6 Tipps fĂŒr einen perfekten Tag in Barcelona

Vor fĂŒnf Jahren besuchte ich Barcelona zum ersten Mal, seither kehre ich jedes Jahr in die Hauptstadt Kataloniens zurĂŒck. Wie es zu meiner starken Verbundenheit mit dieser wundervollen Stadt kam, erzĂ€hle ich dir im Artikel BarceLOVEna, der Play-Button zu meinem neuen Leben.
Ich bin gerade von meinem fĂŒnften Barcelona-Besuch zurĂŒck und verrate dir in diesem Beitrag sechs Tipps fĂŒr einen perfekten Tag in Barcelona.

1. FrĂŒhstĂŒck bei Buenas Migas

FrĂŒh stĂŒckt sich, wer einen tollen Tag erleben will!

Deshalb beginnt mein Logo Buenas Migas Focacceriaperfekter Barcelona Tag definitiv in einer der ĂŒber die ganze Stadt verteilten Buenas Migas Filialen. Dort gönne ich mir eine grosse Tasse Kaffee, ein Natur-Joghurt mit frischen FrĂŒchten und dazu einen Scone oder einen Flapjack. Oder beides. 😋

2. Überblick verschaffen

Ich mag es, den Überblick ĂŒber eine Situation zu haben – nicht nur beim Reisen, sondern generell in allen Lebenslagen. Auch wenn ich inzwischen bereits mehrmals in Barcelona war und die Stadt eigentlich ziemlich gut kenne, so verschaffe ich mir trotzdem jedes Mal zuerst einen Überblick und lasse mich einfach mal von der enormen Bandbreite an Möglichkeiten die sich mir hier bieten inspirieren:

  • Worauf habe ich Lust?
  • Wo zieht es mich zuerst hin?
  • Was möchte ich hier erleben?

Um sich ein Big Picture ĂŒber Barcelona zu verschaffen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich entscheide mich jeweils spontan fĂŒr eine oder auch zwei der nachfolgend vorgestellten Varianten.

Überblick-Variante A: Park GĂŒell

Der ĂŒber der Stadt angelegte, malerische Park von Antoni GaudĂ­ zĂ€hlt zum UNESCO-Welterbe. Von verschiedenen Stellen des Parks geniesst man ein herrliches Panorama ĂŒber die Stadt. Besonders beliebt ist die Hauptterrasse.<<
al ob man Gaudís Schnörkeleien mag oder nicht: in Barcelona kommt man nicht darum herum. Gaudí ist Barcelona und Barcelona ist Gaudí.

Blick vom Park GĂŒell auf die Stadt Barcelona

Eingang zum Park GĂŒell in Barcelona
Park GĂŒell: Eingang

Viadukt im Park GĂŒell, Barcelona

Überblick-Variante B: Tibidabo

Mit seinen 500 Metern ist der Tibidabo der Hausberg Barcelonas. Vom Panorama-Restaurant oder einer der Bars aus kann man bei einer Tasse Kaffee (oder einem Glas Sangria) entspannt die wahre Dimension dieser wundervollen Stadt in sich aufsaugen. GemĂ€ss ReisefĂŒhrer soll schon die Fahrt in den offenen Tram-Waggons der TramvĂ­a Blau (ab Av. de Tibidabo, Plaza John F. Kennedy) ein tolles Erlebnis sein. Mir persönlich blieb die TramvĂ­a Blau bisher leider nicht vergönnt. Einmal bedingt durch meinen aussersaisonalen Besuch, denn die TramvĂ­a Blau verkehrt nur von Juni-November (von Dezember-Mai fĂ€hrt ein stinknormaler Bus hoch, was aber natĂŒrlich nichts an der tollen Aussicht Ă€ndert). Bei meinem diesjĂ€hrigen Versuch machte mir schliesslich der katalonische Generalstreik einen Strich durch die Rechnung: Die TramvĂ­a Blau streikte nĂ€mlich mit. C’est la vie.

Überblick-Variante C: Montjuïc

AnlĂ€sslich der olympischen Spiele von 1992 wurde der MontjuĂŻc krĂ€ftig aufgebretzelt und ist heute ein schöner Park mit diversen Attraktionen (Museen, Botanischer Garten, Olympisches Stadium, etc.). Der MontjuĂŻc wird auch „die grĂŒne Lunge der Stadt“ genannt.<<
r MontjuĂŻc ist mit seinen 172 Metern Höhe gut zu Fuss erklimmbar – beispielsweise von der Plaza España aus. Hinunter empfiehlt sich die Fahrt mit der Hafenseilbahn bis nach Barcelonetta. Romantisch schweben die roten Gondeln ĂŒber den alten Hafen, den Port Vell hinweg und befördern dich direkt zu Barcelonas StrĂ€nden (mehr dazu dann spĂ€ter).

Seilbahn gondelt vom Mont Juic ĂŒber den Port Vell zu den StrĂ€nden von Barcelonetta

Überblick-Variante D: La Pedrera

Ebenfalls einen tollen Überblick auf die Stadt geniesst man von der Dachterrasse der La Pedrera / Casa MilĂĄ, GaudĂ­s berĂŒhmtestem Haus. La Pedrera befindet sich an der schicken Passeig de GrĂ cia. Im Gegensatz zu den Überblick-Varianten A-C (oben) befindet sich diese Aussichtsplattform also nicht ausserhalb des Stadtzentrums, sondern mitten drin.

La Pedrera, BacelonaSchwungvolle Dachterrasse der La Pedrera, Bacelona

3. La Sagrada Familia

Die Sagrada Familia gilt als Wahrzeichen Barcelonas und darf auf keinem Barcelona-Besuch fehlen. Wenigstens von aussen sollte man sich die „ewige Baustelle“ unbedingt zu GemĂŒte fĂŒhren. Wer die Basilica von innen besichtigen möchte, braucht viel, sehr viel Geduld – oder aber ein Online-Ticket, mit dem man sich zu einem definierten Zeitfenster vor Ort einfinden muss und dann frech an der Warteschlange vorbeiziehen darf. Ich bin a) kein besonders geduldiger Mensch und liebe es b) mich spontan und abhĂ€ngig von der jeweiligen Tagesform durch eine Stadt zu bewegen. Beides sind keine optimalen Eigenschaften fĂŒr eine Besichtigung der Sagrada Familia… 🙄 aber beim nĂ€chsten Mal, beim nĂ€chsten Mal schaffe ich es, grosses Indianerehrenwort!

Total-Ansicht der La Sagrada Familie in Barcelona

4. Barri GĂČtic

Das Barri GĂČtic (das gotische Viertel) ist das Herz Barcelonas. Man hat Barcelona nicht gesehen, wenn man sich nicht im Labyrinth aus malerischen Gassen und GĂ€sslein rund um die Kathedrale verirrt hat.

Kathedrale im Gothischen Viertel von Barcelona Das Barri GĂČtic ist auch ein idealer Ort, um sich einer sĂŒssen Versuchung hinzugeben. Wie wĂ€r’s also mit einer Crema Catalana 😋 oder mit Churros con Chocolate Caliente? 😋

Crema Catalana
Crema catalana

 

Churros con chocolate caliente
Churros con chocolate caliente

5. Barcelonetta ❀

An der kilometerlangen Strandpromenade bei Barcelonetta stolpere ich liebend gerne von einem Chiringuito (StrandcafĂ©) zum nĂ€chsten, geniesse das entspannte, fröhliche Treiben und lasse dabei einfach meine Seele baumeln. 😊

Blick aus einem Strandcafé auf das Hotel W in BarcelonaSkulptur (rostiger Turm) in Barcelonetta, BarcelonaBlick von einem Strandcafé auf das Hotel W in Barcelona. Im Vordergrund: Sangria und OlivenSelfie in einem Strandcafé in Barcelonetta, Barcelona

Hach ja, es ist besonders nett da, in Barcelonetta 😎

6. Schlummertrunk in La Xampanyeria

Mein perfekter Tag in Barcelona endet mit einem Schlummertrunk in der rappelvollen La Xampanyeria an der Carrer de la Reina Christina 7.

Ein Glas mit Cava in der Xampanyeria, BarcelonaMunteres Treibn in La Xampanyeria, Barcelona Das emsige Treiben in der Kult-Bar lĂ€sst sich mit Worten kaum beschreiben – man muss dabei gewesen sein, um zu verstehen, was hier so unglaublich unglaublich ist – cheers! đŸŸ

¥Nos vemos en Barcelona, olé!

Warst du auch schon in Barcelona? Was sind deine Highlights und Tipps?

Ich freue mich ĂŒber dein Feedback!

Wie ich meinem Traum folgte und in Alboraya landete

Es ist noch keine vier Wochen her, als ich aus heiterem Himmel von Alboraya getrÀumt habe. Als mir der Traum am nÀchsten Morgen bei der ersten Tasse Kaffee wieder einfiel, zauberte er mir sofort ein LÀcheln ins Gesicht und ich fragte mich, was diese Eingebung wohl zu bedeuten hatte. War das vielleicht ein zarter Wink des Universums?

Fakt ist: vor exakt einem Jahr hatte ich wĂ€hrend meines Sprachaufenthalts in Valencia einen kurzen Blick auf Alboraya erhascht. Da ich einen Intensivkurs aus dem BoaLingua-Sortiment belegte, verbrachte ich einen grossen Teil meiner Zeit auf der Schulbank und schaffte es auf meiner Joggingrunde vor oder nach der Schule höchstens mal bis zum Strand Patacona, welcher im Norden fast nahtlos an Valencias imposanten Malvarrosa-Strand anknĂŒpft.
Mich verzĂŒckte die Gegend bei Patacona/Alboraya auf Anhieb. Das Ambiente war hier ein Tick entspannter, dezenter und schicker als weiter unten bei las Arenas. „Irgendwann“, so schwörte ich mir, „irgendwann schaue ich mir diese Ecke hier mal noch etwas genauer an!“

Man soll seine TrĂ€ume leben…

Und dieses „Irgendwann“ machte sich also nun, fast ein Jahr spĂ€ter in Form einer nĂ€chtlichen Eingebung bemerkbar. Der Gedanke, nach Alboraya zu reisen, fĂŒhlte sich spontan gut an. Dennoch liess ich ihn noch ein paar Tage auf mich wirken, bevor ich mir ĂŒber Flug und Unterkunft ernsthaft den Kopf zerbrach.
Bald stand mein Entschluss jedoch fest und ich suchte mir eine nette Airbnb-Unterkunft. Es durfte gerne was ruhiges sein, denn ich wollte die Zeit nutzen, um an meinem Buchprojekt mal wieder einen Schritt vorwĂ€rts zu kommen. Und dies wiederum schaffe ich am besten in einer ruhigen, inspirierenden Umgebung. Schliesslich entschied ich mich fĂŒr ein urbanes Beach-Apartment in Port Saplaya, Alboraya.

Port Saplaya – Romantik vom feinsten!

Port Saplaya, auch „klein Venedig“ genannt, ist ein wirklich schmucker Fleck.

Port Saplaya
Port Saplaya

Und ja, es erinnert tatsĂ€chlich an Venedig. Bis auf die BrĂŒcken; die fehlen hier nĂ€mlich komplett. Und so wird der Gang zum vielleicht 50 Meter Luftlinie entfernten Lieblingsrestaurant locker mal eben zu einem 15 minĂŒtigen romantischen Spaziergang, vorbei an dutzenden schicken Booten. Zur Verdauung dann natĂŒrlich dasselbe zurĂŒck. Aber hey! Man gönnt sich ja sonst nix! 😉

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Weniger ist manchmal Meer ❀

Einmal mehr habe ich auch mit meiner Airbnb-Wahl voll ins Schwarze getroffen. Mein Apartment ist einfach nur toll. Die Terrasse hat es mir besonders angetan. Hier esse, lese und schreibe ich oder starre einfach nur auf’s Meer hinaus und sauge die kostbare Energie in mir auf. Stundenlang wenn’s sein muss. Und wenn’s nicht sein muss, dann erst recht! 😉

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Aber das allerschrecklichste ĂŒberhaupt sind die SonnenaufgĂ€nge. Noch schrecklicher: ich muss dafĂŒr nicht mal aufstehen, sondern kann sie direkt vom Bett aus betrachten. ❀

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Ja, es war die richtige Entscheidung, meiner nÀchtlichen Eingebung zu folgen: AlboraJA, um genau zu sein!

Reif fĂŒr die Insel. Welche ist egal. Oder doch nicht?

Es war an einem Sonntagvormittag Anfang November 2016. Nebst den PrĂ€sidentschaftswahlen in den USA stand auch die Adventszeit quasi vor der TĂŒr und die ersten Einladungen fĂŒr WeihnachtsanlĂ€sse flatterten ins Haus. Ich  sass mit meinem besten Freund gemĂŒtlich beim Brunch, als wir gemeinsam feststellten, dass wir unseren Körpern eigentlich viel lieber den Luxus von Ruhe und Bewegung an der frischen Luft gönnen wollten, als sie der drohenden Hektik und Völlerei auszusetzen. Biken wĂ€re toll. Beispielsweise. Es war ein prickelnder Gedanke, den wir auf jeden Fall noch mindestens eine Runde weiterdenken wollten. Nach zwei, drei NĂ€chten darĂŒber schlafen stand unser Entschluss schliesslich fest: ja, wir wollten weg.

Uns war bewusst, dass die Weihnachtszeit eine beliebte Reise-Saison ist und wir uns entsprechend zĂŒgig fĂŒr eine Destination entscheiden sowie FlĂŒge und Unterkunft buchen sollten, um am Ende nicht doch noch besinnlich unter dem Tannenbaum zu landen. Also machten wir uns sofort an die Arbeit und surften fleissig durch das Internet. Relativ rasch stiessen wir dabei auf Lanzarote. Die Kanaren-Insel wurde uns als regelrechtes Mekka fĂŒr Bike-Enthusiasten angepriesen. Das klang toll. „Au ja, das ist es!“, riefen wir wie aus einem Munde, „…und ich kann gleichzeitig mein  Spanisch weiter vertiefen, juhui!“, fĂŒgte ich euphorisch hinzu.

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Wir teilten uns die erforderlichen Buchungen gerecht unter einander auf. WĂ€hrend ich mich schnurstracks um die FlĂŒge und die Unterkunft bemĂŒhte, kĂŒmmerte sich mein Freund voller Elan um die Bikes und einen Mietwagen. Nachdem alle Buchungen und Reservationen getĂ€tigt waren und damit unser Gesamt-Paket unter Dach und Fach schien,  stiessen wir voller Vorfreude mit einem Glas Cava auf unseren Coup an. Den klitzekleinen FlĂŒchtigkeitsfehler der sich in unserem Buchungsprozedere eingeschlichen hatte, bemerkten wir erst spĂ€ter. Viel spĂ€ter. Eigentlich zu spĂ€t. Oder auch nicht. Aber eins nach dem anderen…

In den folgenden Wochen vor der Abreise durchlebten wir beide geschĂ€ftlich eine regelrechte Jahresend-Rally. Projekte und Tasks prasselten auf uns nieder, als obs kein Morgen, als obs kein 2017 gĂ€be und so waren wir am vierten Advents-Wochenende schliesslich mehr als nur reif fĂŒr die Insel. Die letzten E-Mails waren beantwortet, die Ferienvertretungen geklĂ€rt, die Taschen gepackt. Nun konnte nichts mehr schiefgehen. Eigentlich. Dachte ich…

Am Abend vor dem Abflug nach Arrecife/Lanzarote leitete mir mein Freund noch die BestĂ€tigung der Mietwagen-Reservation weiter, die bereits seit Wochen in seinem E-Mail Postfach vor sich hin schlummerte. „Damit du dann morgen auf der Insel auch Bescheid weisst…“ notierte er salopp dazu und schloss die Nachricht mit einem gutgelaunten Smiley. Ich setzte mich an meine KĂŒchenbar, nippte an einem Pfefferminztee und scrollte mich durch das Anschreiben des Mietwagen-Anbieters. Dabei stolperte ich ĂŒber die Worte Reina SofĂ­a. „Oh?!“, schoss es mir spontan durch den Kopf, „ich wusste gar nicht, dass der Flughafen von Arrecife auf Lanzarote gleich heisst, wie derjenige auf der Schwesterinsel Teneriffa…“. Ich war bereits zwei mal auf Teneriffa (mehr dazu gibt’s ĂŒbrigens im Artikel Die Kraft des Atlantiks oder wie man zufĂ€llig einen Halbmarathon lĂ€uft) und kenne den Flughafen dort daher ziemlich gut. Neugierig geworden zoomte ich in die entsprechende Passage des E-Mails hinein und realisierte allmĂ€hlich, dass die FlughĂ€fen der beiden Kanareninseln NICHT gleich hiessen. Sofort rief ich meinen Freund an. Bestimmt hatte er die BestĂ€tigungsmail fies manipuliert, um meine Aufmerksamkeit zu testen – zuzutrauen wĂ€r’s ihm ja! Doch sein Gestotter verriet mir, dass es kein Fake war. Nein, unser Auto wĂŒrde morgen um 16.00 Uhr tatsĂ€chlich auf Teneriffa fĂŒr uns bereitstehen, wĂ€hrend unsere Taschen 400 Kilometer weiter westlich auf Lanzarote ĂŒber das Kofferband tuckerten. Heiliger Bimbam!

Nachdem der erste Schreck verdaut war, machte mein Freund das einzige, was er in dieser Situation tun konnte: er stornierte die Reservation auf Teneriffa und setzte gleichzeitig eine Anfrage an die Filiale auf Lanzarote ab. Im Vertrauen darauf, dass am Ende eh immer alles gut wird und es vor Ort dann bestimmt irgendeine Lösung geben wĂŒrde, schlummerte ich schliesslich selig dem herbeigesehnten Abreisetag entgegen.

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Auf dem Weg zum Flughafen und am Gate checkte mein Freund im 10-Minuten-Takt seine E-Mails. Doch die erhoffte ReservationsbestĂ€tigung blieb aus. Dann hiess es schliesslich „Fasten Your Seatbelts“ und unsere Smartphones fielen fĂŒr die nĂ€chsten 4 Stunden in ihren wohlverdienten Dornröschenschlaf.

Nachdem wir unsere Taschen vom Kofferband geschnappt hatten, stellten wir uns mit leicht mulmigem BauchgefĂŒhl beim Autovermieter an die Theke. Ein sympathischer junger Mann, mit zimtfarbenem Teint und strahelndweissen ZĂ€hnen lĂ€chelte uns entgegen. Auf seiner linken Brust war ein Schild. „Pedro“ stand darauf. Pedro hiess uns auf Lanzarote willkommen und fragte, was er fĂŒr uns tun könne. Ich hörte, wie mein Freund ihm – ebenfalls sehr freundlich, aber bestimmt  – erklĂ€rte, dass wir gestern eine Reservationsanfrage eingereicht hĂ€tten, bis jetzt jedoch noch keine Antwort erhalten hĂ€tten. Augenblicklich zogen sich die Lachfalten um Pedros Mundwinkel zurĂŒck, um Sekunden spĂ€ter auf seiner Stirn in Form von Sorgenfalten wieder aufzutauchen. Pedro versicherte uns, wie unangenehm ihm die Angelegenheit sei. Dezent murmelte er, dass 24 Stunden vor Ankunft zwar schon etwas knapp seien fĂŒr eine Reservation, aber dass wir dennoch lĂ€ngst eine Antwort auf unsere Anfrage hĂ€tten erhalten mĂŒssen. Er entschuldigte sich mehrmals in aller Form und klickte gleichzeitig nervös in seinem Computer herum. WĂ€hrend mein Freund – seinen rechten Ellbogen lĂ€ssig auf der Theke abgestĂŒtzt – sich seine Emotionen nicht anmerken liess, stand ich mit ersten Anzeichen von Schnappatmung daneben. „Aber… Moment… das ist doch nur die halbe Geschichte… also höchstens… herrje…“ stammelte ich innerlich vor mich hin. Pedro tat mir leid. Er war doch nicht Schuld an unserer Misere. Ich nahm einen tiefen Atemzug und wollte schlichtend in das Geschehen eingreifen. In diesem Moment zog Pedro einen SchlĂŒssel aus der Schublade, begann mit dem AusfĂŒllen eines Formulars und entschuldigte sich erneut fĂŒr die Unannehmlichkeiten. Ja, es war nur die halbe Geschichte, die mein Freund da von sich gab, aber es war verdammt noch mal die richtige HĂ€lfte. Und so stand ich einfach nur perplex wie Babsi daneben und entschloss mich, das zu tun, was ich am besten kann: Klappe halten!

Kurze Zeit spĂ€ter sassen wir in einem weissen Opel Corsa mit FahrradtrĂ€ger am Heck (es war ĂŒbrigens der einzige Wagen mit FahrradtrĂ€ger in der ganzen Garage), gaben die Adresse des Hotels ins Navi ein und quitschten kurz darauf los in Richtung Costa Teguise.
Nach gut 20 Minuten Fahrt strandeten wir in einer Sackgasse. Das Navi behauptete steif und fest, dass wir hier unser Ziel erreicht hĂ€tten. Doch hier gab es kein Hotel – weit und breit nicht. „Fahr da rein!“ wies ich meinen Freund an, „dort vorn ist bestimmt die Einfahrt zum Hotel, siehst du?“ – „Ich kann doch da unmöglich reinfahren! Das ist die Strand-Promenade. Sieh nur die vielen Leute!“ – „Ach, jetzt fahr halt mal die zwanig Meter vor, dann sehen wir, ob das dort tatsĂ€chlich die Hoteleinfahrt ist.“ Ich mag MĂ€nner, die in brenzligen Situationen einfach tun, was man von ihnen verlangt, ohne langes Tamtam. Und so holperte unser Corsa auch schon zielstrebig ĂŒber die Pflastersteine…
Wir schafften nicht mal die vorgenommenen 20 Meter, da ertönte auch schon  eine schrille Sirene und im RĂŒckspiegel erblickten wir das rotierende Blaulicht eines Streifenwagens. „Das macht dann 40 Euros, por favor!“ gab uns der Polizeibeamte – in scharfem Tonfall zwar, aber mit einem charmanten Grinsen im Gesicht – zu verstehen. Die Costa Teguise hat echt einiges zu bieten, aber in dem Moment waren wir hier die Hauptattraktion. Die FussgĂ€nger zeigten auf  unseren Corsa, schĂŒttelten den Kopf oder hielten sich den Bauch vor lachen. Einige taten sogar alles gleichzeitig. FĂŒr mich fĂŒhlte sich das gerade wie die gerechte Strafe fĂŒr unser nicht ganz astreines Spiel beim Auto-Vermieter an. Nun waren wir aber quitt, ey!
WĂ€hrendem wir unsere Euros hervorkramten erklĂ€rten wir dem Polizisten, dass wir gerade vom Flughafen kĂ€men und unser Navi der Meinung sei, dass da vorne unser Hotel, das BarcelĂł, stĂŒnde. Der Polizist kassierte und bot uns dann an, uns zum Hotel zu lotsen. Wir sollten einfach hinter ihm herfahren. Die Zufahrt zum Hotel war in der Tat etwas verwinkelt. Wir wĂ€ren da definitiv noch lange herumgeirrt. Die 40 Euros waren am Ende jedenfalls gut investiertes Geld. 😉

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Unter dem Strich kam mir dieses Valencia alles andere als spanisch vor.

Seit ich denken kann liebe ich die spanische Sprache und dieser Zustand hat sich mit meiner ganz persönlichen Liaison zu Barcelona in den letzten paar Jahren noch zusĂ€tzlich verstĂ€rkt. Doch meine Begeisterung, hier in der Schweiz einmal pro Woche fĂŒr zwei Lektionen die Schulbank zu drĂŒcken, hielt sich stets in Grenzen und so schob ich das Projekt „aprender español“ (spanisch lernen) immer wieder vor mich hin (mañana, mañana…). Ich vertraute stets darauf, dass der richtige Moment irgendwann schon noch kommen wĂŒrde, in dem ich mich dazu aufraffen könnte, einen Sprachkurs zu belegen. Trotzdem notierte ich den Vorsatz sicherheitshalber sorgfĂ€ltig auf meiner Bucketlist.

Der richtige Zeitpunkt kam schliesslich im vergangenen August… weiter gehts in meinem Gastbeitrag im Boa Lingua-Blog 😉

Best of Valencia Tweets

NatĂŒrlich habe ich wĂ€hrend meinem Aufenthalt in Valencia ab und zu getwittert. Hier ein paar Kostproben 😉

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Impressionen von Valencia

The Winner Takes it All, den Andalusiern ists egal

Um es gleich vorweg zu nehmen: der spontan möglicherweise etwas provokant anmutende Titel dieses Blogposts ist aus Sicht der Andalusier absolut im positiven Sinne zu verstehen. Zehn Tage an der Costa del Sol genĂŒgten, um mir eine ganz fette Scheibe vom andalusischen Zauberkuchen abzuschneiden. Der Kuchen besteht aus kostbaren Zutaten wie Gelassenheit, Zufriedenheit, Herzlichkeit und einer grosszĂŒgigen Prise Charme.
„Kein Wunder, dass die so zufrieden sind. Die haben ja auch 320 Sonnentage pro Jahr“, könnte man da resĂŒmieren. Rein statistisch ist diese Aussage zwar korrekt, aber hey! letztlich bestimmt nicht die Sonne, die vom Himmel lacht, wieviel Licht wir in unseren Herzen zulassen. Ich jedenfalls knabbere noch heute genĂŒsslich an meinem andalusischen StĂŒck Kuchen.

Nun aber zur eigentlichen Geschichte, die meine Zeit in Andalusien zu einem Meilenstein in meinem Leben gemacht hat.

Obschon ich einige Punkte meiner damals in Barcelona skizzierten Strategie bereits tapfer in die Tat umgesetzt hatte, blieb ein Vorsatz zunĂ€chst hartnĂ€ckig auf der Pendenzenliste stehen. Jener nĂ€mlich, alleine ein Auto zu mieten und damit auf eigene Faust eine neue Gegend zu entdecken. In meinem alten Leben waren mein Mann und ich oft per Auto bzw. Camper unterwegs. Da mein Mann Chauffeur war, war es naheliegend, dass er in aller Regel am Steuer sass, wĂ€hrenddem ich mich nebenan auf dem BeifahrersitzÂ ĂŒber all die Jahre zur quirligen Entertainerin und zur Weltmeisterin im Kartenlesen entwickelte.

Meine Andalusien-Mission lautete also, ein Auto zu mieten und damit die Gegend unsicher zu machen. Nach ĂŒber drei Stunden in der Europcar-Schlange am Flughafen von MĂĄlaga, habe ich meinen Fiat500 endlich erhalten. ❀

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Mein 500er, aka „Erbse“ 😉

Als ich dann die Adresse meines Hotels im Navi eingeben wollte, stellte ich erstaunt fest, dass die auf dem Voucher aufgedruckte Strasse gemĂ€ss Navi nicht existierte. Ich beschloss daraufhin, einfach mal bis nach Marbella durchzufahren und dort nach dem Weg zu fragen. Und so stoppte ich bei der ersten Tankstelle nach dem Ortsschild von Marbella, hielt dem braungebrannten Spanier an der Kasse meinen Hotel-Voucher unter die Nase, legte mein charmantestes Sonntags-LĂ€cheln auf und zog gleichzeitig die Achseln bis zu den Ohren. Der Mann kapierte sofort und so erfuhr ich, dass ich bereits auf der richtigen Strasse war (Bingo!). Allerdings auf der falschen Seite und ca. zwei Kilometer zu östlich. „Easy!“, dachte ich bei mir, „Strassenseite wechseln kriege ich hin, wĂ€r‘ ja gelacht, ey!“.

Motiviert verliess ich also den Tankstellenshop und verschaffte mir als erstes einen Überblick. Wieviele Spuren hatte diese Strasse denn eigentlich von der der Tankstellenmann behauptete, dass es die richtige sei? Eine, zwei, drei… pro Richtung, wohlverstanden (meine Fresse!). Ich setzte mich in meinen 500er und war entschlossen, zwei bis drei Kilometer in westliche Richtung weiterzufahren, um dann irgendwie die Seite zu wechseln. NatĂŒrlich kam nach drei Kilometern keine Bitte-Wenden-Ausfahrt. Auch nach vier, fĂŒnf und sechs Kilometern nicht.  So verliess ich die Autostrasse halt einfach bei der ersten Gelegenheit, die sich mir bot. Unnötig zu erwĂ€hnen, dass ich den Überblick zu dem Zeitpunkt lĂ€ngst verloren hatte (Herrje!).
Ein Plan B musste her und zwar schnell. Et voilĂ : Ich wĂŒrde uns (also fĂŒr die Erbse und mich) ein Taxi rufen. Das mag jetzt bescheuert klingen, ist aber eigentlich ein ziemlich intelligenter Plan, auf den man zuerst mal kommen muss! 🙂 Das Taxi sollte HĂ€uptling spielen, voraus reiten und uns zwei Bleichgesichtern so den Weg zum Hotel weisen…

Ich war inzwischen auf dem Parkplatz eines Surfclubs gelandet. Ich stieg aus dem Wagen und kaum stand ich mit meinem hilflosen Taxi-Such-Blick auf dem Platz, kam auch schon ein knackiges, braungebranntes und von Sonnenöl glÀnzendes Sixpack auf mich zu. Er hiess Francisco und genau so sah er auch aus (hach!)!
Francisco strahlte ĂŒbers ganze Gesicht. Seine Augen leuchteten, als er fragte, ob und wie er mir denn helfen könne. „Oh… Ă€hm… hola… un momento… por favor… soy suiza…“, stammelte ich und kramte meinen Hotel-Voucher hervor. Francisco sah das Logo auf dem Papier und meinte, dass er bereits wisse, wo das Hotel sich befinde und er mir den Standort im Navi locker sogar ohne Adressangabe programmieren könne. FĂŒr einen Moment war ich skeptisch, doch dann sah ich auf das beeindruckende Sixpack in Franciscos funkelnde, braune Augen und vertraute ihm aus tiefem Herzen. Ich sollte es nicht bereuen…

Eine halbe Stunde spĂ€ter checkte ich im Hotel ein, bezog meinen knallorangen Bungalow und gönnte mir eine erfrischende Dusche. SpĂ€ter genoss ich den lauen Abend bei einem Glas Sangria an der Strandbar und war einfach nur dankbar (ĂŒbrigens: dankbar reimt sich auf Strandbar). Ich hatte es geschafft, war angekommen – nicht nur im Hotel 😉 Manchmal meint es das Schicksal eben verdammt gut mit mir…

In den darauffolgenden Tagen unternahm ich mit meiner Erbse einige sehr tolle Ausfahrten. VergnĂŒgt kurvten wir durch die berĂŒhmten „weissen Dörfer“ Andalusiens, machten Halt im romantisch-imposanten Ronda, im lieblichen Nerja, im stĂŒrmischen Gibraltar und liessen selbst das 260 km entfernte Sevilla, die Hauptstadt Andalusiens, nicht aus.

Wer weiss, vielleicht schreibe ich mal noch eine weitere Geschichte ĂŒber mein Self-Drive-Abenteuer an der Costa del Sol… aber natĂŒrlich nur, wenn ihr das mögt?!?? 🙂

Impressionen aus Andalusien

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/Mai 2014

Die Kraft des Atlantiks… oder wie ich zufĂ€llig einen Halbmarathon lief

September 2012. Ich war gerade mit meinem damaligen Freund – nennen wir ihn Klaus-Dieter 😉 – aus Ägypten zurĂŒckgekehrt. Klaus-Dieter und ich waren knapp drei Monate ein Paar und verbrachten – zum krönenden Abschluss unserer Beziehung, wie sich herausstellen sollte – eine total witzige und absolut friedvolle Woche am roten Meer. Eigentlich hatte alles wunderbar gepasst zwischen uns beiden. Dennoch kehrten wir nach Hause zurĂŒck und jeder ging fortan seinen eigenen Weg, als wĂ€re es die logischste Sache der Welt. In der Nachbetrachtung eine reichlich skurrile Geschichte… eine Geschichte, die das Leben schreibt.

In den darauffolgenden Wochen wurde ich zunehmend zappelig, hatte sprichwörtlich Hummeln im Hintern. VerstĂ€ndlich, denn bis dahin war das Jahr 2012 ja proppenvoll mit Wohnungssuche, Umzug, HaushaltgrĂŒndung und Klaus-Dieter :-P. Doch jetzt, wo wieder Ruhe und so was Ă€hnliches wie Routine in mein Leben eingekehrt war, drehte ich buchstĂ€blich am Rad. Ich musste dringend etwas unternehmen, doch was?

Ich dachte an die tolle Zeit in Barcelona zurĂŒck und an die ambitiösen VorsĂ€tze, die ich in jener lauen Silvesternacht in den katalonischen Himmel hinauf beschwörte. Ja, die Zeit war definitiv reif, einen weiteren, bewussten Schritt zu wagen, um meine Leidenschaft fĂŒrs Reisen weiter auszuleben. Ich ĂŒberlegte mir also, welche Art von Urlaub denn geeignet sein könnte fĂŒr mich als Alleinreisende. Das war gar nicht so einfach, denn wie in BarceLOVEna – wo alles begann
 beschrieben, war ich bis dahin grossmehrheitlich per Camper unterwegs. Ich fand Camping immer toll. Doch die Vorstellung alleine zu campieren, ĂŒberforderte mich – ĂŒbrigens genauso, wie der Gedanke an eine Gruppenreise und/oder an Cluburlaub…

Sport + Urlaub = Sporturlaub

Sport genoss schon immer lange einen wichtigen Stellenwert in meinem Leben und wurde nun, in meiner Singlezeit, zunehmend zu einer zentralen Energiequelle. Und genau dies brachte mich schliesslich auf eine geniale Idee: ich könnte irgendwohin ans Meer reisen, um dort Sport zu treiben – joggen zum Beispiel. Gesagt getan und so flog ich drei Wochen spĂ€ter fĂŒr zehn Tage nach Teneriffa.

Verkehrsregelung im Teide Nationalpark

Ich strandete an der Costa Adeje, einer ziemlich edlen Gegend im SĂŒden der Kanareninsel – perfekt zum joggen und wandern und nah genug an der legendĂ€ren Playa de las Americas, falls es mal einen Tick flotter zu und her gehen durfte. Mein Hotel war 10 Gehminuten vom Busbahnhof entfernt und damit ideal gelegen fĂŒr Tages-AusflĂŒge auf der ganzen Insel. Mein Zimmer befand sich auf Etage acht (von acht), hatte einen ĂŒberraschend grosszĂŒgigen Grundriss und war Ă€usserst stilvoll eingerichtet. Eine charmante, kleine Dachterrasse mit seitlichem Meerblick rundete das Profil meiner Behausung fĂŒr die nĂ€chsten zehn Tage krönend ab. Ich bin heute noch ĂŒberzeugt, dass das die Prinzessinnen-Suite war. Fakt ist: ich fĂŒhlte mich vom ersten Moment an wohl hier und das war schon mal viel wert.

Etwas Bammel hatte ich durchaus vor dem ersten FrĂŒhstĂŒck. Was, wenn ich als Single irgendwo an einen Familientisch mit kreischenden Kindern gesetzt wĂŒrde – als „LĂŒckenfĂŒller“, quasi? Oder die andere AusprĂ€gung: Was, wenn ich Ă€tzend labernde Kerle abwimmeln musste, die sich zu mir an den Tisch gesellen wollten?

GlĂŒcklicherweise traf nichts von beidem ein. Im Gegenteil: ich erhielt jeden Morgen meinen (zur Suite passenden) Prinzessinnen-Tisch, wurde Ă€usserst respektvoll und zuvorkommend behandelt und das FrĂŒhstĂŒcks-Buffet verdiente das PrĂ€dikat „Wow“!

Ich liebte es, ausgiebig zu brunchen, um mich dann fĂŒr den Rest des Tages mit dem Rucksack auf dem Buckel einfach von der Atlantikbrise treiben zu lassen. Oder aber, ich schnallte meine Laufschuhe an, steckte IdentitĂ€tskarte und einen Notgroschen ein und joggte einfach drauflos. Ohne Ziel und ohne auch nur irgendjemandem Rechenschaft darĂŒber abzuliefern. Ich war frei und das fĂŒhlte sich nicht nur okay, sondern verdammt richtig an…

Joggito ergo sum…

Eines Tages joggte ich also wieder der lebhaften Strandpromenade entlang. Vorbei an unzĂ€hligen Restaurants und den fĂŒr Teneriffa so typischen schwarzen SandstrĂ€nden. Beschwingt setzte ich einen Fuss vor den anderen, als wĂŒrde ich auf Watte laufen. Ich nahm eine wunderbare Leichtigkeit in mir wahr und mit jedem Atemzug sog ich noch etwas mehr von dieser kraftspendenden Atlantikluft in mir auf. Ich spĂŒrte die vielen bemitleidenden bewundernden Blicke des „faulen“ Strandvolks auf mir. Ich fĂŒhlte mich grossartig. Leicht und dennoch vor Energie strotzend – frei nach Descartes: «joggito ergo sum» – ich jogge, also bin ich.

Nach knapp zwölf Kilometern endete die Strandpromenade schliesslich bei Los Christianos. Erst da realisierte ich, wie weit ich schon gelaufen war. Jetzt noch zurĂŒck zu meiner Prinzessinnen-Suite und er war geschafft: mein erster Halbmarathon…

2014-06-04 18.41.57
Beeindruckende Flora im Teide-Nationalpark

BarceLOVEna, der Play-Button zu meinem neuen Leben

Das Reisen ist schon mein ganzes – naja, halbes – Leben meine grosse Leidenschaft. Ich liebe es, dem Alltag zu entfliehen und dabei neue LĂ€nder und Kulturen zu entdecken. Seit gut vier Jahren reise ich regelmĂ€ssig alleine, bzw. auf eigene Faust. Mehr dazu dann gerne in meinen kĂŒnftigen Postings.

In diesem Beitrag möchte ich ein paar HintergrĂŒnde darlegen, die zur starken AusprĂ€gung meiner Leidenschaft fĂŒrs Reisen generell und fĂŒrs Alleinreisen im speziellen gefĂŒhrt haben und welche Rolle Barcelona dabei spielt.

Mein altes Leben…

FrĂŒher, in meinem „alten Leben“, bereiste ich zusammen mit meinem Ehemann die Welt. Wir taten dies grossmehrheitlich per Camper. Quer durch Australien, Amerika, Kanada, Kenia, SĂŒdafrika, Skandinavien, Griechenland, Spanien, Italien, Grossbritannien, Frankreich, Österreich, Deutschland und natĂŒrlich die Schweiz. Wir waren oft mehrere Wochen am StĂŒck unterwegs und waren ein perfekt eingespieltes Team, sodass wir – zwei grossgewachsene Menschen, wohlverstanden – uns sogar auf kleinstem Raum stets bestens arrangieren konnten und uns nie in die Quere kamen.

Wenn wir nicht gerade irgendwo durch die grosse, weite Welt tuckerten, werkelten wir an unserem HĂ€uschen herum. Einem charmanten, ehemaligen Bauernhaus, Baujahr 1830, mit angebauter Scheune und viiiieeeeeel Umschwung. Jede freie Minute steckten mein Mann und ich in das Haus. Ich sprudelte nur so vor kreativen Ideen, was wir wo und wie noch optimieren oder umbauen könnten. Mein Mann war nicht nur ein verdammt geduldiger Zuhörer, sondern auch ein begnadeter Handwerker. Und so verwirklichten wir gemeinsam einige unglaublich tolle Bau-Projekte. HĂ€tte es den HeimwerkerKing damals schon gegeben, wir wĂ€ren die grössten Fans gewesen, wetten?! 🙂

Zum Millenium-Wechsel bereisten wir Australien: einmal rundherum und kreuz und quer durchs Outback lautete die Devise. Auf dieser Reise entdeckte ich eine weitere grosse Leidenschaft: Vögel. Exotische Vögel. Papageien und Kakadus, um genau zu sein. Stundenlang konnte ich rĂŒcklings auf dem Boden liegen, in den Himmel starren und dem fröhlichen Gezwitscher unserer gefiederten Wegbegleiter frönen.

Nach 27’000 staubigen Kilometern flogen wir schliesslich von Downunder nach Hause zurĂŒck. Und siehe da: zufĂ€llig hatte ein Kollege meines Mannes, ein VogelzĂŒchter, grad ein niedliches Nymphensittich-MĂ€nnlein zu vergeben. Wir zögerten, wollten auf keinen Fall ein Einzeltier und fĂŒr mehr fehlte uns zu dem Zeitpunkt definitiv der Mut. Nachdem uns der Kollege jedoch anbot, dass wir den Knirps bei Nichtpassen einfach wieder an ihn zurĂŒckgeben könnten, waren wir mit dem Deal einverstanden. Und natĂŒrlich wollten wir den sĂŒssen, kleinen Piepmatz nie wieder hergeben 😍 So kam es, dass wir eines Tages eine drollige, farbenfrohe kleine Vogelschar beherbergten. Ich liebte es, das muntere Treiben unserer Sittiche zu beobachten. Stun-den-lang.

TschĂŒss altes Leben

Im Herbst 2011 endete mein altes Leben. Zugegeben etwas abrupt, aber hey! lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. HintergrĂŒnde gehören nicht hierhin. Fakt ist, dass ich von einem Tag auf den anderen allein dastand: ohne Haus, ohne Vögel, ohne Mann… Das Einzige, was von meinen „alten“ Leidenschaften nicht per se abgehakt werden musste, war das Reisen und so sagte ich zu mir:“wenn du jetzt sogar das Reisen aufgibst, dann hast du verloren!“

Ich verliere nicht gerne und so flog ich am 29. Dezember 2011 kurzentschlossen einer Freundin nach Barcelona hinterher, die Weihnachten bei ihrer katalanischen Familie verbrachte.

Hallo Barcelona, hallo neues Leben!

Meine Freundin und ich feierten Silvester tanzend auf den Ramblas von Barcelona und ich wusste in dieser Nacht, dass der erste, kleine und doch ganz grosse Schritt in mein neues, völlig unabhĂ€ngiges, freies Leben geschafft war. Barcelona hat seither ĂŒbrigens einen fixen Platz auf meiner jĂ€hrlichen Reise-ToDo-Liste. Ehrensache, quasi ❀
Mehr zu Barcelona gibt’s ĂŒbrigens im Artikel 6 Tipps fĂŒr einen perfekten Tag in Barcelona.

Viele Leute wollten mir damals, in der Phase meines Neubeginns, Mut zusprechen, indem sie sagten, dass ich bestimmt wieder einen Partner finden wĂŒrde, mit dem ich tolle Reisen unternehmen wĂŒrde. Doch fĂŒr mich war stets klar, dass ich das eine auf keinen Fall vom anderen abhĂ€ngig machen durfte. Nein, ich wollte nicht DĂ€umchen drehend auf «Mister Right» warten, sondern meinen eigenen Weg gehen – ohne Wenn und Aber.

Es war eine sehr intensive Zeit damals und natĂŒrlich hatte ich deutlich mehr Fragen als Antworten im Kopf, wie mein Leben wohl weitergehen wird. Aber egal, jetzt hiess es primĂ€r mal einfach am Ball zu bleiben, mutige und realistische Schritte zu planen und umzusetzen – erhobenen Hauptes, den Blick stets nach vorn gerichtet…