Leben wie Robinson Crusoe – nur die Insel fehlt.

Ich habe die ersten zwei Monate des Jahres 2020 im sĂŒdlichen Argentinien, in Patagonien, verbracht und habe wĂ€hrend dieser Zeit viel ĂŒber den argentinischen Alltag gelernt. Einkaufen in Patagonien fĂŒhlte sich an wie Advent: man wusste nie, was sich am nĂ€chsten Tag hinter dem (Supermarkt-)TĂŒrchen verbergen mochte. An die halbleeren Supermarktregale musste ich mich zuerst gewöhnen. Aber auch in anderen Situationen galt es in Argentinien flexibel, pragmatisch und geduldig zu bleiben – etwa an der Bushaltestelle, am Bancomaten oder in der Schlange vor der Supermarktkasse.
Ich bin nun seit genau einem Monat zurĂŒck in der Schweiz und stelle fest: same, same but different. Auch hier waren die Supermarktregale in den letzten Tagen nicht zu jedem Zeitpunkt prall gefĂŒllt, auch hier haben sich Bus- und ZugfahrplĂ€ne geĂ€ndert und jedenfalls hat meine Auszeit am «Ende der Welt» in der Nachbetrachtung den Charakter eines Feldtests erlangt.

Ich fĂŒhle mich in diesen Tagen zugegeben etwas hilflos. Ausserstande irgendetwas gegen das, was da unaufhaltsam auf uns zurollt ausrichten zu können, hocke ich in meinem improvisierten HomeOffice und ĂŒberlege, wie ich die nĂ€chsten Wochen oder Monate ĂŒber die Runden kommen werde und welchen Beitrag ich selbst in dieser misslichen Lage leisten kann. Ich habe keinen medizinischen Hintergrund. Kann ich ĂŒberhaupt etwas beitragen? Ich habe diese Frage mit GĂŒnnter*, meinem inneren Schweinehund, diskutiert.   

GĂŒnnter: Einen wunderschönen guten Sonntagmorgen, meine Liebe. Heute scheint ein trĂŒber Tag zu werden. Wir könnten mal wieder auf der Couch abhĂ€ngen?   

Doedel: Guten Morgen, mein lieber Schweinehund. Gute Idee, genau das werden wir heute wohl tun. Wir bleiben zuhause. So, wie wir auch morgen und ĂŒbermorgen und generell die nĂ€chsten Tage und Wochen zuhause bleiben werden.

Nanu?! Wie kommt es zu dieser langfristigen Prognose? 

Wir stehen unter Corona-QuarantĂ€ne. #staythefuckhome lautet der vom Bundesrat unmissverstĂ€ndliche Appell an die Schweizer Bevölkerung. NatĂŒrlich hat er das netter formuliert, aber inhaltlich Ă€ndert sich nichts daran. Wer nicht unbedingt raus muss, bleibt gefĂ€lligst zuhause, wĂ€scht sich die HĂ€nde regelmĂ€ssig und hĂ€lt mindestens zwei Meter Abstand zu Menschen, welche nicht im gleichen Haushalt leben. Hazel Brugger hat es neulich in einem ihrer Tweets wunderbar treffend auf den Punkt gebracht:

Stell dir vor, draussen ist Corona aber niemand geht hin.
(@hazelbrugger)

Die behördlich verordnete QuarantÀne gilt vorerst bis zum 19. April. Bis dahin harrt jeder auf seiner Insel aus.

Sind wir zurzeit nicht alle ein bisschen Robinson Crusoe?

Klingt krass. Wird uns da – auf unserer „einsamen Insel“ – nicht irgendwann die Decke auf den Kopf fallen? 

Genau dies gilt es tunlichst zu vermeiden! Aber dazu spÀter.

Als bekennende Minimalistin sind Stichworte wie Verzicht und Loslassen grundsĂ€tzlich keine Fremdwörter fĂŒr mich. Ich bin ein kinderloser Single und bin es gewohnt, einen beachtlichen Teil meiner Zeit alleine zu verbringen. In der aktuellen Situation habe ich mit dieser Vorgeschichte möglicherweise eine begĂŒnstigte Ausgangslage. Trotzdem stand und stehe auch ich in diesen Tagen vor neuen Herausforderungen rund um die BewĂ€ltigung meines Alltags. Mittlerweile habe ich immerhin einen Plan zur Hand – den sogenannten PlanDö (Anmerkung der Redaktion: das „Dö“ steht fĂŒr „Doedel“).

Einen Plan zu haben klingt doch schon mal vielversprechend?! Welches Hauptziel verfolgt dieser Plan?

Nun, das Wesentliche was ich, was jeder einzelne von uns – nebst der strikten Einhaltung der Hygienevorschriften – zur allgemeinen Lage beitragen kann, ist zu sich selbst Sorge zu tragen. Ich empfinde es in dieser verzwickten Lage tatsĂ€chlich als meine persönliche Pflicht und Verantwortung, mit all meinen KrĂ€ften dafĂŒr zu sorgen, nicht selbst zum Problem zu werden – weder fĂŒr mich, noch fĂŒr mein unmittelbares Umfeld und am allerwenigsten fĂŒr unser Land mit seinen ausreichend strapazierten Ressourcen. Selbst gesund und fit zu bleiben ist daher das deklarierte Ziel von PlanDö! Ich habe die wichtigsten Eckpunkte in einer Art „Pflichtenheft“ fĂŒr mich festgehalten.  

Was genau muss ich mir unter diesem Pflichtenheft vorstellen?

Ich zitiere an dieser stelle den entsprechenden Eintrag aus Wikipedia – pass auf!

„Das Pflichtenheft beschreibt in konkreter Form, wie der Auftragnehmer die Anforderungen des Auftraggebers zu lösen gedenkt. […]“

Verstehe. Und wer ist in unserem Fall nun der Auftragnehmer?

Na wir selbst, wer denn sonst?!

Okay… hmmm, und wer fungiert denn dann in der Rolle des Auftraggebers?

Auch wir! Herrje, bitte tue mir den Gefallen und denke mal ein bisschen mit! Es liegt doch sowas von auf der Hand, dass die beiden Rollen in Personalunion besetzt werden mĂŒssen – es ist ja sonst keiner da! (boxt energisch auf eines der drei feuerroten Couch-Kissen)

Huch… Ă€hm… ja klar, ich versuche es, also mitzudenken, versprochen! (blickt verlegen vor sich hin)

Na los: beweise mit deiner nĂ€chsten Frage, dass du ein cleveres BĂŒrschchen bist!

(Wischt sich den Schweiss von der Stirn, wĂ€scht sich danach grĂŒndlich die HĂ€nde und kehrt schliesslich auf seinen Platz zurĂŒck)

(RĂ€uspert) Nun, was sind die wesentlichen Eckpunkte deines… Ă€h… unseres Pflichtenhefts? 

VoilĂ , geht doch! Vielen Dank fĂŒr diese Ă€usserst intelligente nĂ€chste Frage! (streckt den rechten Daumen aus der geballten Faust Richtung Decke)

(purzelt vor Erleichterung schier vom Hocker) 

Die Eckpunkte des Pflichtenhefts sind: eine gesunde ErnĂ€hrung, tĂ€gliche Workouts, eine klare Tagesstruktur. DarĂŒber hinaus möchte ich fĂŒr meine Liebsten aber auch fĂŒr Freunde und Kollegen da sein, wenn sie mich brauchen.

Was genau verstehst du unter einer „gesunden ErnĂ€hrung“?

Ich ernĂ€hre mich auch ausserhalb von Mega-Krisen grundsĂ€tzlich gesund. In der aktuellen Situation und mit dem erklĂ€rten Ziel von PlanDö, selbst glimpflich durch diese Krise zu kommen, wird eine gesunde, ausgewogene ErnĂ€hrung jedoch noch ein SpĂŒrchen wichtiger.
Ich nehme tĂ€glich drei Mahlzeiten zu mir. Zum FrĂŒhstĂŒck mag ich mein traditionelles Porridge aus Haferflocken, Pflanzenmilch und einer Portion frischen FrĂŒchten, dazu einen Kaffee. Mittag- und Abendessen bestehen aus einer zĂŒnftigen Portion GemĂŒse – nach Möglichkeit frisch zubereitet, dazu eine Eiweisskomponente nach Wahl – also KĂ€se, Eier, Fisch, HĂŒlsenfrĂŒchte, ab und zu ein StĂŒck Fleisch.
Ich trinke tĂ€glich 2-3 Liter Ingwerwasser. FĂŒr einen zusĂ€tzlichen Vitamin-C-Kick fĂŒge ich den ersten beiden Portionen den Saft einer frisch gepressten Zitrone hinzu. Hihi… eine kleine Anekdote am Rande: einmal habe ich den Zitronensaft irrtĂŒmlich anstatt ins Ingwerwasser in den Kaffee geschĂŒttet. Das war vielleicht ein Muntermacher, ey! (lacht und klopft sich dabei mit der flachen Hand auf den Schenkel)
Last but not least verzichte ich zurzeit auf Alkohol. Dies primĂ€r weil Alkohol fĂŒr mich nicht sonderlich förderlich ist, um einen klaren Kopf zu bewahren. Und den brauche ich aktuell mehr denn je, also den klaren Kopf, meine ich.

Wow – ich muss zugeben: bis hierhin gefĂ€llt mir dieser Plan. Und er scheint einfach umsetzbar zu sein. Die Anforderung nach tĂ€glichen Workouts erscheint mir unter QuarantĂ€ne dagegen wesentlich kniffliger? 

Das ist tatsĂ€chlich so. Aber auch dafĂŒr gibt es pragmatische Ideen. Das Treppenhaus wird sich schon wundern, weshalb ich die fĂŒnf Stockwerke derzeit immer mal wieder mehrmals hintereinander hoch und runterklettere. (schmunzelt)

Funktionales Training, also Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, lĂ€sst sich gut im Wohnzimmer praktizieren. Insbesondere die RĂŒcken- und Rumpf-Muskulatur gilt es gezielt zu stĂ€rken. Mein improvisiertes Homeoffice an der KĂŒchenbar ist zwar chic, fĂ€llt aber ergonomisch hochgradig durch. Jedenfalls erscheint es mir sinnvoll zu sein, den unvermeidbaren Fehlhaltungen mit ein paar gezielten Moves prĂ€ventiv entgegenzuwirken.

Virtuelle Workouts auf Youtube haben gerade Hochkonjunktur. Selbst habe ich das bisher jedoch noch nicht ausprobiert. Ich bin froh, zwischendurch mal etwas ohne Bildschirm zu unternehmen. Es ist aber gut, ĂŒber das Angebot Bescheid zu wissen, um bei Bedarf Abwechslung in den Workout-Alltag zu bringen.

Ein Lichtblick am Horizont: in den nÀchsten Tagen sollte mein faltbares Home-Bike angeliefert werden. Ich hatte es letzte Woche, als sich die Lage absehbar zuspitzte, kurzerhand in einem Schweizer Online-Store bestellt.

Das ist ja ein bunter Blumenstrauss an kreativen Ideen, ich bin beeindruckt! Und was hat es mit der klaren Tagesstruktur auf sich, die du im Pflichtenheft besonders hervorhebst?

Eine gesunde WorkLife-Balance aufrecht zu erhalten erscheint mir gerade mit der eingeschrĂ€nkten Bewegungsfreiheit ein zentrales Element zu sein. Ich versuche, meine ĂŒbliche Tagesstruktur so gut wie möglich aufrecht zu erhalten.

Ich stehe morgens zur gewohnten Zeit auf und nehme mir als erstes ca. 10 Minuten Zeit fĂŒr einen grĂŒndlichen „Bodycheck“. Ich konzentriere mich dabei mit geschlossenen Augen auf meinen Atem und klappere sodann gedanklich jeden Winkel meines Körpers ab. Durch diesen systematischen Check glaube ich, allfĂ€llige Alarmzeichen meines Körpers oder meiner Seele frĂŒhzeitig zu erkennen und gezielt bearbeiten zu können. Der Bodycheck funktioniert bei mir am allerbesten mit leerem, frischen Kopf, deshalb nehme ich mir direkt nach dem Aufstehen bewusst Zeit dafĂŒr. Anschliessend geht’s ab unter die Dusche.

Als FrĂŒhstĂŒcksunterhaltung mag ich HörbĂŒcher. Aktuell höre ich die Biographie von Alexander Humboldt – die ist ĂŒbrigens sehr spannend, ich kann sie nur empfehlen. Hörbuch hören hat einen gĂŒnstigen Nebeneffekt: Ich trainiere damit gleichzeitig aufmerksam zuzuhören und aufmerksames Zuhören erscheint mir eine wertvolle, durchaus systemrelevante Kompetenz zu sein – nicht nur in der Krise.

Aber zurĂŒck zum Tagesablauf.

Nach dem FrĂŒhstĂŒck baue ich meine KĂŒchenbar – es ist der einzige Tisch, den ich habe – von der FrĂŒhstĂŒckstafel zum Homeoffice um. Dazu stelle ich den Bildschirm, den ich mir von meinem eigentlichen Arbeitsplatz ausgeliehen habe, auf die Tischplatte, verbinde meinen Laptop damit, krame Bluetooth-Tastatur und -Maus hervor und schon bin ich einsatzbereit. Da ich einem Team mit flexiblen Arbeitsplatz-Zonen angehöre, Ă€ndert sich ausser der Umgebung eigentlich nicht viel an der gewohnten Arbeitsplatzsituation. Meetings finden per Videokonferenz statt. Das ist an sich nichts grundlegend Neues und funktioniert soweit ganz gut.

Nach ungefĂ€hr 4 Stunden knurrt mein Magen und ich bereite mir mein Mittagessen zu. Bei schönem Wetter setze ich mich zum Essen auf meine Terrasse. Bei schlechtem Wetter, baue ich mein Homeoffice ab und rĂŒste die KĂŒchenbar zur Lunch-Tafel um.

Moment… könntest du nicht einfach Bildschirm und den ganzen BĂŒro-Kram zur Seite schieben? Der Tisch ist doch gross genug?!

Es sind psychologische GrĂŒnde, die mich zu diesem Mehraufwand bringen. Ich mag nicht vor dem PC essen. Ich bin tatsĂ€chlich zu vielen VerĂ€nderungen bereit, aber dazu nicht. 

Verstehe. Und nach dem Lunch baust du alles wieder um und arbeitest dort weiter, wo du vor der Mittagspause stehengeblieben bist?

Jein. Ich nutze die Mittagspause um gezielt relevante News abzurufen. Dazu nutze ich aktuell ein paar wenige, sorgfĂ€ltig ausgewĂ€hlte InformationskanĂ€le. Ich brauche Fakten. Das wirre Durcheinander und GebrĂŒll auf den sozialen Medien raubt mir unnötig viel Energie, die mir andernorts dann womöglich fehlt. Auch hier gilt fĂŒr mich: weniger ist mehr.
Anschliessend knöpfe ich mir das Treppenhaus vor (schmunzelt) oder mache ein paar DehnĂŒbungen auf der Yogamatte. Und dann, erst dann geht es zurĂŒck an die Arbeit.

(hustet kurz in die Armbeuge)

Zu einer gesunden WorkLife-Balance gehört auch der Feierabend. In der Regel irgendwann nach 18 Uhr fahre ich meinen Computer herunter und baue mein Homeoffice ab. Je nach Lust und Laune gibt es vor oder nach dem Abendessen ein kleines Workout. Danach ziehe ich mich mit einem Buch auf meine Couch zurĂŒck. Oder ich schreibe. Oder ich schaue eine Episode meiner aktuellen Netflix-Serie – auf spanisch. (klopft sich selbstbewusst auf die Schulter).

Ich habe den Eindruck, um dich bzw. um uns muss ich mir vorerst keine Sorgen machen. Stimmt diese Annahme?

So ist es. Keine Panik auf der Titanic!

Das beruhigt mich ausserordentlich! Magst du abschliessend noch etwas zur allgemeinen Lage loswerden?

Lasst uns, wie Robinson Crusoe, geduldig und hoffnungsvoll auf Freitag warten. Es werden bessere Zeiten folgen, davon bin ich ĂŒberzeugt.

Herzlichen Dank, liebste Doedel, fĂŒr dieses klĂ€rende Interview und weiterhin einen erholsamen Sonntag auf der Couch. 

Ich habe zu danken, mein lieber Schweinehund. Wir sollten uns öfter Zeit fĂŒr einander nehmen – hab dich lieb! (formt mit Daumen und Zeigefingern ein Herz in die Luft)

*Ich nenne meinen inneren Schweinehund liebevoll „GĂŒnnter“. Immer wenn er ins Spiel kommt, lautet die Gretchenfrage: GĂŒnnter (schweizerdeutsch fĂŒr „gewinnt er?“) oder „GĂŒnnter nöd?“ (gewinnt er nicht?)

Das exklusive Interview zum Jahreswechsel – von und mit Doedel

Zum neuen Jahr gibt es hier ein exklusives Interview mit Doedel. Durchs Interview fĂŒhrt niemand Geringeres als GĂŒnnter*, Doedels innerer Schweinehund. Viel Spass bei der LektĂŒre.

GĂŒnnter: Mir fĂ€llt auf, dass, seit wir am ersten Weihnachtstag von zu Hause losgezogen sind, ein  DauerlĂ€cheln auf deinen Lippen spielt. Wie kommt das?

Doedel: Es gibt keinen Grund, es nicht zu tun. (lÀchelt)


Pah! Das sagst du ausgerechnet nachdem wir heute Morgen mal wieder wie von der Tarantel gestochen durch die halbe Stadt gehetzt sind, um einen Adapter fĂŒr den Laptop zu besorgen?!?!! Die Geschichte wiederholte sich. Du erinnerst dich? Damals, drĂŒben in Afrika?

Ich weiss worauf du anspielst und ich gebe zu, dass ich in dieser Sache nachlĂ€ssig war. Ich erinnere mich, wie ich damals auf dem unvergesslichen Roadtrip durch SĂŒdafrika jeweils einen regelrechten Stecker-Turm aus diversen Steckern basteln musste, um mal eben husch mein Notebook aufzutanken. Das war Improvisation vom Feinsten und ich hatte mir fest vorgenommen, mir sofort nach der RĂŒckkehr aus Afrika einen dreipoligen Adapter fĂŒr meinen Laptop zu besorgen und wie soll ich sagen, zurĂŒck in der Zivilisation ist das dann irgendwie untergegangen.
Aber hey! Heute ist ja alles gut ausgegangen. Wir haben den Adapter und der Laptop ist vollgetankt – sonst könnten wir jetzt ja hier nicht auf der Terrasse sitzen und diesen Beitrag tippsen (lacht).
Apropos: wusstest du, dass sich Kapstadt und Buenos Aires auf gleicher Höhe befinden? Ich meine Breitengrad technisch? Schon eindrĂŒcklich. WĂ€hrend der afrikanische Kontinent bei Kapstadt quasi aufhört, gehts hier in SĂŒdamerika erst so richtig los – verrĂŒckt, findest du nicht?


Du weichst vom Thema ab. FĂŒr mich, deinem inneren Schweinehund, war die Adapter-Geschichte heute Morgen ein SpĂŒrchen zuviel Adrenalin auf nĂŒchternen Magen.

Das tut mir aufrichtig leid! Immerhin hatte der flotte Chico im ersten Laden direkt den goldenen Tipp fĂŒr uns bereit und schickte uns zur flotten Chica ums Eck, welche in Sekundenschnelle ein flottes Dreikönigs- Ă€h DreipolstĂŒck aus der Schublade zĂŒckte.
Da fĂ€llt mir ein: kommenden Montag feiern wir heilige drei Könige. Was meinst du, wollen wir uns da – zur Feier des Tages, quasi – ein spezielles Abenteuer gönnen? Ich meine: nur wir beide, du und ich? (klimpert mit der Wimper)


Ich erinnere dich daran, dass wir am Montag unseren patagonischen Studenten-Alltag starten werden und um 9 Uhr unseren Einstufungstest schreiben. Mein Bedarf an Abenteuer wird damit gedeckt sein. Aber danke, dass du fragst. Ich werde hier ja nicht immer nach meinem Grad an Abenteuerlust gefragt (rĂ€uspert)  was uns zum Thema zurĂŒckbringt. Ich verstehe immer noch nicht, warum wir all diese Strapazen auf uns genommen haben: den langen Flug, das stundenlange Anstehen an der Passkontrolle am Flughafen in Buenos Aires, das ganze Tohuwabohu, um hier an Geld und vernĂŒnftige Lebensmittel zu kommen, …
Zuhause hÀtten wir zwischen den Jahren bequem auf der Couch abhÀngen können.

Du vergisst, dass zu Hause gerade jemand anderes auf unserer Couch abhĂ€ngt. Da haben wir es hier in unserem kleinen, aber feinen Apartment doch wesentlich gemĂŒtlicher (zwinkert keck mit dem Auge, also mit dem linken, weil es mit dem rechten partout nicht gelingen will…).


Herrje, dieses Untervermiet-Projekt ist auch so ein durchgeknallter Furz jenseits der Komfortzone!

Dieser durchgeknallte Furz ermöglicht uns ein Leben in höchstmöglicher UnabhÀngigkeit. Es ist doch toll, dass wÀhrend wir hier die unendlich langen Tage des patagonischen Sommers geniessen, ein erheblicher Teil unserer Fixkosten Zuhause gedeckt wird.


Ich weiss nicht. Mich befremdet der Gedanke, dass eben wĂ€hrend wir hier die unendlich langen Tage des patagonischen Sommers „geniessen“, um es in deinen Worten auszudrĂŒcken, eine fremde Person in unserem Bett liegt und womöglich gerade Kaffee ĂŒber die schicke Couch schĂŒttet. 
Ich verstehe dein Hadern. Noch vor ein paar Jahren hÀtte ich mir das auch nicht vorstellen können.


Woher der Sinneswandel?
Ich habe mich in den letzten Jahren intensiv mit der Frage, wie ich mein Leben generell und insbesondere die aktuellen wohl knackigsten Jahre leben möchte, auseinandergesetzt. Im Zentrum stand dabei die Frage, was mein ICH in 30 Jahren rĂŒckblickend meinem heutigen ICH raten wĂŒrde zu tun oder eben nicht zu tun.**


Das klingt selbst fĂŒr innere Schweinehunde wie mich interessant. ErzĂ€hle mehr darĂŒber. 
Bist du sicher, dass du das hören möchtest?


Ja, scheiss los… schiess… ich meinte schiess los!
Na gut. Aber jammere nachher nicht, ich hÀtte dich nicht gewarnt! (grinst)
Pass auf. Es startete mit meinem kompletten Neuanfang vor inzwischen acht Jahren. Es fĂŒhlte sich an, als ob einer aus Versehen statt der Pause-Taste den Reset-Knopf meines Lebens erwischt hatte und jedenfalls schlief ich damals monatelang auf einer Luftmatratze und redete mir die Yogamatte bequem und kuschelig wie eine Couch. Es war die Zeit, in der mir klar wurde, dass weniger mehr sein kann. Seither ĂŒberlege ich mir sehr behutsam, was mich glĂŒcklich macht. Es ist eine kurze Liste. Ich fĂŒhre einen minimalistischen Lebensstil.


Das erklĂ€rt noch nicht, weshalb wir unsere tolle Wohnung nun schon zum dritten Mal innerhalb von zwei Jahren wildfremden Menschen ĂŒberlassen.

Im Verlaufe des Prozesses zur KlĂ€rung der Sinn-Frage wurde immer deutlicher, dass ich ein ausgeprĂ€gtes Autonomie-BedĂŒrfnis habe. Ich denke, ein beachtlicher Teil davon ist angeboren, der andere Teil ist im Verlaufe der Zeit klammheimlich in mir herangereift. Der SchlĂŒssel zu einem möglichst hohen Grad an UnabhĂ€ngigkeit liegt im Loslassen. Mir ist bewusst geworden, dass ich mir mit Gedanken an Kaffeeflecken auf meiner Couch nur selbst im Weg stand. Inzwischen habe ich meinen Haushalt auf ein modulares Kistenmodell umgestellt, um meine persönlichen Habseligkeiten mit wenig Aufwand sicher wegschliessen zu können. FĂŒr Bett und Couch habe ich mir spezielle SchutzbezĂŒge, sogenannte Hussen, besorgt.
Was man bei der ganzen Geschichte nicht vergessen darf ist, dass wir bei unserer RĂŒckkehr ja selbst wochenlang in fremden Sachen gehaust und dabei eine gewisse Resistenz gegenĂŒber Spuren und GerĂŒchen fremder Menschen entwickelt haben werden. (zwinkert)


Verstehe. Themawechsel. Du hast mir heute Morgen beim ZĂ€hneputzen zugemurmelt, dass wir ab nĂ€chster Woche Teilzeit arbeiten werden? Du meintest damit eigentlich die Schulbank drĂŒcken, korrekt? 

Nein, d.h. naja… genaugenommen heisst es beides.


Stopp! Ich weiss tatsĂ€chlich nicht, wieviel genauer ich das wissen möchte…

Ach komm schon, sei kein Frosch. Hihi… innerer Schweinefrosch… hihihihi… (klopft sich mit der rechten Hand mehrmals auf den rechten Schenkel)


Mir ist nicht nach Scherzen zumute!

ÂĄDisculpa! Ich meine: Ă€xgĂŒsi… wie war nochmals die Frage? Achso, ja… bezĂŒglich der Arbeit (verkneift sich sichtlich ein erneutes Kichern). Also die Sache ist die, dass ich eines meiner aktuellen Projekte von hier aus weiter betreuen werde. BĂ€mm! Na, was sagst du dazu?


Ich dreh‘ gleich durch, ey! HĂ€tte da nicht jemand anderes einspringen können, sodass mir wenigstens das erspart geblieben wĂ€re?

Eben nicht! Die Idee nach dieser Auszeit hier in Patagonien entstand im Juni vergangenen Jahres. Ich hatte mich spontan auf ein dreimonatiges Praktikum in einer kleinen Pension drĂŒben im chilenischen Seengebiet beworben und prompt eine  Zusage erhalten. Einige Wochen spĂ€ter scheiterte das Projekt dann aber leider. Zu jenem Zeitpunkt hatte ich mich schon voll auf ein sĂŒdamerikanisches Abenteuer eingestellt und meine EnttĂ€uschung liess sich nicht abstreiten. Ich ĂŒberlegte mir also, ob ich mich gegebenenfalls neu arrangieren konnte und da rĂŒckte bald die Idee eines Sprachaufenthalts in Kombination mit einer gesunden Portion Bewegung an der frischen Luft im Outdoor-Mekka rund um Bariloche/Patagonien in den Vordergrund. Ich sicherte mich kurz ab, was wohl mein ICH in 30 Jahren zu der Idee meines heutigen ICHs sagen wĂŒrde und zack, war die Sache fĂŒr mich klar wie der Himmel hier ĂŒber Patagonien in diesen wundervollen Sommertagen. Allerdings hatte ich im Job inzwischen zu einem grösseren Projekt zugesagt. Also suchte ich das GesprĂ€ch mit meinem Chef. Scheu wie ein Reh erzĂ€hlte ich ihm von meiner Idee, im patagonischen Sommer zu ĂŒberwintern. Er meinte nur:“Was soll ich mit einer Idee? Komm wieder, wenn du einen konkreten Plan hast und dann schauen wir, was sich da machen lĂ€sst.“ Das liess ich mir nicht zweimal sagen und unterbreitete ihm einige Tage spĂ€ter meinen konkreten Überwinterungsplan – einer kunterbunten Mischung aus Sprachaufenthalt, viel Bewegung an der frischen Luft und spannenster Projektarbeit. Et voilĂ .


Da hast du GlĂŒck mit deinem Arbeitgeber. Das könnte sich natĂŒrlich nicht jeder erlauben.

Ersteres streite ich nicht ab: das ist Tatsache und mein Chef ist ein wahrer „Enabler“ und  ein Goldschatz noch dazu! Zweiteres kommt mir regelmĂ€ssig zu Ohren. „Was, du haust schon wieder ab? Das wĂŒrde ich auch gerne machen, aber das kann ich mir in meiner Position, bei meinem Chef, bei der aktuellen Wirtschaftslage, blablabla nicht erlauben. Die AufzĂ€hlung kann mit beliebigen Schiess-mich-tot-Ausreden erweitert werden.“ Auf meine Frage ob das Thema denn schon mal konkret diskutiert wurde, folgt dann höchstens noch ein „naja
 ich weiss halt, dass ich damit nicht durchkommen wĂŒrde. Niemals!“
Ich frage mich dann jeweils, ob die sich eigentlich schon mal mit ihrem ICH von in 30 Jahren auseinandergesetzt haben
 (blickt nachdenklich vor sich hin) Ich meine, es ist mir schon klar, dass nicht alle mit den idealen Rahmenbedingungen fĂŒr solche Luxus-Projekte gesegnet sind. Aber bei der „Was-ist-in-30 Jahren“-Perspektive geht es ja darum, das Optimum aus den aktuellen UmstĂ€nden herauszuholen – also ein erfĂŒllendes Leben zu leben, wie es einem in der persönlichen Situation eben möglich ist.


Irgendwann werde ich vielleicht auch Gefallen an diesem Affentheater finden können – man soll schliesslich niemals nie sagen. FĂŒr heute weiss ich genug. Und was morgen auf uns zukommt, wirst du mir bestimmt noch zum passenden Zeitpunkt mitteilen, KORREKT?!

Na klar. Ehrensache! (kichert heimlich ins FĂ€ustchen)


Herzlichen Dank fĂŒr dieses Interview und alles Gute fĂŒrs neue Jahr!

¥Feliz año! Frohes neues Jahr, mein lieber Schweinehund.
Schön, dass es dich gibt! (formt mit Daumen und Zeigefingern ein Herz in die Luft)


Das Interview fĂŒhrte: GĂŒnnter*, mein innerer Schweinehund

 

*Ich nenne meinen inneren Schweinehund liebevoll „GĂŒnnter“. Immer wenn er ins Spiel kommt, lautet die Gretchenfrage: GĂŒnnter (schweizerdeutsch fĂŒr „gewinnt er?“) oder „GĂŒnnter nöd?“ (gewinnt er nicht?)

** Die „Was-ist-in-30Jahren“-Perspektive nach John Strelecky. Mehr dazu gibts im Artikel Safari zu den «BIG FIVE FOR LIFE»

doedel’s Buchprojekt

Wer mir drĂŒben auf Twitter folgt, hat bereits mitbekommen, dass ich aktuell an meinem ersten Buch schreibe – einem autobiographischen Irgendetwas.  Na ja, soooo genau weiss ich noch nicht in welches Genre sich das fertige Produkt dann mal einordnen lassen wird. Bis dahin ist ja auch noch ein StĂŒck Weg… 😎

Falls du Lust hast, mich in meinem Buchprojekt zu unterstĂŒtzen und Teil des Reflexionsteams zu werden, freue ich mich auf ein Zeichen 👋 von dir per E-Mail. Gerne prĂŒfe ich dein Angebot.

Damit du dir ein Bild machen kannst, worauf du dich in etwa einlassen wĂŒrdest, hier ein kleiner Einblick ins Manuskript:

✍

(…) Es war ein freundlicher Samstag, der 14. April 2012. Die Sonne lachte vom Himmel und die FrĂŒhlingsblumen in den Töpfen vor dem KĂŒchenfenster leuchteten in saftigen Orange- und Violetttönen um die Wette. An dem Tag an sich gab es nichts auszusetzen. Aber Samstage, die auf den vierzehnten Tag eines Monats fallen, tragen nunmal ein fieses Schicksal: ihnen ist nĂ€mlich ein Freitag der Dreizehnte vorausgegangen. Und jener Freitag der Dreizehnte im April 2012 machte seinem Namen nun wirklich alle Ehre. (…)

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(…) Ich verstand die Welt nicht mehr. Noch nie zuvor hatte mich jemand verlassen. Ganze verflixte vierunddreissig Jahre lang nicht. Ausser mein Opa, damals, als ich zwölf war. Herzversagen. Aber sonst niemand.
Das GefĂŒhl, im Regen stehen gelassen zu werden, war völlig neu fĂŒr mich, entsprechend unbeholfen ging ich damit um. Wie so ein kleines MĂ€dchen, das sich zu Weihnachten nichts sehnlicher als diese eine Puppe gewĂŒnscht hatte, schliesslich aber enttĂ€uscht unter dem Tannenbaum sass und sich wimmernd damit abfand, weiterhin mit ihren alten Puppen spielen zu mĂŒssen. (…)

✍

(…) Die Knie zitterten, als ich das CafĂ© betrat. Ich war etwas verspĂ€tet, was mir nicht nur ziemlich peinlich war, sondern mir ausserdem eine schwĂ€chere Position in unserer allerersten Begegnung einbrachte. Ich musste nĂ€mlich davon ausgehen, dass Clemens sich bereits im Lokal befand, den Blick nicht von der EingangstĂŒr abwandte und mit fletschenden ZĂ€hnen und mit Sabber, der ihm aus den Mundwinkeln tropfte, meine Ankunft erwartete. (…) 

✍

(…) „Und wenn du jetzt lieber einen RĂŒckzieher machen möchtest, ist das okay. Es wĂ€re schade, aber okay. Verstanden?“

Es war, wie wenn du dir im Internet etwas bestellst und unmittelbar vor dem Klick auf den Senden-Button noch aufgefordert wirst, die allgemeinen GeschÀftsbedingungen zu akzeptieren.

Ich verliess mich auf meine Intuition, aktivierte die imaginĂ€re AGB-Checkbox, klickte auf den ebenfalls imaginĂ€ren Senden-Knopf und fand mich Sekunden spĂ€ter mitten auf … (…)

✍

(…) Mein Leben glich einem Seiltanz und es war nur eine Frage der Zeit, bis ich mit einem tollpatschigen Tritt aus dem Gleichgewicht geraten wĂŒrde. Das ist eben das Risiko, das man eingeht, wenn man sich auf dieses verrĂŒckte Spiel mit dem Feuer einlĂ€sst. (…)

✍

(…) FĂŒr ihn muss sich dieser Karfreitag wie die eigene Kreuzigung angefĂŒhlt haben. Als hĂ€tte man ihm stĂ€hlerne NĂ€gel durch seinen lebendigen Leib gebohrt. (…)

 

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Endlich 18! Gedanken zum Jahreswechsel

Obschon ich mir nicht viel aus VorsĂ€tzen zum neuen Jahr mache, so ist der Jahreswechsel doch stets ein guter Zeitpunkt fĂŒr eine sachliche Situationsanalyse und eine kritische Selbstreflexion.

Das Jahr 2017 war ein wahnsinnig intensives Jahr. In der Hitparade meiner intensivsten Jahre ever reiht es sich locker in den Top5 ein, vielleicht sogar in den Top3. Im Job war ĂŒber weite Strecken eine Extraportion Einsatz von mir gefordert. Aber auch privat, vor allem privat, galt es einige ausserordentliche Herausforderungen zu meistern.

Irgendwann im Sommer – ich drehte gerade genĂŒsslich am Rad und schnupperte bereits an meinen persönlichen Grenzen – da flĂŒsterte mir eine innere Stimme zu, dass es so nicht weitergehen sollte, nicht weitergeHEN KONNte, NICHT WEITERGEHEN DURFTE. Punkt.

Ein PlanB bzw. PlanDö (das Dö steht liebevoll fĂŒr DÖdel) musste her!

PlanDö

Am Anfang von PlanDö stand die radikale Auslegeordnung. Ich musste mir einen Überblick ĂŒber meine ziemlich verfahrene Situation verschaffen. Und so achtete ich fortan bei ALLEM was ich tat sehr bewusst darauf, was mir Energie raubte und was mir Energie gab.

Gretchenfrage: WOFÜR BRENNE ICH?

In einem zweiten Schritt nahm ich mir vor, Konsequenzen zu ziehen und Dinge, bei denen ich zur Überzeugung gelangt war, dass sie mir Energie raubten, kompromisslos loszulassen und dafĂŒr meinen Leidenschaften mehr Raum einzugestehen.
Seit meinem Total-Reset vor ein paar Jahren, pflege ich grundsĂ€tzlich einen ziemlich minimalistischen Lebensstil. Im Rahmen des Auslegeordnung-Prozesses wurde mir aber bewusst, wie viel Ballast sich ĂŒber die Jahre trotzdem angesammelt hatte. Angefangen bei unzĂ€hligen E-Mail-Newslettern, fĂŒr die ich mich gerĂŒchtweise selbst mal eingeschrieben haben soll đŸ€”Â und die ich seit Monaten, vielleicht sogar seit Jahren, schnurstracks aus meinem E-Mail-Postfach entferne – ungelesen, wohlverstanden. Über Schuhe und Kleider, die ausgelatscht oder einfach uncool geworden sind und geduldig in der hintersten Ecke des Kleiderschranks ausharren. Über Ă€tzende Aufgaben und Routinen, die sich klammheimlich in meinem Alltag eingeschlichen haben und irgendwie so gar nicht zu meiner kreativen Ader passen. Bis hin zu zwischenmenschlichen Verbindungen, die mich und mein autonomiebedĂŒrftiges Naturell nicht weiterbringen, schlimmsten Falls sogar blockieren…

Es ist bestimmt kein leichter Prozess (herrje, das Leben ist nunmal kein Ponyhof!), aber einer, der sich lohnt und einem in der Retrospektive das eine oder andere SchĂŒppchen von den Augen fallen lĂ€sst.
Ende Oktober besuchte ich schliesslich das Seminar THE BIG FIVE FOR LIFE und war von der Reich-und-GlĂŒcklich-Matrix total beeindruckt. Sie half mir, eine Struktur in mein Gedanken-Wirrwar zu bringen und lieferte mir plausible Argumente fĂŒr die Erkenntnisse aus meinem vorausgegangenen Auslegeordnungs-Prozess. (Mehr zum BigFiveForLife-Seminar gibt’s ĂŒbrigens hier.)

Welcome 2018

Nun ist es also da. Das neue Jahr. Zweitausendachtzehn! Viele Jugendliche sehnen ihr persönliches achtzehnte Jahr sehnlichst herbei. Wie eine Drohung verwenden sie es gegenĂŒber ihren Eltern:“Warte nur, bis ich achtzehn bin und ich endlich machen kann, was ICH will und was MIR gefĂ€llt!“

Sinnbildlich möchte ich dieses achtzehnte Jahr des 21. Jahrhunderts fĂŒr mich persönlich zum Anlass nehmen, wieder mehr von dem zu machen, was ICH will und was MIR gefĂ€llt. Schreiben gehört ĂŒbrigens dazu 😉

In diesem Sinne: Frohes Neues Jahr und hey!

do it đŸ’ȘđŸ»Â or donutÂ đŸ©

 

Safari zu den «BIG FIVE FOR LIFE» nach John Strelecky

Das vergangene Wochenende stand voll und ganz im Zeichen meiner persönlichen HerzenswĂŒnsche. Diese waren mir zu Beginn des Wochenendes selbst noch höchstens ansatzweise bekannt. Doch dies sollte sich bald Ă€ndern, denn das Ziel der drei Ă€usserst intensiven und dennoch wunderbar inspirierenden Seminartage an der ZĂŒrcher GoldkĂŒste war es, die eigenen HerzenswĂŒnsche zu erkennen und sich ihnen anzunĂ€hern. Schritt fĂŒr Schritt.

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Es gibt schlimmere Locations, um sich mit spannenden Lebensfragen auseinanderzusetzen. (EPI Park, ZĂŒrich.)

Wie es dazu kam

Im FrĂŒhling, ich war gerade auf der Suche nach einem passenden Geburtstags-Geschenk fĂŒr meine Afrika begeisterte Freundin, bin ich auf das Buch Safari des Lebens von John Strelecky gestossen. „Das ist es!“ dachte ich, „das ist das perfekte Geschenk.“ Hoch motiviert verliess ich damals den Buchladen, setzte mich zu Hause gleich hin und las das BĂŒchlein fast in einem Zug durch.
Ich fand die Geschichte zwar ganz nett, aber als Geburtstagsgeschenk fĂŒr meine Freundin dann irgendwie doch nicht ĂŒberzeugend genug. Die Frage nach dem Warum kann ich heute, eine Woche nach meiner Teilnahme am «BIG FIVE FOR LIFE»-Seminar, nicht mehr plausibel beantworten. Aber egal, damals war damals und damals passte es eben nicht. Ein alternatives Geschenk musste her und zwar dringend. Ich krempelte also meine Ärmel hoch und bastelte eigenhĂ€ndig eine „Geburtstagskarte Deluxe“ mit Safari-Feeling – guckt da: 🙂

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Nun aber zurĂŒck zu John Strelecky und seiner einzigartigen Interpretation von Safari des Lebens und den «Big Five for Life».

Im SpĂ€tsommer war mir der Lesestoff ausgegangen und so schnappte ich mir kurzerhand John Streleckys neuesten Streich, das Buch Wiedersehen im CafĂ© am Rande der Welt aus dem Bestseller-Regal bei Orell FĂŒssli. Das Buch handelt von einer jungen Workaholikerin, die vor lauter tun und lassen, was andere von ihr erwarten, ihre eigenen Ziele und WĂŒnsche aus den Augen verloren hat. Im CafĂ© trifft sie John, der sogleich zu ihrem Mentor wird und ihr dabei hilft, sich auf das, was wirklich zĂ€hlt zu besinnen.

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Die beiden Werke von John Strelecky, die ich mir bisher zu GemĂŒte fĂŒhrte.

Die Geschichte wird absolut schnörkellos erzĂ€hlt, ist daher fĂŒr jedermann leicht lesbar und durchaus inspirierend. Das Spannendste am ganzen Buch erwartete mich jedoch auf der letzten Seite, auf Seite 284. Hier entnahm ich nĂ€mlich den Hinweis auf Streleckys Seminar-Reihe «BIG FIVE FOR LIFE», welche direkt an seine BĂŒcher anknĂŒpft.
Neugierig rief ich die aufgefĂŒhrte Webseite auf und fand bald heraus, dass fĂŒr Ende Oktober ein erstes Seminar-Weekend in der Schweiz angeboten wurde. Die Ausschreibung und die online verfĂŒgbaren Schnupperlektionen ĂŒberzeugten mich schliesslich und **ZACK** war ich auch schon fĂŒr’s allererste «BIG FIVE FOR LIFE»-Seminar in der Schweiz eingeschrieben. ((an dieser Stelle bitte einen Trommelwirbel vorstellen))

Mit dem ❀ Herzen sieht und hört man am besten

Zusammen mit 15 weiteren Abenteurern startete ich also die Safari zu meinen ganz persönlichen HerzenswĂŒnschen, meinen «Big Five for Life» ❀
Unsere Reisebegleiter waren Brigitte Baumberger* und AndrĂ© Tietz – zwei Ă€usserst sympathische Menschen, die das Herz definitiv am rechten Fleck haben ((hier bitte einen herzlichen Applaus vorstellen)).

An den WĂ€nden des Seminarraums hatten Brigitte und AndrĂ© diverse Botschaften angebracht, die zum Nachdenken anregten. Auf mich hat das Plakat mit der „Sterbebett-Perspektive“ am stĂ€rksten gewirkt:

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P.S. nein, ich habe nicht vor, schon in 30 Jahren hier abzutreten 😉

Oder anders gefragt: Was wĂŒrde ich irgendwann bereuen und mich fragen:

„Ey, du langweiliges Luder, warum hast du eigentlich damals, in deinen besten Jahren, dieses oder jenes nicht gemacht? WA-RUM. hast. du. es. nicht. einfach. ge-macht, hĂ€?“

Brigitte und AndrĂ© haben uns mit wunderbar banalen Aufgaben auf die Reise zu unseren HerzenswĂŒnschen geschickt und uns dabei kompetent begleitet. Im Wesentlichen ging es darum, anhand einfachster Fragestellungen hĂ€ppchenweise unsere persönlichen Vorlieben zu ergrĂŒnden:

  • Warum zieht es uns an gewisse Orte oder in gewisse GeschĂ€fte immer wieder hin?
  • Warum schauen wir Romanzen (oder eben Krimis) am TV?
  • und, und, und….

Gerade weil die Aufgaben in ihrer BanalitĂ€t fast schon lĂ€cherlich anmuteten, rieten unsere Reisebegleiter uns immer wieder, die einzelnen Aufgabenstellungen nicht zu hinterfragen, sondern einfach dem Prozess zu vertrauen – „Trust the Process“, um es in den Worten von John Strelecky auszudrĂŒcken.

Reich und glĂŒcklich

Persönlich hat mich die Reich-und-GlĂŒcklich-Matrix wach gerĂŒttelt. In dieser Aufgabe ging es darum, unsere Alltags-TĂ€tigkeiten in den KĂ€stchen 1 bis 9 einzuordnen.

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Anhand eines kleinen Beispiels aus meiner eigenen Aufgaben-Schublade möchte ich das Prinzip der Matrix kurz erlÀutern.

Beispiel: Das BĂŒgeln von Hemden und Blusen muss ich eindeutig dem KĂ€stchen 8 zuordnen: bĂŒgeln kostet mich zwar nichts (ausser Nerven, herrje), aber ich HASSE es zu bĂŒgeln. BĂŒgeln macht mich ĂŒberhaupt nicht glĂŒcklich. Nun lohnt sich natĂŒrlich die Frage, ob ich denn irgendetwas an dieser Situation verĂ€ndern könnte. Klar könnte ich!  Ich könnte eine BĂŒgelfrau engagieren und damit eine Verschiebung der ungeliebten TĂ€tigkeit ins KĂ€stchen 1 erwirken. Die Frage ist, ob ich bereit bin, zur Erreichung der vollkommenen Happyness in diesem Beispiel Geld auszugeben.

NatĂŒrlich gilt es im Leben wesentlich kniffligere Aufgaben zu bewĂ€ltigen, als das BĂŒgeln von Hemden und Blusen. Bei den wirklich zentralen Aufgaben unseres Wesens lohnt sich eine sorgfĂ€ltige Evaluation. Die Reich-und-GlĂŒcklich-Matrix wird hier zur Schaltzentrale mit komplett flexiblen Reglern, womit sich die fĂŒr uns stimmigen Nuancen je Szenario bequem einstellen lassen.

Ich kann diese Art der Reflexion wirklich jedem ans Herz legen. Was fĂŒr eine Bereicherung, sich mal in aller Ehrlichkeit bewusst zu machen, wieviel Zeit unseres kostbaren Lebens wir letztlich fĂŒr Dinge aufwenden, fĂŒr die wir nicht brennen. Heiliger Bimbam, ey!

HerzenswĂŒnsche leben

Eine passende Bereicherung des Seminars war der Film Mit Herz und Hand mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle. Der Film spielt in den sechziger Jahren und erzĂ€hlt die wahre Geschichte des NeuseelĂ€nders Burt Munro, dessen Herzenswunsch es war, mit seiner wĂ€hrend 25 Jahren selbst „gebastelten“ Indian die legendĂ€re Bonneville Speed Week zu rocken. Die Reise von seiner Heimat Neuseeland nach Utah, USA verlief nicht ohne Komplikationen und erforderte eine tĂŒchtige Portion an Improvisation – sowohl von Burt, als auch von seinem Umfeld. Doch Burts eiserner Wille war stĂ€rker als jedes vermeintliche Hindernis…
Ich hatte den  Film zuvor noch nie gesehen. Die Geschichte berĂŒhrte mich, keine Frage. Und sie entlockte mir Erinnerungen an meine eigene Zeit, die ich vor einigen Jahren am und um den grossen Salzsee bei Bonneville erlebte. Leider habe ich damals noch nicht gebloggt und kann an dieser Stelle daher keine Geschichte aus meinem Anekdoten-Fundus anbieten 😉

Auch Udo JĂŒrgens‘ Ich war noch niemals in New York erhielt seinen verdienten Platz in unserem «Big Five For Life»-Seminar. Hinter diesem Song verbirgt sich eine meiner persönlichen Lieblings-Anekdoten. Witzig ist insbesondere, dass ich den Entschluss, endlich mal selbst nach New York zu reisen, damals mitten im namibischen Outback und damit quasi direkt bei den „wahren Big Five“ in Afrika gefasst hatte. Mehr dazu im Artikel Milchstrasse vs. Time Square: Vom afrikanischen Lagerfeuer an den Time Square in New York.

The «Big Five for Life»

Zugegeben, ich bin in der Erwartung in das Seminar gestartet, dass ich am Ende des dritten Tages, konkrete Ziele benennen kann, wie z.B, „ich will den Kilimandscharo besteigen“ oder „ich will in meinem Leben drei Kinder gebĂ€ren“. SpĂ€testens im Verlaufe des zweiten Tages wurde mir aber klar, dass  es gar nicht darum geht, seine HerzenswĂŒnsche bis aufs i-TĂŒpfelchen prĂ€zise und konkret formulieren zu können. «Big Five for Life» nach John Strelecky lĂ€sst totale Freiheit zu – auch was die Flughöhe und die Formulierung betrifft. Wichtig ist am Ende nur, dass man sich in seinen HerzenswĂŒnschen selbst wiederfindet und ihnen einen gebĂŒhrenden Platz im Leben zugestehst.

In diesem Sinne: do it đŸ’ȘđŸ»Â or donutÂ đŸ©

* Mehr Infos zu Brigitte Baumberger und den «BIG FIVE FOR LIFE»-Seminaren in der Schweiz gibt es auf der Webseite von Baumberger Coaching

Unter dem Strich kam mir dieses Valencia alles andere als spanisch vor.

Seit ich denken kann liebe ich die spanische Sprache und dieser Zustand hat sich mit meiner ganz persönlichen Liaison zu Barcelona in den letzten paar Jahren noch zusĂ€tzlich verstĂ€rkt. Doch meine Begeisterung, hier in der Schweiz einmal pro Woche fĂŒr zwei Lektionen die Schulbank zu drĂŒcken, hielt sich stets in Grenzen und so schob ich das Projekt „aprender español“ (spanisch lernen) immer wieder vor mich hin (mañana, mañana…). Ich vertraute stets darauf, dass der richtige Moment irgendwann schon noch kommen wĂŒrde, in dem ich mich dazu aufraffen könnte, einen Sprachkurs zu belegen. Trotzdem notierte ich den Vorsatz sicherheitshalber sorgfĂ€ltig auf meiner Bucketlist.

Der richtige Zeitpunkt kam schliesslich im vergangenen August… weiter gehts in meinem Gastbeitrag im Boa Lingua-Blog 😉

Best of Valencia Tweets

NatĂŒrlich habe ich wĂ€hrend meinem Aufenthalt in Valencia ab und zu getwittert. Hier ein paar Kostproben 😉

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Impressionen von Valencia

doedels #bucketlist

Der Begriff „bucketlist“ stammt aus den USA und steht fĂŒr eine Liste mit Dingen, die man vor dem Tod unbedingt erleben oder erledigen möchte. Jeder, der etwas auf sich hĂ€lt, fĂŒhrt eine solche „ToDo-Liste“ – wenn nicht schwarz auf weiss, dann zumindest im Kopf… die Gedanken sind ja bekanntlich frei.

Ich habe spontan mal ein paar EintrĂ€ge fĂŒr meine persönliche „bucketlist“ zusammengetragen und behalte mir das Recht vor, die AufzĂ€hlung bei Bedarf zu erweitern oder zu Ă€ndern. Die Reihenfolge der EintrĂ€ge ist rein zufĂ€llig und gibt – ausser bei Punkt 1 – keinen Aufschluss ĂŒber die PrioritĂ€t. Ach und noch was: durchgestrichen steht fĂŒr eine bewusste Abgrenzung, ein gut ĂŒberlegtes No-Bucket, also 😉

  1. GESUND, ZUFRIEDEN und DANKBAR bleiben –> ongoing project!
  2. Nordlicht bestaunen
  3. Spanisch lernen (so richtigrichtig) –> ongoing project!
  4. mich am „Edelmann“ in Barcelona beteiligen und dafĂŒr sorgen, dass der Laden so richtig zum fliegen kommt (⇒ Notiz an mich: zuerst Punkt 3 anpacken)  –> das „Edelmann“ ist leider pleite gegangen (hĂ€tten die mich mal lieber ran gelassen! đŸ€š) 
  5. Einen MillionÀr heiraten
  6. Roadtrip von Chicago nach New Orleans
  7. Im Zug von Daresalam nach Kapstadt tuckern (⇒ Notiz an mich: in diesem Zusammenhang Punkt 5 nochmals eine Chance geben?!??)
  8. irgendwas mit Atacama… ⊗  did it! 😊  ⇒ Atacama-Trekking: dĂŒnne Luft, fette Panoramen
  9. Durch Valparaiso flanieren
  10. VictoriafĂ€lle, Sambia/Simbabwe ⊗  got it! 💩 ⇒ VictoriafĂ€lle: Ein imposanter Start in das Abenteuer im sĂŒdlichen Afrika
  11. Roadtrip nach BarceLOVEna
  12. ein Buch schreiben –> ongoing project
  13. den Kilimandscharo umrunden, Ngorongoro
  14. Okavangodelta, Botswana ⊗  done đŸ€© ⇒ Best of Botswana: Okavangodelta und Chobe Nationalpark
  15. Mich vor Ort ĂŒberzeugen, ob die MĂ€nner in Buenos Aires tatsĂ€chlich so wow sind, wie immer alle behaupten (==> Notiz an mich: Punkt 3 vertiefen… đŸ€”Â oder vielleicht besser nicht…?!???)
  16. Cusco, Rainbow Mountain, Peru
  17. Salar de Uyuni, Bolivien ⊗  was there 😊 ⇒ Bolivien: Trekking durch den Altiplano
  18. Bikereise durch Myanmar ⊗ done đŸ’Ș ⇒ Myanmar: Bike-Reise durch das Land des LĂ€chelns. Und der Flip-Flops.
  19. Roadtrip: Alaska-Highway – Panamericana – Carretera Austral
  20. Patagonien
  21. In Neuseeland SchÀfchen zÀhlen
  22. Meditieren in Chiang Mai oder Ayurveda-Kur in Indien. Oder beides 😉
  23. Vancouver
  24. Nordspanien
  25. [[coming soon – stay tuned :-)]]

Do it or Donut – Das Leben ist ein Willisauer-Ringli

Ich hatte kĂŒrzlich drĂŒben bei Twitter die Management-Trainerin Diana Dreeßen aus einem ihrer BĂŒcher zitiert:

Frei zu sein bedeutet,

das zu sein, was man ist,
das zu tun, was man kann,
und so zu leben, wie man will.

(Diana Dreeßen)

FĂŒr diesen Tweet habe ich einige Zustimmungen erhalten. Doch es war auch ein skeptisches Feedback dabei. Einer meiner Follower meinte nĂ€mlich, dass dies doch pure Illusion sei, dass er die ersten beiden Aussagen zwar noch einigermassen gelten lassen könne, der dritte Punkt jedoch schlicht Quatsch und in der Umsetzung unmöglich sei. Schliesslich gĂ€be es Leute wie ihn, mit Verpflichtungen im Leben – sei es privat oder geschĂ€ftlich.

Mich irritierte dieser Affront, doch ich brach die Diskussion ab, bevor sie richtig entfachen konnte. Ich diskutiere nie auf Twitter. Gehaltvolle, gerne auch kontroverse Diskussionen fĂŒhre ich lieber offline – bei einem Glas Wein oder einer guten Tasse Kaffee.

Die Reaktion des Followers veranlasste mich dennoch dazu, den Sachverhalt des Zitats fĂŒr mich persönlich nochmals tiefgrĂŒndiger zu reflektieren, denn offenbar lĂ€sst es Interpretationsspielraum zu, den ich spontan ĂŒbersehen hatte. Ich möchte die Gelegenheit daher nutzen, hier meine persönliche Interpretation von „frei sein“ darzulegen.

SpĂ€testens seit meinem persönlichen Total-Reset vergleiche ich das Leben immer mal wieder gerne mit einem Willisauer-Ringli. Na ihr wisst schon, dem legendĂ€ren Keks aus dem Luzerner Hinterland. Typisch fĂŒr das GebĂ€ck ist das Loch in der Mitte… logo, sonst wĂ€r’s ja kein Ringli 😉

willisauerringli
Bild-Quelle: http://www.hug-luzern.ch

Das Rezept des Kult-GebĂ€cks ist denkbar einfach: diverse leckere Zutaten werden zu einer homogenen Masse verarbeitet und sorgfĂ€ltig um ein Loch herum angerichtet. Anschliessend wird das Ganze bei knapp 200 Grad Celsius in den Ofen geschoben. Vorausgesetzt man erwischt den richtigen Zeitpunkt, das Backblech wieder aus dem Ofen zu ziehen, kommt dabei etwas saumĂ€ssig Leckeres mit einer gewissen, durchaus gewollten, Bisshaftigkeit heraus. Wenn man den richtigen Zeitpunkt jedoch verpasst oder aber die falschen Zutaten mixt, kann der Schuss allerdings auch nach hinten losgehen – das Ergebnis wird (zu) hart, zu fad oder im Extremfall sogar ungeniessbar.

Im ĂŒbertragenen Sinne ist doch auch unser Leben in seinem jungfrĂ€ulichen Ursprung erstmal einfach ein Hauch von Nichts – ein Loch, quasi. Und wir allein bestimmen im Verlaufe unserer Lebensreise, wie wir uns mit und um dieses Loch herum arrangieren. Dazu bedienen wir uns diverser Zutaten: sĂŒsse, salzige, saure, knackige, manchmal auch bittere. TĂ€glich bestimmen wir aufs Neue, was wir unserem persönlichen Guetzli-Teig beifĂŒgen, mit wieviel Energie und Euphorie wir ihn zu einer fĂŒr uns stimmigen Masse verarbeiten und wie knusprig wir unsere Kekse im Ofenrohr schliesslich werden lassen.

FĂŒr mich ist das GefĂŒhl frei zu sein daher primĂ€r eine Frage der Einstellung zum Leben und gegenĂŒber der eigenen kleinen Welt. Völlig unabhĂ€ngig von Besitztum, beruflicher und familiĂ€rer Verpflichtungen, politischem Engagement und was man hier sonst noch alles aufzĂ€hlen könnte.

Jeder ist bekanntlich seines eigenen GlĂŒckes Schmied und so komme ich zur uneingeschrĂ€nkten Überzeugung, dass das Zitat von Diana Dreeßen fĂŒr mich stimmig ist und zwar genau so, wie es da steht, genau so. Punkt.

Übrigens: aus dieser Geschichte entwickelte sich spĂ€ter mein Credo. Das Willisauer-Ringli hat hier einfach einem Donut Platz gemacht 😉

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Nimm dein Leben in die Hand, folge deiner Intuition und tue was DU fĂŒr richtig hĂ€ltst.
Denn wer nichts wagt, futtert am Ende ein Leben lang Junk in sich hinein.

 

Algarve: Fels und Meer – was will man mehr?

Vor wenigen Tagen bin ich aus Portugal – dem „Wilden Westen“ Europas – zurĂŒckgekehrt. Es war ein toller Trip und fĂŒr mich persönlich eine besonders wertvolle neue Erfahrung. Ich habe nĂ€mlich eine neue Art des Reisens fĂŒr mich ausprobiert und das Fazit sorgfĂ€ltig in die Schublade „Warum eigentlich nicht?“ abgelegt.
FĂŒr einmal war ich nicht alleine oder aber mit dem Lebenspartner unterwegs, sondern mit einem Freund, einem Kumpel – nennen wir ihn Alex. Ich hatte die Reise ursprĂŒnglich fĂŒr mich alleine konzipiert. Ende MĂ€rz erzĂ€hlte ich Alex bei einem Teller Spaghetti von meinen PlĂ€nen. Der Rest ergab sich dann irgendwie ziemlich spontan 😉
Bereits dreieinhalb Wochen spĂ€ter flogen wir nĂ€mlich nach Lissabon und verbrachten dort 3 herrliche Sommertage. Anschliessend schnappten wir unseren ficken Schlitzer… Ă€h schicken Flitzer (ÄxgĂŒsi!)  und dĂŒsten damit ĂŒber die nicht enden wollende Vasco-da-Gama-BrĂŒcke Richtung SĂŒden.

Die darauffolgenden Tage erkundeten wir die atemberaubende Kulisse der Algarve. Mir fiel rasch auf, dass Alex und ich die Dinge, die um uns herum passierten recht unterschiedlich wahrnahmen. So wusste Alex beispielsweise immer exakt, in welcher Richtung unser Auto stand – egal wie verwinkelt wir uns davon wegbewegt hatten. Sehr praktisch! 😜 Mir hingegen vielen Unscheinbarkeiten am Wegesrand auf, die Alex schlicht ĂŒbersehen und/oder plattgetrampelt hĂ€tte.

In diesem Zusammenhang möchte ich euch einen Dialog zwischen Alex und mir nicht vorenthalten:

Ich:„Und? Wie gefĂ€llt dir das hier so?“

Alex:„Ich habe mehr erwartet.“

Ich:„Mehr von was?“

Alex:„Naja, ich weiss nicht…“

Ich:„Sag schon! Mehr Felsen? Höhere Felsen? MĂ€chtigere Felsen?“

Alex:„Nein, die Felsen sind hier sehr beeindruckend…“

Ich:„Hmmm… mehr Farbe vielleicht?“

Alex:„Die Farben sind toll: das tĂŒrkisfarbene Wasser, die rot leuchtenden FelswĂ€nde, die sattgrĂŒnen Wiesen, die bunten Blumen beim Cabo sao Vicente…“

Ich:„Was denn dann? Doch nicht etwa mehr Meer?“

„Hallo?! Wir stehen hier am Atlantik…“, erwiderte Alex mit leicht belehrendem Unterton.

Ich:„Schau, ich habe die Twelve Apostles an der Great Ocean Road in Australien gesehen – gigantische Formationen – WOW!
Ich habe die malerischen Klippen der Isle of Skye in Schottland gesehen – fantastisch, wie Rauheit und Lieblichkeit dort Eins werden – WOW!
Ich hab am gigantischen Hardanger-Fjord in Norwegen Mund und Augen nicht mehr zugekriegt vor lauter staunen – WOW!
Ich stand am Cape Point in SĂŒdafrika, wo zwei Ozeane auf einander treffen – WOOOW!
Aber hey – die Kombination von gigantischen Felsformationen, malerischen Klippen und grandioser Farbenvielfalt macht diesen Ort hier verdammt einzigartig – geniesse es!!!“

Schweigen.

Alex:„Du hast schon recht… sehr schön hier. Alles! *HighFive*“

Pah! Eins zu null fĂŒr mich, hĂ€tte ich in diesem Moment mit geballter Faust zum Himmel rufen können. Doch genau genommen war Alex der wahre Gewinner aus dieser Situation.

Ich wĂŒnsche sie uns allen. Die FĂ€higkeit, den Blickwinkel zu wechseln und die Dinge situativ aus anderer Perspektive zu betrachten. Denn am Ende ist immer alles so, wie wir es sehen bzw. sehen wollen.

12
Ponta da Piedade, Lagos

Einige EindrĂŒcke zum Portugal-Trip findet ihr ĂŒbrigens hier in einer Diashow Impressionen aus dem “Wilden Westen” Europas – viel Spass!

 

Impressionen aus dem „Wilden Westen“ Europas

Hier ein paar Impressionen einer tollen Zeit im „Wilden Westen“ Europas.

Nach drei Tagen Lissabon ging’s weiter an die atemberaubende Kulisse der Algarve. Petrus hat zum Schluss hin etwas gezickt, unter dem Strich betrachtet war dies aber portegal… 😉 insgesamt war es ein absolut gediegener Trip!

Einmal mehr habe ich die Gelegenheit genutzt und eine (fĂŒr mich) neue Art des Reisens ausprobiert. Mehr dazu gibt’s hier Fels und Meer – was will man mehr?

1
Torre de Belém, Lissabon

6
Freddie Mercury, Tina Turner, Luciano Pavarotti @Sandcity Fiesa / Motto: Musica

2
PastĂ©is de BelĂ©m – mmhhhhh

10
Finding Rainbow 😉

3
Cabo da Vicente

4
Cabo da Vicente

8

7
Lagos

12
Algarve

5
Bach und Mozart @Sandcity Fiesa / Motto: Musica

13

9
Cabo da Vicente

15
Porto

16
PastĂ©is de nata – mmmhhhhh

14

11
Algarve

/Mai 2016