sondern mir ausserdem eine schwĂ€chere Position in unserer allerersten Begegnung einbrachte. Ich musste nĂ€mlich davon ausgehen, dass Clemens sich bereits im Lokal befand, den Blick nicht von der EingangstĂŒr abwandte und mit fletschenden ZĂ€hnen und mit Sabber, der ihm aus den Mundwinkeln tropfte, meine Ankunft erwartete. (…) 

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(…) „Und wenn du jetzt lieber einen RĂŒckzieher machen möchtest, ist das okay. Es wĂ€re schade, aber okay. Verstanden?“

Es war, wie wenn du dir im Internet etwas bestellst und unmittelbar vor dem Klick auf den Senden-Button noch aufgefordert wirst, die allgemeinen GeschÀftsbedingungen zu akzeptieren.

Ich verliess mich auf meine Intuition, aktivierte die imaginĂ€re AGB-Checkbox, klickte auf den ebenfalls imaginĂ€ren Senden-Knopf und fand mich Sekunden spĂ€ter mitten auf … (…)

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(…) Mein Leben glich einem Seiltanz und es war nur eine Frage der Zeit, bis ich mit einem tollpatschigen Tritt aus dem Gleichgewicht geraten wĂŒrde. Das ist eben das Risiko, das man eingeht, wenn man sich auf dieses verrĂŒckte Spiel mit dem Feuer einlĂ€sst. (…)

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(…) FĂŒr ihn muss sich dieser Karfreitag wie die eigene Kreuzigung angefĂŒhlt haben. Als hĂ€tte man ihm stĂ€hlerne NĂ€gel durch seinen lebendigen Leib gebohrt. (…)

 

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Wie gefallen dir diese Episoden?

Feedback ist herzlich willkommen und Daumen drĂŒcken stets erlaubt 😉

 

 

Endlich 18! Gedanken zum Jahreswechsel

Obschon ich mir nicht viel aus VorsĂ€tzen zum neuen Jahr mache, so ist der Jahreswechsel doch stets ein guter Zeitpunkt fĂŒr eine sachliche Situationsanalyse und eine kritische Selbstreflexion.

Das Jahr 2017 war ein wahnsinnig intensives Jahr. In der Hitparade meiner intensivsten Jahre ever reiht es sich locker in den Top5 ein, vielleicht sogar in den Top3. Im Job war ĂŒber weite Strecken eine Extraportion Einsatz von mir gefordert. Aber auch privat, vor allem privat, galt es einige ausserordentliche Herausforderungen zu meistern.

Irgendwann im Sommer – ich drehte gerade genĂŒsslich am Rad und schnupperte bereits an meinen persönlichen Grenzen – da flĂŒsterte mir eine innere Stimme zu, dass es so nicht weitergehen sollte, nicht weitergeHEN KONNte, NICHT WEITERGEHEN DURFTE. Punkt.

Ein PlanB bzw. PlanDö (das Dö steht liebevoll fĂŒr DÖdel) musste her!

PlanDö

Am Anfang von PlanDö stand die radikale Auslegeordnung. Ich musste mir einen Überblick ĂŒber meine ziemlich verfahrene Situation verschaffen. Und so achtete ich fortan bei ALLEM was ich tat sehr bewusst darauf, was mir Energie raubte und was mir Energie gab.

Gretchenfrage: WOFÜR BRENNE ICH?

In einem zweiten Schritt nahm ich mir vor, Konsequenzen zu ziehen und Dinge, bei denen ich zur Überzeugung gelangt war, dass sie mir Energie raubten, kompromisslos loszulassen und dafĂŒr meinen Leidenschaften mehr Raum einzugestehen.
Seit meinem Total-Reset vor ein paar Jahren, pflege ich grundsĂ€tzlich einen ziemlich minimalistischen Lebensstil. Im Rahmen des Auslegeordnung-Prozesses wurde mir aber bewusst, wie viel Ballast sich ĂŒber die Jahre trotzdem angesammelt hatte. Angefangen bei unzĂ€hligen E-Mail-Newslettern, fĂŒr die ich mich gerĂŒchtweise selbst mal eingeschrieben haben soll đŸ€”Â und die ich seit Monaten, vielleicht sogar seit Jahren, schnurstracks aus meinem E-Mail-Postfach entferne – ungelesen, wohlverstanden. Über Schuhe und Kleider, die ausgelatscht oder einfach uncool geworden sind und geduldig in der hintersten Ecke des Kleiderschranks ausharren. Über Ă€tzende Aufgaben und Routinen, die sich klammheimlich in meinem Alltag eingeschlichen haben und irgendwie so gar nicht zu meiner kreativen Ader passen. Bis hin zu zwischenmenschlichen Verbindungen, die mich und mein autonomiebedĂŒrftiges Naturell nicht weiterbringen, schlimmsten Falls sogar blockieren…

Es ist bestimmt kein leichter Prozess (herrje, das Leben ist nunmal kein Ponyhof!), aber einer, der sich lohnt und einem in der Retrospektive das eine oder andere SchĂŒppchen von den Augen fallen lĂ€sst.
Ende Oktober besuchte ich schliesslich das Seminar THE BIG FIVE FOR LIFE und war von der Reich-und-GlĂŒcklich-Matrix total beeindruckt. Sie half mir, eine Struktur in mein Gedanken-Wirrwar zu bringen und lieferte mir plausible Argumente fĂŒr die Erkenntnisse aus meinem vorausgegangenen Auslegeordnungs-Prozess. (Mehr zum BigFiveForLife-Seminar gibt’s ĂŒbrigens hier.)

Welcome 2018

Nun ist es also da. Das neue Jahr. Zweitausendachtzehn! Viele Jugendliche sehnen ihr persönliches achtzehnte Jahr sehnlichst herbei. Wie eine Drohung verwenden sie es gegenĂŒber ihren Eltern:“Warte nur, bis ich achtzehn bin und ich endlich machen kann, was ICH will und was MIR gefĂ€llt!“

Sinnbildlich möchte ich dieses achtzehnte Jahr des 21. Jahrhunderts fĂŒr mich persönlich zum Anlass nehmen, wieder mehr von dem zu machen, was ICH will und was MIR gefĂ€llt. Schreiben gehört ĂŒbrigens dazu 😉

In diesem Sinne: Frohes Neues Jahr und hey!

do it đŸ’ȘđŸ»Â or donutÂ đŸ©

 

Safari zu den «BIG FIVE FOR LIFE» nach John Strelecky

Das vergangene Wochenende stand voll und ganz im Zeichen meiner persönlichen HerzenswĂŒnsche. Diese waren mir zu Beginn des Wochenendes selbst noch höchstens ansatzweise bekannt. Doch dies sollte sich bald Ă€ndern, denn das Ziel der drei Ă€usserst intensiven und dennoch wunderbar inspirierenden Seminartage an der ZĂŒrcher GoldkĂŒste war es, die eigenen HerzenswĂŒnsche zu erkennen und sich ihnen anzunĂ€hern. Schritt fĂŒr Schritt.

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Es gibt schlimmere Locations, um sich mit spannenden Lebensfragen auseinanderzusetzen. (EPI Park, ZĂŒrich.)

Wie es dazu kam

Im FrĂŒhling, ich war gerade auf der Suche nach einem passenden Geburtstags-Geschenk fĂŒr meine Afrika begeisterte Freundin, bin ich auf das Buch Safari des Lebens von John Strelecky gestossen. „Das ist es!“ dachte ich, „das ist das perfekte Geschenk.“ Hoch motiviert verliess ich damals den Buchladen, setzte mich zu Hause gleich hin und las das BĂŒchlein fast in einem Zug durch.
Ich fand die Geschichte zwar ganz nett, aber als Geburtstagsgeschenk fĂŒr meine Freundin dann irgendwie doch nicht ĂŒberzeugend genug. Die Frage nach dem Warum kann ich heute, eine Woche nach meiner Teilnahme am «BIG FIVE FOR LIFE»-Seminar, nicht mehr plausibel beantworten. Aber egal, damals war damals und damals passte es eben nicht. Ein alternatives Geschenk musste her und zwar dringend. Ich krempelte also meine Ärmel hoch und bastelte eigenhĂ€ndig eine „Geburtstagskarte Deluxe“ mit Safari-Feeling – guckt da: 🙂

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Nun aber zurĂŒck zu John Strelecky und seiner einzigartigen Interpretation von Safari des Lebens und den «Big Five for Life».

Im SpĂ€tsommer war mir der Lesestoff ausgegangen und so schnappte ich mir kurzerhand John Streleckys neuesten Streich, das Buch Wiedersehen im CafĂ© am Rande der Welt aus dem Bestseller-Regal bei Orell FĂŒssli. Das Buch handelt von einer jungen Workaholikerin, die vor lauter tun und lassen, was andere von ihr erwarten, ihre eigenen Ziele und WĂŒnsche aus den Augen verloren hat. Im CafĂ© trifft sie John, der sogleich zu ihrem Mentor wird und ihr dabei hilft, sich auf das, was wirklich zĂ€hlt zu besinnen.

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Die beiden Werke von John Strelecky, die ich mir bisher zu GemĂŒte fĂŒhrte.

Die Geschichte wird absolut schnörkellos erzĂ€hlt, ist daher fĂŒr jedermann leicht lesbar und durchaus inspirierend. Das Spannendste am ganzen Buch erwartete mich jedoch auf der letzten Seite, auf Seite 284. Hier entnahm ich nĂ€mlich den Hinweis auf Streleckys Seminar-Reihe «BIG FIVE FOR LIFE», welche direkt an seine BĂŒcher anknĂŒpft.
Neugierig rief ich die aufgefĂŒhrte Webseite auf und fand bald heraus, dass fĂŒr Ende Oktober ein erstes Seminar-Weekend in der Schweiz angeboten wurde. Die Ausschreibung und die online verfĂŒgbaren Schnupperlektionen ĂŒberzeugten mich schliesslich und **ZACK** war ich auch schon fĂŒr’s allererste «BIG FIVE FOR LIFE»-Seminar in der Schweiz eingeschrieben. ((an dieser Stelle bitte einen Trommelwirbel vorstellen))

Mit dem ❀ Herzen sieht und hört man am besten

Zusammen mit 15 weiteren Abenteurern startete ich also die Safari zu meinen ganz persönlichen HerzenswĂŒnschen, meinen «Big Five for Life» ❀
Unsere Reisebegleiter waren Brigitte Baumberger* und AndrĂ© Tietz – zwei Ă€usserst sympathische Menschen, die das Herz definitiv am rechten Fleck haben ((hier bitte einen herzlichen Applaus vorstellen)).

An den WĂ€nden des Seminarraums hatten Brigitte und AndrĂ© diverse Botschaften angebracht, die zum Nachdenken anregten. Auf mich hat das Plakat mit der „Sterbebett-Perspektive“ am stĂ€rksten gewirkt:

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P.S. nein, ich habe nicht vor, schon in 30 Jahren hier abzutreten 😉

Oder anders gefragt: Was wĂŒrde ich irgendwann bereuen und mich fragen:

„Ey, du langweiliges Luder, warum hast du eigentlich damals, in deinen besten Jahren, dieses oder jenes nicht gemacht? WA-RUM. hast. du. es. nicht. einfach. ge-macht, hĂ€?“

Brigitte und AndrĂ© haben uns mit wunderbar banalen Aufgaben auf die Reise zu unseren HerzenswĂŒnschen geschickt und uns dabei kompetent begleitet. Im Wesentlichen ging es darum, anhand einfachster Fragestellungen hĂ€ppchenweise unsere persönlichen Vorlieben zu ergrĂŒnden:

  • Warum zieht es uns an gewisse Orte oder in gewisse GeschĂ€fte immer wieder hin?
  • Warum schauen wir Romanzen (oder eben Krimis) am TV?
  • und, und, und….

Gerade weil die Aufgaben in ihrer BanalitĂ€t fast schon lĂ€cherlich anmuteten, rieten unsere Reisebegleiter uns immer wieder, die einzelnen Aufgabenstellungen nicht zu hinterfragen, sondern einfach dem Prozess zu vertrauen – „Trust the Process“, um es in den Worten von John Strelecky auszudrĂŒcken.

Reich und glĂŒcklich

Persönlich hat mich die Reich-und-GlĂŒcklich-Matrix wach gerĂŒttelt. In dieser Aufgabe ging es darum, unsere Alltags-TĂ€tigkeiten in den KĂ€stchen 1 bis 9 einzuordnen.

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Anhand eines kleinen Beispiels aus meiner eigenen Aufgaben-Schublade möchte ich das Prinzip der Matrix kurz erlÀutern.

Beispiel: Das BĂŒgeln von Hemden und Blusen muss ich eindeutig dem KĂ€stchen 8 zuordnen: bĂŒgeln kostet mich zwar nichts (ausser Nerven, herrje), aber ich HASSE es zu bĂŒgeln. BĂŒgeln macht mich ĂŒberhaupt nicht glĂŒcklich. Nun lohnt sich natĂŒrlich die Frage, ob ich denn irgendetwas an dieser Situation verĂ€ndern könnte. Klar könnte ich!  Ich könnte eine BĂŒgelfrau engagieren und damit eine Verschiebung der ungeliebten TĂ€tigkeit ins KĂ€stchen 1 erwirken. Die Frage ist, ob ich bereit bin, zur Erreichung der vollkommenen Happyness in diesem Beispiel Geld auszugeben.

NatĂŒrlich gilt es im Leben wesentlich kniffligere Aufgaben zu bewĂ€ltigen, als das BĂŒgeln von Hemden und Blusen. Bei den wirklich zentralen Aufgaben unseres Wesens lohnt sich eine sorgfĂ€ltige Evaluation. Die Reich-und-GlĂŒcklich-Matrix wird hier zur Schaltzentrale mit komplett flexiblen Reglern, womit sich die fĂŒr uns stimmigen Nuancen je Szenario bequem einstellen lassen.

Ich kann diese Art der Reflexion wirklich jedem ans Herz legen. Was fĂŒr eine Bereicherung, sich mal in aller Ehrlichkeit bewusst zu machen, wieviel Zeit unseres kostbaren Lebens wir letztlich fĂŒr Dinge aufwenden, fĂŒr die wir nicht brennen. Heiliger Bimbam, ey!

HerzenswĂŒnsche leben

Eine passende Bereicherung des Seminars war der Film Mit Herz und Hand mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle. Der Film spielt in den sechziger Jahren und erzĂ€hlt die wahre Geschichte des NeuseelĂ€nders Burt Munro, dessen Herzenswunsch es war, mit seiner wĂ€hrend 25 Jahren selbst „gebastelten“ Indian die legendĂ€re Bonneville Speed Week zu rocken. Die Reise von seiner Heimat Neuseeland nach Utah, USA verlief nicht ohne Komplikationen und erforderte eine tĂŒchtige Portion an Improvisation – sowohl von Burt, als auch von seinem Umfeld. Doch Burts eiserner Wille war stĂ€rker als jedes vermeintliche Hindernis…
Ich hatte den  Film zuvor noch nie gesehen. Die Geschichte berĂŒhrte mich, keine Frage. Und sie entlockte mir Erinnerungen an meine eigene Zeit, die ich vor einigen Jahren am und um den grossen Salzsee bei Bonneville erlebte. Leider habe ich damals noch nicht gebloggt und kann an dieser Stelle daher keine Geschichte aus meinem Anekdoten-Fundus anbieten 😉

Auch Udo JĂŒrgens‘ Ich war noch niemals in New York erhielt seinen verdienten Platz in unserem «Big Five For Life»-Seminar. Hinter diesem Song verbirgt sich eine meiner persönlichen Lieblings-Anekdoten. Witzig ist insbesondere, dass ich den Entschluss, endlich mal selbst nach New York zu reisen, damals mitten im namibischen Outback und damit quasi direkt bei den „wahren Big Five“ in Afrika gefasst hatte. Mehr dazu im Artikel Milchstrasse vs. Time Square: Vom afrikanischen Lagerfeuer an den Time Square in New York.

The «Big Five for Life»

Zugegeben, ich bin in der Erwartung in das Seminar gestartet, dass ich am Ende des dritten Tages, konkrete Ziele benennen kann, wie z.B, „ich will den Kilimandscharo besteigen“ oder „ich will in meinem Leben drei Kinder gebĂ€ren“. SpĂ€testens im Verlaufe des zweiten Tages wurde mir aber klar, dass  es gar nicht darum geht, seine HerzenswĂŒnsche bis aufs i-TĂŒpfelchen prĂ€zise und konkret formulieren zu können. «Big Five for Life» nach John Strelecky lĂ€sst totale Freiheit zu – auch was die Flughöhe und die Formulierung betrifft. Wichtig ist am Ende nur, dass man sich in seinen HerzenswĂŒnschen selbst wiederfindet und ihnen einen gebĂŒhrenden Platz im Leben zugestehst.

In diesem Sinne: do it đŸ’ȘđŸ»Â or donutÂ đŸ©

* Mehr Infos zu Brigitte Baumberger und den «BIG FIVE FOR LIFE»-Seminaren in der Schweiz gibt es auf der Webseite von Baumberger Coaching

Unter dem Strich kam mir dieses Valencia alles andere als spanisch vor.

Seit ich denken kann liebe ich die spanische Sprache und dieser Zustand hat sich mit meiner ganz persönlichen Liaison zu Barcelona in den letzten paar Jahren noch zusĂ€tzlich verstĂ€rkt. Doch meine Begeisterung, hier in der Schweiz einmal pro Woche fĂŒr zwei Lektionen die Schulbank zu drĂŒcken, hielt sich stets in Grenzen und so schob ich das Projekt „aprender español“ (spanisch lernen) immer wieder vor mich hin (mañana, mañana…). Ich vertraute stets darauf, dass der richtige Moment irgendwann schon noch kommen wĂŒrde, in dem ich mich dazu aufraffen könnte, einen Sprachkurs zu belegen. Trotzdem notierte ich den Vorsatz sicherheitshalber sorgfĂ€ltig auf meiner Bucketlist.

Der richtige Zeitpunkt kam schliesslich im vergangenen August… weiter gehts in meinem Gastbeitrag im Boa Lingua-Blog 😉

Best of Valencia Tweets

NatĂŒrlich habe ich wĂ€hrend meinem Aufenthalt in Valencia ab und zu getwittert. Hier ein paar Kostproben 😉

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Impressionen von Valencia

doedels #bucketlist

Der Begriff „bucketlist“ stammt aus den USA und steht fĂŒr eine Liste mit Dingen, die man vor dem Tod unbedingt erleben oder erledigen möchte. Jeder, der etwas auf sich hĂ€lt, fĂŒhrt eine solche „ToDo-Liste“ – wenn nicht schwarz auf weiss, dann zumindest im Kopf… die Gedanken sind ja bekanntlich frei.

Ich habe spontan mal ein paar EintrĂ€ge fĂŒr meine persönliche „bucketlist“ zusammengetragen und behalte mir das Recht vor, die AufzĂ€hlung bei Bedarf zu erweitern oder zu Ă€ndern. Die Reihenfolge der EintrĂ€ge ist rein zufĂ€llig und gibt – ausser bei Punkt 1 – keinen Aufschluss ĂŒber die PrioritĂ€t. Ach und noch was: durchgestrichen steht fĂŒr eine bewusste Abgrenzung, ein gut ĂŒberlegtes No-Bucket, also 😉

  1. GESUND, ZUFRIEDEN und DANKBAR bleiben –> ongoing project!
  2. Nordlicht bestaunen
  3. Spanisch lernen (so richtigrichtig) –> ongoing project!
  4. mich am „Edelmann“ in Barcelona beteiligen und dafĂŒr sorgen, dass der Laden so richtig zum fliegen kommt (⇒ Notiz an mich: zuerst Punkt 3 anpacken)  –> das „Edelmann“ ist leider pleite gegangen (hĂ€tten die mich mal lieber ran gelassen! đŸ€š) 
  5. Einen MillionÀr heiraten
  6. Roadtrip von Chicago nach New Orleans
  7. Im Zug von Daresalam nach Kapstadt tuckern (⇒ Notiz an mich: in diesem Zusammenhang Punkt 5 nochmals eine Chance geben?!??)
  8. irgendwas mit Atacama… ⊗  did it! 😊  ⇒ Atacama-Trekking: dĂŒnne Luft, fette Panoramen
  9. Valparaiso, Chile
  10. VictoriafĂ€lle, Sambia/Simbabwe ⊗  got it! 💩 ⇒ VictoriafĂ€lle: Ein imposanter Start in das Abenteuer im sĂŒdlichen Afrika
  11. Roadtrip nach BarceLOVEna
  12. ein Buch schreiben –> ongoing project
  13. den Kilimandscharo umrunden, Ngorongoro
  14. Okavangodelta, Botswana ⊗  done đŸ€© ⇒ Best of Botswana: Okavangodelta und Chobe Nationalpark
  15. Mich vor Ort ĂŒberzeugen, ob die MĂ€nner in Buenos Aires tatsĂ€chlich so wow sind, wie immer alle behaupten (==> Notiz an mich: Punkt 3 vertiefen… đŸ€”Â oder vielleicht besser nicht…?!???)
  16. Cusco, Rainbow Mountain, Peru
  17. Salar de Uyuni, Bolivien ⊗  was there 😊 ⇒ Bolivien: Trekking durch den Altiplano
  18. Bikereise durch Myanmar ⊗ done đŸ’Ș ⇒ Myanmar: Bike-Reise durch das Land des LĂ€chelns. Und der Flip-Flops.
  19. Roadtrip Alaska-Highway – Panamericana – Carretera Austral
  20. Patagonien
  21. In Neuseeland SchÀfchen zÀhlen
  22. Meditieren in Chiang Mai oder Ayurveda-Kur in Indien. Oder beides 😉
  23. [[coming soon – stay tuned :-)]]

Do it or Donut – Das Leben ist ein Willisauer-Ringli

Ich hatte kĂŒrzlich drĂŒben bei Twitter die Management-Trainerin Diana Dreeßen aus einem ihrer BĂŒcher zitiert:

Frei zu sein bedeutet,

das zu sein, was man ist,
das zu tun, was man kann,
und so zu leben, wie man will.

(Diana Dreeßen)

FĂŒr diesen Tweet habe ich einige Zustimmungen erhalten. Doch es war auch ein skeptisches Feedback dabei. Einer meiner Follower meinte nĂ€mlich, dass dies doch pure Illusion sei, dass er die ersten beiden Aussagen zwar noch einigermassen gelten lassen könne, der dritte Punkt jedoch schlicht Quatsch und in der Umsetzung unmöglich sei. Schliesslich gĂ€be es Leute wie ihn, mit Verpflichtungen im Leben – sei es privat oder geschĂ€ftlich.

Mich irritierte dieser Affront, doch ich brach die Diskussion ab, bevor sie richtig entfachen konnte. Ich diskutiere nie auf Twitter. Gehaltvolle, gerne auch kontroverse Diskussionen fĂŒhre ich lieber offline – bei einem Glas Wein oder einer guten Tasse Kaffee.

Die Reaktion des Followers veranlasste mich dennoch dazu, den Sachverhalt des Zitats fĂŒr mich persönlich nochmals tiefgrĂŒndiger zu reflektieren, denn offenbar lĂ€sst es Interpretationsspielraum zu, den ich spontan ĂŒbersehen hatte. Ich möchte die Gelegenheit daher nutzen, hier meine persönliche Interpretation von „frei sein“ darzulegen.

SpĂ€testens seit meinem persönlichen Total-Reset vergleiche ich das Leben immer mal wieder gerne mit einem Willisauer-Ringli. Na ihr wisst schon, dem legendĂ€ren Keks aus dem Luzerner Hinterland. Typisch fĂŒr das GebĂ€ck ist das Loch in der Mitte… logo, sonst wĂ€r’s ja kein Ringli 😉

willisauerringli
Bild-Quelle: http://www.hug-luzern.ch

Das Rezept des Kult-GebĂ€cks ist denkbar einfach: diverse leckere Zutaten werden zu einer homogenen Masse verarbeitet und sorgfĂ€ltig um ein Loch herum angerichtet. Anschliessend wird das Ganze bei knapp 200 Grad Celsius in den Ofen geschoben. Vorausgesetzt man erwischt den richtigen Zeitpunkt, das Backblech wieder aus dem Ofen zu ziehen, kommt dabei etwas saumĂ€ssig Leckeres mit einer gewissen, durchaus gewollten, Bisshaftigkeit heraus. Wenn man den richtigen Zeitpunkt jedoch verpasst oder aber die falschen Zutaten mixt, kann der Schuss allerdings auch nach hinten losgehen – das Ergebnis wird (zu) hart, zu fad oder im Extremfall sogar ungeniessbar.

Im ĂŒbertragenen Sinne ist doch auch unser Leben in seinem jungfrĂ€ulichen Ursprung erstmal einfach ein Hauch von Nichts – ein Loch, quasi. Und wir allein bestimmen im Verlaufe unserer Lebensreise, wie wir uns mit und um dieses Loch herum arrangieren. Dazu bedienen wir uns diverser Zutaten: sĂŒsse, salzige, saure, knackige, manchmal auch bittere. TĂ€glich bestimmen wir aufs Neue, was wir unserem persönlichen Guetzli-Teig beifĂŒgen, mit wieviel Energie und Euphorie wir ihn zu einer fĂŒr uns stimmigen Masse verarbeiten und wie knusprig wir unsere Kekse im Ofenrohr schliesslich werden lassen.

FĂŒr mich ist das GefĂŒhl frei zu sein daher primĂ€r eine Frage der Einstellung zum Leben und gegenĂŒber der eigenen kleinen Welt. Völlig unabhĂ€ngig von Besitztum, beruflicher und familiĂ€rer Verpflichtungen, politischem Engagement und was man hier sonst noch alles aufzĂ€hlen könnte.

Jeder ist bekanntlich seines eigenen GlĂŒckes Schmied und so komme ich zur uneingeschrĂ€nkten Überzeugung, dass das Zitat von Diana Dreeßen fĂŒr mich stimmig ist und zwar genau so, wie es da steht, genau so. Punkt.

Übrigens: aus dieser Geschichte entwickelte sich spĂ€ter mein Credo. Das Willisauer-Ringli hat hier einfach einem Donut Platz gemacht 😉

do it đŸ’ȘđŸ»Â or donutÂ đŸ©

Nimm dein Leben in die Hand, folge deiner Intuition und tue was DU fĂŒr richtig hĂ€ltst.
Denn wer nichts wagt, futtert am Ende ein Leben lang Junk in sich hinein.

 

Algarve: Fels und Meer – was will man mehr?

Vor wenigen Tagen bin ich aus Portugal – dem „Wilden Westen“ Europas – zurĂŒckgekehrt. Es war ein toller Trip und fĂŒr mich persönlich eine besonders wertvolle neue Erfahrung. Ich habe nĂ€mlich eine neue Art des Reisens fĂŒr mich ausprobiert und das Fazit sorgfĂ€ltig in die Schublade „Warum eigentlich nicht?“ abgelegt.
FĂŒr einmal war ich nicht alleine oder aber mit dem Lebenspartner unterwegs, sondern mit einem Freund, einem Kumpel – nennen wir ihn Alex. Ich hatte die Reise ursprĂŒnglich fĂŒr mich alleine konzipiert. Ende MĂ€rz erzĂ€hlte ich Alex bei einem Teller Spaghetti von meinen PlĂ€nen. Der Rest ergab sich dann irgendwie ziemlich spontan 😉
Bereits dreieinhalb Wochen spĂ€ter flogen wir nĂ€mlich nach Lissabon und verbrachten dort 3 herrliche Sommertage. Anschliessend schnappten wir unseren ficken Schlitzer… Ă€h schicken Flitzer (ÄxgĂŒsi!)  und dĂŒsten damit ĂŒber die nicht enden wollende Vasco-da-Gama-BrĂŒcke Richtung SĂŒden.

Die darauffolgenden Tage erkundeten wir die atemberaubende Kulisse der Algarve. Mir fiel rasch auf, dass Alex und ich die Dinge, die um uns herum passierten recht unterschiedlich wahrnahmen. So wusste Alex beispielsweise immer exakt, in welcher Richtung unser Auto stand – egal wie verwinkelt wir uns davon wegbewegt hatten. Sehr praktisch! 😜 Mir hingegen vielen Unscheinbarkeiten am Wegesrand auf, die Alex schlicht ĂŒbersehen und/oder plattgetrampelt hĂ€tte.

In diesem Zusammenhang möchte ich euch einen Dialog zwischen Alex und mir nicht vorenthalten:

Ich:„Und? Wie gefĂ€llt dir das hier so?“

Alex:„Ich habe mehr erwartet.“

Ich:„Mehr von was?“

Alex:„Naja, ich weiss nicht…“

Ich:„Sag schon! Mehr Felsen? Höhere Felsen? MĂ€chtigere Felsen?“

Alex:„Nein, die Felsen sind hier sehr beeindruckend…“

Ich:„Hmmm… mehr Farbe vielleicht?“

Alex:„Die Farben sind toll: das tĂŒrkisfarbene Wasser, die rot leuchtenden FelswĂ€nde, die sattgrĂŒnen Wiesen, die bunten Blumen beim Cabo sao Vicente…“

Ich:„Was denn dann? Doch nicht etwa mehr Meer?“

„Hallo?! Wir stehen hier am Atlantik…“, erwiderte Alex mit leicht belehrendem Unterton.

Ich:„Schau, ich habe die Twelve Apostles an der Great Ocean Road in Australien gesehen – gigantische Formationen – WOW!
Ich habe die malerischen Klippen der Isle of Skye in Schottland gesehen – fantastisch, wie Rauheit und Lieblichkeit dort Eins werden – WOW!
Ich hab am gigantischen Hardanger-Fjord in Norwegen Mund und Augen nicht mehr zugekriegt vor lauter staunen – WOW!
Ich stand am Cape Point in SĂŒdafrika, wo zwei Ozeane auf einander treffen – WOOOW!
Aber hey – die Kombination von gigantischen Felsformationen, malerischen Klippen und grandioser Farbenvielfalt macht diesen Ort hier verdammt einzigartig – geniesse es!!!“

Schweigen.

Alex:„Du hast schon recht… sehr schön hier. Alles! *HighFive*“

Pah! Eins zu null fĂŒr mich, hĂ€tte ich in diesem Moment mit geballter Faust zum Himmel rufen können. Doch genau genommen war Alex der wahre Gewinner aus dieser Situation.

Ich wĂŒnsche sie uns allen. Die FĂ€higkeit, den Blickwinkel zu wechseln und die Dinge situativ aus anderer Perspektive zu betrachten. Denn am Ende ist immer alles so, wie wir es sehen bzw. sehen wollen.

12
Ponta da Piedade, Lagos

Einige EindrĂŒcke zum Portugal-Trip findet ihr ĂŒbrigens hier in einer Diashow Impressionen aus dem “Wilden Westen” Europas – viel Spass!

 

Impressionen aus dem „Wilden Westen“ Europas

Hier ein paar Impressionen einer tollen Zeit im „Wilden Westen“ Europas.

Nach drei Tagen Lissabon ging’s weiter an die atemberaubende Kulisse der Algarve. Petrus hat zum Schluss hin etwas gezickt, unter dem Strich betrachtet war dies aber portegal… 😉 insgesamt war es ein absolut gediegener Trip!

Einmal mehr habe ich die Gelegenheit genutzt und eine (fĂŒr mich) neue Art des Reisens ausprobiert. Mehr dazu gibt’s hier Fels und Meer – was will man mehr?

1
Torre de Belém, Lissabon
6
Freddie Mercury, Tina Turner, Luciano Pavarotti @Sandcity Fiesa / Motto: Musica
2
PastĂ©is de BelĂ©m – mmhhhhh
10
Finding Rainbow 😉
3
Cabo da Vicente
4
Cabo da Vicente

8

7
Lagos
12
Algarve
5
Bach und Mozart @Sandcity Fiesa / Motto: Musica

13

9
Cabo da Vicente
15
Porto
16
PastĂ©is de nata – mmmhhhhh

14

11
Algarve

/Mai 2016

The Winner Takes it All, den Andalusiern ists egal

Um es gleich vorweg zu nehmen: der spontan möglicherweise etwas provokant anmutende Titel dieses Blogposts ist aus Sicht der Andalusier absolut im positiven Sinne zu verstehen. Zehn Tage an der Costa del Sol genĂŒgten, um mir eine ganz fette Scheibe vom andalusischen Zauberkuchen abzuschneiden. Der Kuchen besteht aus kostbaren Zutaten wie Gelassenheit, Zufriedenheit, Herzlichkeit und einer grosszĂŒgigen Prise Charme.
„Kein Wunder, dass die so zufrieden sind. Die haben ja auch 320 Sonnentage pro Jahr“, könnte man da resĂŒmieren. Rein statistisch ist diese Aussage zwar korrekt, aber hey! letztlich bestimmt nicht die Sonne, die vom Himmel lacht, wieviel Licht wir in unseren Herzen zulassen. Ich jedenfalls knabbere noch heute genĂŒsslich an meinem andalusischen StĂŒck Kuchen.

Nun aber zur eigentlichen Geschichte, die meine Zeit in Andalusien zu einem Meilenstein in meinem Leben gemacht hat.

Obschon ich einige Punkte meiner damals in Barcelona skizzierten Strategie bereits tapfer in die Tat umgesetzt hatte, blieb ein Vorsatz zunĂ€chst hartnĂ€ckig auf der Pendenzenliste stehen. Jener nĂ€mlich, alleine ein Auto zu mieten und damit auf eigene Faust eine neue Gegend zu entdecken. In meinem alten Leben waren mein Mann und ich oft per Auto bzw. Camper unterwegs. Da mein Mann Chauffeur war, war es naheliegend, dass er in aller Regel am Steuer sass, wĂ€hrenddem ich mich nebenan auf dem BeifahrersitzÂ ĂŒber all die Jahre zur quirligen Entertainerin und zur Weltmeisterin im Kartenlesen entwickelte.

Meine Andalusien-Mission lautete also, ein Auto zu mieten und damit die Gegend unsicher zu machen. Nach ĂŒber drei Stunden in der Europcar-Schlange am Flughafen von MĂĄlaga, habe ich meinen Fiat500 endlich erhalten. ❀

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Mein 500er, aka „Erbse“ 😉

Als ich dann die Adresse meines Hotels im Navi eingeben wollte, stellte ich erstaunt fest, dass die auf dem Voucher aufgedruckte Strasse gemĂ€ss Navi nicht existierte. Ich beschloss daraufhin, einfach mal bis nach Marbella durchzufahren und dort nach dem Weg zu fragen. Und so stoppte ich bei der ersten Tankstelle nach dem Ortsschild von Marbella, hielt dem braungebrannten Spanier an der Kasse meinen Hotel-Voucher unter die Nase, legte mein charmantestes Sonntags-LĂ€cheln auf und zog gleichzeitig die Achseln bis zu den Ohren. Der Mann kapierte sofort und so erfuhr ich, dass ich bereits auf der richtigen Strasse war (Bingo!). Allerdings auf der falschen Seite und ca. zwei Kilometer zu östlich. „Easy!“, dachte ich bei mir, „Strassenseite wechseln kriege ich hin, wĂ€r‘ ja gelacht, ey!“.

Motiviert verliess ich also den Tankstellenshop und verschaffte mir als erstes einen Überblick. Wieviele Spuren hatte diese Strasse denn eigentlich von der der Tankstellenmann behauptete, dass es die richtige sei? Eine, zwei, drei… pro Richtung, wohlverstanden (meine Fresse!). Ich setzte mich in meinen 500er und war entschlossen, zwei bis drei Kilometer in westliche Richtung weiterzufahren, um dann irgendwie die Seite zu wechseln. NatĂŒrlich kam nach drei Kilometern keine Bitte-Wenden-Ausfahrt. Auch nach vier, fĂŒnf und sechs Kilometern nicht.  So verliess ich die Autostrasse halt einfach bei der ersten Gelegenheit, die sich mir bot. Unnötig zu erwĂ€hnen, dass ich den Überblick zu dem Zeitpunkt lĂ€ngst verloren hatte (Herrje!).
Ein Plan B musste her und zwar schnell. Et voilĂ : Ich wĂŒrde uns (also fĂŒr die Erbse und mich) ein Taxi rufen. Das mag jetzt bescheuert klingen, ist aber eigentlich ein ziemlich intelligenter Plan, auf den man zuerst mal kommen muss! 🙂 Das Taxi sollte HĂ€uptling spielen, voraus reiten und uns zwei Bleichgesichtern so den Weg zum Hotel weisen…

Ich war inzwischen auf dem Parkplatz eines Surfclubs gelandet. Ich stieg aus dem Wagen und kaum stand ich mit meinem hilflosen Taxi-Such-Blick auf dem Platz, kam auch schon ein knackiges, braungebranntes und von Sonnenöl glÀnzendes Sixpack auf mich zu. Er hiess Francisco und genau so sah er auch aus (hach!)!
Francisco strahlte ĂŒbers ganze Gesicht. Seine Augen leuchteten, als er fragte, ob und wie er mir denn helfen könne. „Oh… Ă€hm… hola… un momento… por favor… soy suiza…“, stammelte ich und kramte meinen Hotel-Voucher hervor. Francisco sah das Logo auf dem Papier und meinte, dass er bereits wisse, wo das Hotel sich befinde und er mir den Standort im Navi locker sogar ohne Adressangabe programmieren könne. FĂŒr einen Moment war ich skeptisch, doch dann sah ich auf das beeindruckende Sixpack in Franciscos funkelnde, braune Augen und vertraute ihm aus tiefem Herzen. Ich sollte es nicht bereuen…

Eine halbe Stunde spĂ€ter checkte ich im Hotel ein, bezog meinen knallorangen Bungalow und gönnte mir eine erfrischende Dusche. SpĂ€ter genoss ich den lauen Abend bei einem Glas Sangria an der Strandbar und war einfach nur dankbar (ĂŒbrigens: dankbar reimt sich auf Strandbar). Ich hatte es geschafft, war angekommen – nicht nur im Hotel 😉 Manchmal meint es das Schicksal eben verdammt gut mit mir…

In den darauffolgenden Tagen unternahm ich mit meiner Erbse einige sehr tolle Ausfahrten. VergnĂŒgt kurvten wir durch die berĂŒhmten „weissen Dörfer“ Andalusiens, machten Halt im romantisch-imposanten Ronda, im lieblichen Nerja, im stĂŒrmischen Gibraltar und liessen selbst das 260 km entfernte Sevilla, die Hauptstadt Andalusiens, nicht aus.

Wer weiss, vielleicht schreibe ich mal noch eine weitere Geschichte ĂŒber mein Self-Drive-Abenteuer an der Costa del Sol… aber natĂŒrlich nur, wenn ihr das mögt?!?? 🙂

Impressionen aus Andalusien

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/Mai 2014

Die Kraft des Atlantiks… oder wie man zufĂ€llig einen Halbmarathon lĂ€uft

September 2012. Ich war gerade mit meinem damaligen Freund – nennen wir ihn Klaus-Dieter 😉 – aus Ägypten zurĂŒckgekehrt. Klaus-Dieter und ich waren knapp drei Monate ein Paar und verbrachten – zum krönenden Abschluss unserer Beziehung, wie sich herausstellen sollte – eine total witzige und absolut friedvolle Woche am roten Meer. Eigentlich hatte alles wunderbar gepasst zwischen uns beiden. Dennoch kehrten wir nach Hause zurĂŒck und jeder ging fortan seinen eigenen Weg, als wĂ€re es die logischste Sache der Welt. In der Nachbetrachtung eine reichlich skurrile Geschichte… eine Geschichte, die das Leben schreibt.

In den darauffolgenden Wochen wurde ich zunehmend zappelig, hatte sprichwörtlich Hummeln im Hintern. VerstĂ€ndlich, denn bis dahin war das Jahr 2012 ja proppenvoll mit Wohnungssuche, Umzug, HaushaltgrĂŒndung und Klaus-Dieter :-P. Doch jetzt, wo wieder Ruhe und so was Ă€hnliches wie Routine in mein Leben eingekehrt war, drehte ich buchstĂ€blich am Rad. Ich musste dringend etwas unternehmen, doch was?

Ich dachte an die tolle Zeit in Barcelona zurĂŒck und an die ambitiösen VorsĂ€tze, die ich in jener lauen Silvesternacht in den katalonischen Himmel hinauf beschwörte. Ja, die Zeit war definitiv reif, einen weiteren, bewussten Schritt zu wagen, um meine Leidenschaft fĂŒrs Reisen weiter auszuleben. Ich ĂŒberlegte mir also, welche Art von Urlaub denn geeignet sein könnte fĂŒr mich als Alleinreisende. Das war gar nicht so einfach, denn wie in BarceLOVEna – wo alles begann
 beschrieben, war ich bis dahin grossmehrheitlich per Camper unterwegs. Ich fand Camping immer toll. Doch die Vorstellung alleine zu campieren, ĂŒberforderte mich – ĂŒbrigens genauso, wie der Gedanke an eine Gruppenreise und/oder an Cluburlaub…

Sport + Urlaub = Sporturlaub

Sport genoss schon immer lange einen wichtigen Stellenwert in meinem Leben und wurde nun, in meiner Singlezeit, zunehmend zu einer zentralen Energiequelle. Und genau dies brachte mich schliesslich auf eine geniale Idee: ich könnte irgendwohin ans Meer reisen, um dort Sport zu treiben – joggen zum Beispiel. Gesagt getan und so flog ich drei Wochen spĂ€ter fĂŒr zehn Tage nach Teneriffa.

Verkehrsregelung im Teide Nationalpark

Ich strandete an der Costa Adeje, einer ziemlich edlen Gegend im SĂŒden der Kanareninsel – perfekt zum joggen und wandern und nah genug an der legendĂ€ren Playa de las Americas, falls es mal einen Tick flotter zu und her gehen durfte. Mein Hotel war 10 Gehminuten vom Busbahnhof entfernt und damit ideal gelegen fĂŒr Tages-AusflĂŒge auf der ganzen Insel. Mein Zimmer befand sich auf Etage acht (von acht), hatte einen ĂŒberraschend grosszĂŒgigen Grundriss und war Ă€usserst stilvoll eingerichtet. Eine charmante, kleine Dachterrasse mit seitlichem Meerblick rundete das Profil meiner Behausung fĂŒr die nĂ€chsten zehn Tage krönend ab. Ich bin heute noch ĂŒberzeugt, dass das die Prinzessinnen-Suite war. Fakt ist: ich fĂŒhlte mich vom ersten Moment an wohl hier und das war schon mal viel wert.

Etwas Bammel hatte ich durchaus vor dem ersten FrĂŒhstĂŒck. Was, wenn ich als Single irgendwo an einen Familientisch mit kreischenden Kindern gesetzt wĂŒrde – als „LĂŒckenfĂŒller“, quasi? Oder die andere AusprĂ€gung: Was, wenn ich Ă€tzend labernde Kerle abwimmeln musste, die sich zu mir an den Tisch gesellen wollten?

GlĂŒcklicherweise traf nichts von beidem ein. Im Gegenteil: ich erhielt jeden Morgen meinen (zur Suite passenden) Prinzessinnen-Tisch, wurde Ă€usserst respektvoll und zuvorkommend behandelt und das FrĂŒhstĂŒcks-Buffet verdiente das PrĂ€dikat „Wow“!

Ich liebte es, ausgiebig zu brunchen, um mich dann fĂŒr den Rest des Tages mit dem Rucksack auf dem Buckel einfach von der Atlantikbrise treiben zu lassen. Oder aber, ich schnallte meine Laufschuhe an, steckte IdentitĂ€tskarte und einen Notgroschen ein und joggte einfach drauflos. Ohne Ziel und ohne auch nur irgendjemandem Rechenschaft darĂŒber abzuliefern. Ich war frei und das fĂŒhlte sich nicht nur okay, sondern verdammt richtig an…

Joggito ergo sum…

Eines Tages joggte ich also wieder der lebhaften Strandpromenade entlang. Vorbei an unzĂ€hligen Restaurants und den fĂŒr Teneriffa so typischen schwarzen SandstrĂ€nden. Beschwingt setzte ich einen Fuss vor den anderen, als wĂŒrde ich auf Watte laufen. Ich nahm eine wunderbare Leichtigkeit in mir wahr und mit jedem Atemzug sog ich noch etwas mehr von dieser kraftspendenden Atlantikluft in mir auf. Ich spĂŒrte die vielen bemitleidenden bewundernden Blicke des „faulen“ Strandvolks auf mir. Ich fĂŒhlte mich grossartig. Leicht und dennoch vor Energie strotzend – frei nach Descartes: «joggito ergo sum» – ich jogge, also bin ich.

Nach knapp zwölf Kilometern endete die Strandpromenade schliesslich bei Los Christianos. Erst da realisierte ich, wie weit ich schon gelaufen war. Jetzt noch zurĂŒck zu meiner Prinzessinnen-Suite und er war geschafft: mein erster Halbmarathon…

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Beeindruckende Flora im Teide-Nationalpark