Bolivien: Trekking durch den Altiplano

Bolivien ist – wie die Schweiz auch – ein Binnenland. Im Gegensatz zur Schweiz, war dies bei Bolivien allerdings nicht immer so. Bolivien verlor im Zuge des Salpeterkrieges im sp├Ąten 19. Jahrhundert 400 Kilometer seines K├╝stengebiets an Chile und damit seinen Zugang zum Pazifik. Es wundert daher nicht, dass die Bolivianer nicht sonderlich gut auf die Chilenen zu sprechen sind.┬á

Bolivien ist eines der ├Ąrmsten L├Ąnder S├╝damerikas und dies, obschon es ├╝ber das drittgr├Âsste Erdgasvorkommen des Kontinents verf├╝gt. Chile seinerseits k├Ânnte einen verl├Ąsslichen Erdgaslieferanten gut gebrauchen. Der gegenw├Ąrtige bolivianische Pr├Ąsident Evo Morales verfolgt bez├╝glich des westlichen Nachbarn denn auch eine klare Gib-mir-K├╝ste-und-ich-gebe-dir-Gas-Politik. Doch Chile l├Ąsst sich nicht auf diesen Deal ein.┬á

Just an dieser umstrittenen Ecke passierte unser friedvolles Trekking-Grüppchen schliesslich die Grenze zu Bolivien. 

Die Reise im ├ťberblick

Ich habe dr├╝ben bei GoogleMaps die wichtigsten Stationen und Highlights der gesamten Trekking-Tour erfasst. Dieser Blogpost beschr├Ąnkt sich auf den Bolivien-Teil und schliesst damit nahtlos an den Chile-Teil an.

¡Adiós Chile, hola Bolivia!

Nachdem wir tags zuvor zum kr├Ânenden Abschluss des Atacama-Trekkings den Gipfel des Cerro Toco auf sage und schreibe 5’616 Metern ├╝ber Meer erklommen hatten (mehr dazu hier), hiess es nun Abschied zu nehmen. Abschied von der imposanten Atacama-W├╝ste, Abschied von Chile und damit auch Abschied von unserer chilenischen Crew.

Es erfolgte ein fliegender Wechsel direkt am Grenzposten. Vom chilenischen Kleinbus, in dem jedes Gruppenmitglied einen Doppelsitz bequem f├╝r sich alleine beanspruchen konnte, galt es nun n├Ąher zusammenzur├╝cken und uns auf die bereitstehenden Allradfahrzeuge aufzuteilen.┬á

Unsere Reisetaschen stehen vor den 4WDs zum Verladen bereit.
Es kann nicht schaden, seine Tasche am Verladeposten in eine gute Ausgangsposition zu bringen ­čśë

Team Theo ­čĹş­čĹş┬áund die W├╝sten des Altiplanos

Zusammen mit drei anderen alleinreisenden M├Ądels platzierte ich mich im Wagen von Theo. Es war eine phantastische Wahl, wie sich bald herausstellen sollte. Es folgten drei herrlich unkomplizierte, kurzweilige Tage in denen uns Theo galant durch die W├╝sten Salvador Dal├ş und Siloli kutschierte, w├Ąhrend wir auf der R├╝ckbank vergn├╝gt quietschend ├╝ber Gott, die Welt und mehr plauderten. Ein Hoch auf „Team Theo“!!!┬áDanke, M├Ądels, ihr ward Spitze! ­čśŹ­čśé

Bald fiel uns auf, dass Theos Auto kein GPS hatte. Wir gingen in der logischen Konsequenz davon aus, dass der vorderste Wagen des Konvois mit einem entsprechenden Instrument ausgestattet war. Doch Theo verneinte. Man orientiere sich hier einzig und allein am Horizont. Wow!

Der Weg ist das Ziel…

Theos Landcruiser war das Montagsauto des Konvois. Der Wagen kr├Ąnkelte und musste w├Ąhrend der Tour mitten in der W├╝ste mehrmals ├╝berbr├╝ckt oder improvisiert repariert werden. Sogar ein Ausbau der Batterie war mit dabei.

Auto-Reparatur in der W├╝ste
Theos Auto musste auf der Tour mehrmals improvisiert repariert werden. (Foto: A. Arnold)

Ich bewunderte die mechanischen F├Ąhigkeiten und das Improvisationsgeschick der bolivianischen Jungs. Man h├Ątte fast den Verdacht sch├Âpfen k├Ânnen, dass es nicht das erste Mal war, dass sie sich solcher Tricks bedienen mussten┬á­čĄö

Das Auto wird in der W├╝ste aufgetankt.

So geht Tanken in der W├╝ste ­čśë (Foto: E. Arnold)

Die Lagunen des Altiplanos: Same same but different…

Der Weg f├╝hrte von einer Lagune zur n├Ąchsten: Laguna Verde, Laguna Blanca, Laguna Colorada und wie sie alle hiessen. Jede ist sch├Ân und auf ihre Weise einzigartig. Immer wieder unternahmen wir in dieser wundervollen Gegend des Altiplanos kleine Wanderungen.

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(Foto: E. Arnold)
Wanderung Altiplano
(Foto: N. Horni)

Wir befanden uns stets auf rund 4’000 Metern ├╝ber Meer und gelangten selbst bei flachen Etappen ausser Atem. Und wenn uns nicht die d├╝nne Luft den Atem raubte, dann diese unglaublich farbenpr├Ąchtigen Lagunenlandschaften.

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Die rote F├Ąrbung ist einer speziellen Algenart zu verdanken, die sich bei tiefem Wasserstand besonders ├╝ppig ausbreitet. In diesen roten Algen tummeln sich Millionen von kleinen Krebsen, die ebenfalls dieses Karotinoid, diesen rot f├Ąrbenden Stoff enthalten. Und nun ratet mal, warum die Flamingos, die sich in der Lagune zu Hauf versammeln ausgerechnet einen r├Âtlichen Teint haben? Wie heisst es doch so treffend: man ist, was man isst.┬á

Flamingos
Flamingos an der Laguna Colorada (Foto: N. Horni)

Leider hatten wir bei den Thermalquellen „Termas de Polques“ unsere Badehose nicht griffbereit, weshalb wir die Planscherei hier verpassten. Ein Grund mehr, sp├Ąter in diesem Leben nochmals hier vorbei zu schauen.┬á

Termas de Polques
Termas de Polques.

Geysir Sol de Ma├▒ana ­čîő

Schliesslich erreichten wir den Geysir Sol de Ma├▒ana┬á(Morgensonne).┬á Nach dem eindr├╝cklichen Erlebnis bei den Geysiren des El Tatio vor ein paar Tagen (mehr dazu hier) hatten wir nun eine konkrete Vorstellung was uns in einem Geysirfeld erwarten k├Ânnte. Und siehe da: auch hier blubberte und dampfte es ├╝berall aus dem Erdboden. Und trotzdem war es komplett anders – same same but different.┬á

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Es war ein intensiver Tag. Der „Arbol de Piedra“ war die letzte Station auf unserer Tages-Todo-Liste.┬á ┬á

Arbol de Piedra (Baum aus Stein)
Arbol de Piedra (Baum aus Stein)

Es sei nun nicht mehr weit bis zum Hotel, hiess es. Irgendwie konnte ich noch gar nicht glauben, dass wir ├╝berhaupt jemals wieder auf Zivilisation treffen w├╝rden.┬áDoch dann tauchte pl├Âtzlich – aus dem Nichts – das Tayka del Desierto auf. Eine Oase mitten in der W├╝ste, auf 4’600 Metern ├╝ber Meer.┬á

Tayka del Desierto
Das Hotel Tayka del Desierto mitten in der W├╝ste auf 4’600 Metern ├╝ber Meer

Der Sternenhimmel hier draussen, fernab von jeglicher st├Ądtischer Lichtverschmutzung, ist schlicht grandios. Das Tayka del Desierto ist insofern also nicht etwa ein drei- oder vier-, sondern ein Millionen-Stern-Hotel.┬á

Es war die h├Âchst gelegene ├ťbernachtung auf der ganzen Tour und in meinem ganzen bisherigen Leben. Wir reden hier – notabene – vom H├Âhenniveau des Matterhorns.

Tayka del desiertoBlick aus dem Zimmerfenster des Hotels Tayka del desierto.

Ich war gespannt, wie es sich anf├╝hlen w├╝rde, auf dieser H├Âhe zu schlafen. Und ja, es f├╝hlte sich an. Und wie, herrje! Die ganze Nacht ├╝ber plagte mich ein starker stechender Kopfschmerz. An Schlaf war kaum zu denken. Besonders heftig war der Schmerz, wenn ich mich in meinem Bett von einer Seite auf die andere drehte. Also beschloss ich, mich m├Âglichst nicht zu bewegen, was eine Verkrampfung der gesamten Schulter- und Nackenmuskulatur zur Folge hatte. Aber genug gejammert! Es war eine wahnsinnig eindr├╝ckliche Erfahrung, die ich nicht missen m├Âchte.┬á

Salar de Uyuni ÔÇôÔÇô Dreaming for a White Xmas ­čÄä

Mein pers├Ânliches Highlight der Reise war der Salar de Uyuni. Mit einer Fl├Ąche von sagenhaften 10’000 Quadratkilometern (dies entspricht einem Viertel der Fl├Ąche der Schweiz) ist er der gr├Âsste Salzsee der Welt.┬á

Im Salar wird das weltweit gr├Âsste Lithium-Vorkommen vermutet. Aus Lithiumkarbonat lassen sich besonders leistungsstarke Batterien herstellen, die beispielsweise in Elektroautos eingesetzt werden. Damit hat der Rohstoff insbesondere in der Automobilindustrie ein enormes Potenzial und wird daher auch „weisses ├ľl“ oder „weisses Gold“ genannt. Bolivien, allen voran Evo Morales, erhofft sich durch den Abbau von Lithium den ersten nachhaltigen Aufschwung f├╝r sein Land und erkl├Ąrte den Rohstoff zur strategischen Ressource. Welche Konsequenzen der gross angelegte Lithium-Abbau auf die einzigartige Salzw├╝ste haben wird, l├Ąsst sich heute nur erahnen.┬á┬á

Mitten im See befindet sich die Insel „Inca Huasi“. Markenzeichen der Insel sind ihre riesigen Kakteen. Es sind vier, f├╝nf, sechs und sogar ├╝ber acht Meter hohe Giganten. Ein Kaktus w├Ąchst pro Jahr nur gerade 1 Zentimeter. Die stacheligen Kumpels hier haben also bereits Jahrhunderte auf dem Buckel. WAHNSINN!!!

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Was f├╝r ein Prachtsding! Und der Kaktus ist auch nicht ohne, ey…

Positiv überrascht hat mich, wie locker man sich auf dem See und auf der Insel bewegen konnte. Aus anderen Destinationen ist man sich ja gewohnt, als Tourist an jeder Ecke in die Schranken gewiesen zu werden, aber hier am Salar de Uyuni war alles herrlich entspannt. 

Salar de Uyuni
Unsere 4WDs mitten im Salar de Uyuni

W├Ąhrend wir die Insel erkundeten, bereitete unsere Crew den Lunch zu. Angek├╝ndigt wurde ein „Picknick auf dem Salar“. Na ja, ein ziemlich vornehmes Picknick, finde ich ­čśé

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Die gammligen Plastikstühle und Tische wurden kurzerhand mit schicken Stoffen überzogen. Das Leben kann so einfach sein.  

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Zum kr├Ânenden Abschluss des tollen Tages in der Salzw├╝ste stand uns eine ├ťbernachtung in einem Salzhotel bevor. Salz war hier das ├╝berwiegende Material der Bausubstanz und die G├Ąnge waren nicht etwa mit Steinplatten oder Teppich belegt, sondern mit Zentimeter dickem Salz-Kies. F├╝r einmal waren Rollkoffer-Piloten klar im Nachteil und der Gep├Ąckjunge wurde hier nur allzu gerne in Anspruch genommen. F├╝r den Gang zur Lobby oder dem Restaurant mussten Flipflops f├╝r einmal den w├Ąhrschaften Wanderstiefeln weichen.┬á

Salzhotel
Nicht nur der Boden, auch die Couches sind hier ├╝brigens aus Salz.

Potos├ş: einst die gr├Âsste Stadt der Welt

Nach der ├╝berw├Ąltigenden Zeit in der Salzw├╝ste am Salar de Uyuni nahmen wir Kurs auf Potos├ş. Die Silberminenstadt war im 17. Jahrhundert die gr├Âsste und reichste Stadt der Welt. Das ist lange her, sehr lange. Das Leben wird hier auch heute noch von den Minen am Cerro Rico, dem „reichen Berg“, gepr├Ągt, aber die Umst├Ąnde haben sich dramatisch ver├Ąndert. Nichts ist hier mehr, wie es mal war.
Wir blieben eine Nacht in Potos├ş und nahmen am n├Ąchsten Tag Sucre, die Hauptstadt Boliviens ins Visier.┬á┬á

Spieglein, Spieglein an der Wand…┬á

… wer ist die Sch├Ânste im ganzen Land? fragte Potos├ş und der Spiegel antwortete:“du warst lange Zeit die Sch├Ânste und Reichste, aber heute ist Schneewittchen, ├╝ber den sieben Bergen bei den sieben Zwergen (Anmerkung: die Bolivianer sind aber auch klein, ey!) tausendmal sch├Âner als du.
Ich mochte das zauberhaft weisse Schneewittchen (auch bekannt unter dem etwas phantasielosen Namen „Sucre“) auf Anhieb ÔŁĄ´ŞĆ

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Titicacasee

Von Sucre ging es schliesslich per Inlandflug nach El Alto und von dort weiter zum ber├╝hmten Titicacasee, dem h├Âchst gelegenen schiffbaren See der Welt.┬áEs w├Ąre keine Trekking-Reise, wenn wir hier nicht durch diese malerische Kulisse gelatscht w├Ąren.┬á

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Fast wie am Titisee im Schwarzwald ­čśë

Die quirlige Rosemarie war an dem Tag unser lokaler Tour-Guide. Mit viel Charme und Humor f├╝hrte sie uns ├╝ber Stock und Stein und erz├Ąhlte uns viel ├╝ber Land und Leute und das Leben am Titicacasee. Mich pers├Ânlich beeindruckten ja Rosemaries Wanderschuhe am meisten┬á­čĹá ­čśé

Seilbahn-Paradies La Paz 

Ich hatte im Vorfeld gelesen, dass es in der Stadt La Paz Seilbahnen geben soll, hatte mir aber keine M├╝he gemacht, weitere Hintergr├╝nde dazu in Erfahrung zu bringen. Hand auf’s Herz: wenn uns Schweizern nach Luftseilbahn fahren zumute ist, brauchen wir daf├╝r nicht um die halbe Welt zu reisen. Entsprechend erwartungslos traf ich in La Paz ein. Doch letztlich war es genau dieses grandiose Seilbahn-Netz, das mich hier am allermeisten beeindruckte. Als ├Âffentliches Verkehrsmittel verbindet es das dicht bebaute La Paz mit der Industriestadt El Alto, wo sich auch der Flughafen befindet.┬á

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Die erste Linie wurde im Mai 2014 in Betrieb genommen. Im Jahre 2020 soll das Seilbahnnetz mit ├╝ber 30 Kilometern abgeschlossen sein.
Das zukunftstr├Ąchtige Projekt tr├Ągt ganz klar die Handschrift von Evo Morales. Als Bauherr wurde die ├Âsterreichische Firma Doppelmayr verpflichtet. Die Gondeln stammen – zumindest teilweise – aus der Schweiz. Wer hat’s erfunden? ­čśë┬á

¡Hasta luego, Altiplano! 

In La Paz endete unsere zweiw├Âchige Trekking-Tour durch den Altiplano. Von nun an ging es abw├Ąrts. Von La Paz auf rund 4’000 Metern f├╝hrte mich meine Heimreise in einer ersten Etappe nach Lima (Peru) auf gut 100 Metern.

In Lima erlebte ich ├╝brigens einen ├Ąusserst am├╝santen Zwischenstopp: Mein Stop-Over bei den Sch├Ânen und Reichen in Lima┬áViel Spass bei der Lekt├╝re!┬á

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Atacama-Trekking: d├╝nne Luft, fette Panoramen

Eines gleich vorweg: der Adrenalinkick, den mir meine pannenreiche Anreise zum Flughafen Z├╝rich beschert hatte, wurde w├Ąhrend der gesamten Trekking-Tour in den Anden nicht mehr getoppt.

Just in dem Moment, als ich den letzten Task auf meiner Abreise-Checkliste abgehakt hatte, erreichte mich an jenem Nachmittag n├Ąmlich die Nachricht ├╝ber eine St├Ârung im Schweizer Schienenverkehr. Es m├╝sse mit Zugausf├Ąllen und Versp├Ątungen gerechnet werden, hiess es. Da ich sowieso startklar war, entschied ich, bereits ein knappes St├╝ndchen fr├╝her als vorgesehen, zum Flughafen aufzubrechen. Als ich die Menschenmassen und das wirre Treiben auf dem Bahnhof erblickte, wusste ich, dass die Entscheidung klug war.

Normalerweise┬á dauert die Fahrt zum Flughafen vierzig Minuten. Doch diesmal hatte ich es in vierzig Minuten gerade mal bis ins Epizentrum des totalen Kollaps geschafft – mitten drin, statt nur dabei, ey! Nach dramatischen ├╝ber 2,5 Stunden, in denen ich viel Kampfgeist und Improvisationstalent bewies, erreichte ich das Checkin gerade mal zehn Minuten vor dessen Schliessung. Das war knapp, puhh.

Die restlichen knapp 12’000 km meiner Reise nach Santiago de Chile verliefen – im Vergleich zu diesen ersten 40 km – dann gl├╝cklicherweise herrlich entspannt.

Die Reise im ├ťberblick

Ich habe dr├╝ben bei GoogleMaps die wichtigsten Stationen und Highlights des gesamten Trips erfasst. In diesem ersten Blogpost beschr├Ąnke ich mich auf den Chile-Teil. Im n├Ąchsten Bericht kn├Âpfe ich mir Bolivien vor.

Ausgangs- und Besammlungspunkt f├╝r die Tour war Santiago de Chile. Dort traf ich auf die restlichen 14 Gruppenmitglieder.

Bereits am n├Ąchsten Tag verliessen wir die Hauptstadt Chiles und flogen nach Calama im n├Ârdlichen Drittel des ├╝ber 4000 km langen Landes.

Eine sch├Âne W├╝ste┬á­čĆť´ŞĆ

Die ├ťberschrift h├Ârt sich im ersten Moment vielleicht nach einem Widerspruch an. Kann denn eine W├╝ste sch├Ân sein? Oh ja, sie kann!

Salar de Talar, Atacama
Salar de Talar, einer der Salzseen in der Atacama-W├╝ste

Seit vielen, vielen Jahren faszinieren mich W├╝stenlandschaften. Nach dem Outback, der Namib, der Kalahari, der Karoo und wie sie alle hiessen, konnte ich es kaum erwarten, endlich die Atacama, die trockenste W├╝ste der Welt, zu erkunden. An gewissen Orten ist hier bereits seit Jahrzehnten kein Regen mehr gefallen. Sogar im Death Valley f├Ąllt f├╝nfzig Mal mehr Regen. Im Westen verhindert der Humboldtstrom an der Pazifikk├╝ste die Bildung von Regenwolken und im Osten/Nordosten schafft es die feuchte Luft aus dem Amazonasbecken partout nicht ├╝ber die Andenkette. Na ja, ein bisschen in Schutz nehmen muss ich die feuchte Luft jetzt schon. Es ist tats├Ąchlich nicht ganz einfach, auf, geschweige denn ├╝ber diese F├╝nf- und Sechstausender zu kommen, wie ich noch am eigenen Leib erfahren sollte – aber dazu dann sp├Ąter.

Valle de la Luna┬á­čîÖ

Nach dem Bezug unseres Hotels in San Pedro, der W├╝sten-Hauptstadt, ging es direkt ins Valle de la Luna weiter. Hier stand uns am sp├Ąteren Nachmittag eine Wanderung durch die bizarre Mondlandschaft bevor.

Nat├╝rlich waren wir hier nicht die einzigen wanderlustigen Gesch├Âpfe:

Wanderer im Valle de la luna, Atacama
Das Wandern durch das Valle de la Luna war nicht nur unser einer Lust…

Zur Abendd├Ąmmerung greift Mutter Natur hier besonders tief in die Trickkiste und zaubert ein herrliches Farbenspektakel ins Tal. W├Ąhrend wir diese einmalige Stimmung ehrf├╝rchtig in uns aufsogen, ├╝berraschten uns unsere Guides mit einem tollen Sundowner-Ap├ęro.

Sundowner im Valle de la Luna, Atacama
Farbenpr├Ąchtige Abendstimmung im Valle de la Luna, Atacama

Salzseen und Lagunen

Die ersten drei Tage in der Atacama dienten der Akklimatisierung und so beschnupperten wir die liebliche, andinische H├╝gellandschaft bei San Pedro von angenehmem S├Ąntis-Niveau aus. Als geb├╝rtige Ostschweizerin kommt mir zum H├Âhen-Niveau um die 2’500 Meter spontan der S├Ąntis in den Sinn – ich bitte um Nachsicht!

Im Zuge diverser Ausfl├╝ge stiessen wir tags├╝ber immer mal wieder in h├Âhere Gefilde vor und unternahmen hier jeweils kurze Wanderungen. Es ist wichtig, den K├Ârper langsam und h├Ąppchenweise an die H├Âhe zu gew├Âhnen. „Hoch steigen, tief schlafen“, raten die Experten von┬áBergwelten.

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Mal Hand aufs Herz, wenn von Sechstausendern die Rede ist, b├Ąumen sich einem vor dem geistigen Auge doch gleich mal gigangtische Felss├Ąulen auf, oder etwa nicht? Ich jedenfalls konnte es gar nicht richtig glauben, dass diese lieblichen H├╝gelchen tats├Ąchlich die Anden sein sollten. Wenn man dann aber bedenkt, dass man sich beim Betrachten der H├╝gelchen selbst auf einer stolzen H├Âhe befindet, relativiert sich das Ganze nat├╝rlich.

Toller Blick auf den Salar de Talar - und ein paar nette Gruppen-Gsp├Ąnli :-)
Toller Blick auf den Salar de Talar, einige F├╝nf-oder Sechstausender und ein paar nette Gruppen-Gsp├Ąnli, die sich hier gerade von ihrer besten Seite zeigen ­čÖé

Fast wie bei uns im Jura… ­čÖé

Die Geysire des El Tatio┬á­čîő

Am n├Ąchsten Tag brachen wir bereits um 5.00 Uhr auf zu den Geysiren des El Tatio auf knapp 4’500 Metern. Es ist das h├Âchst gelegene Geysirefeld der Welt.

Das Thermometer zeigte bei unserer Ankunft unglaubliche minus 13 Grad an, entsprechend warm hatten wir uns f├╝r diese morgendliche Exkursion eingepackt. Wer das Font├Ąnen-Spektakel am El Tatio sehen m├Âchte, muss unbedingt vor Sonnenaufgang vor Ort sein.┬áErstens ist das Naturschauspiel mit den ersten Sonnenstrahlen am eindr├╝cklichsten und zweitens ist der Spuk mit zunehmender Temperatur dann rasch vorbei.

Die Szenerie am El Tatio ist faszinierend. ├ťberall blubbert und dampft es aus dem Erdboden und es liegt ein beissender Schwefelgeruch in der Luft. In mir wurden sofort Erinnerungen an den gigantischen Yellowstone-Nationalpark, an die Kanaren und last but not least an┬áIsland┬áwach. Im Gegensatz zu jenen Destinationen blubbert es im Geysirefeld von El Tatio, aufgrund der exklusiven H├Âhenlage, jedoch bereits ab ca 85 Grad Celsius und nicht erst bei 100 Grad.

Mit dem Anstieg der Temperatur ziehen sich die Geysire wieder in ihre L├Âcher zur├╝ck und blubbern entspannt dem n├Ąchsten Morgen entgegen.

Die Geysire verstummten, daf├╝r knurrten nun unsere M├Ągen. Im Nu hatte unsere Crew ein reichhaltiges Fr├╝hst├╝cksbuffet herbeigezaubert. Ein tolles Erlebnis, mitten in dieser einzigartigen Kulisse und mit dem wundervollen Geruch von faulen Eiern in der Nase feudal zu brunchen. (Ironie beiseite: es war wirklich toll! ­čśÇ)

Eigentlich h├Ątte sich hier jeder sein Fr├╝hst├╝cks-Ei selbst bis zur gew├╝nschten H├Ąrte zubereiten k├Ânnen. Kochendes Wasser h├Ątte es ja gen├╝gend. Allerdings bezweifle ich, ob rohe Eier den Transport auf der holprigen Zufahrtspiste am fr├╝hen Morgen ├╝berlebt h├Ątten.

Je d├╝nner die Luft, desto fetter das Panorama

Am vierten und letzten Tag in der Atacama-W├╝ste stand uns schliesslich noch die K├Ânigsdisziplin bevor: die Besteigung des Cerro Toco, dessen Gipfel sich auf sagenhaften 5’616 Metern ├╝ber Meer befindet. Wir starteten unsere Wanderung auf ca. 5’000 Metern.

Solange ich im Auto sass, merkte ich rein gar nichts von der H├Âhe. Doch mit der ersten hastigen Bewegung beim Verlassen des Autos war mein innerer Schiedsrichter sofort zur Stelle. „Foul!“, schrie er. Dann z├╝ckte er mit einem s├╝ffisanten Grinsen die gelbe Karte aus seiner Brusttasche und verwarnte mich gleich mal mit einem kurzen aber heftigen Stich durch die gesamte Sch├Ądeldecke – autsch!┬á

Nach dieser ersten, schmerzhaften Lektion, ging ich alles weitere dann automatisch einen Tick langsamer an und setzte achtsam – stets in Kontakt mit meinem inneren Schiedsrichter – einen Fuss vor den anderen.

Ich halte hier an Position 5 tapfer mit…┬á (Foto: F. Fischer)

Pausen sind wichtig und der Orangensaft aus der Lunch-Box wird zum willkommenen Zuckerlieferant.┬áPrim├Ąr aus Interesse und weniger aus akutem Anlass, liessen wir hier auch unseren pers├Ânlichen Sauerstoffwert bestimmen.

┬źDer Sauerstoffgehalt in der Luft betr├Ągt in jeder H├Âhe 21%. Durch abnehmenden Luftdruck steht dem K├Ârper auf ├╝ber 8.000 m aber nur noch ein Drittel des Sauerstoffs auf Meeresh├Âhe zur Verf├╝gung.┬áDas erkl├Ąrt, warum die allermeisten H├Âhenbergsteiger auf k├╝nstlichen Sauerstoff zur├╝ckgreifen.┬╗

(Quelle: Bergwelten.com)

Ich fand die Erfahrung, wie mein eigener K├Ârper (und mein innerer Schiedsrichter) sich mit diesen ungew├Âhnlichen Gegebenheiten arrangierte, extrem spannend. Und, wie soll ich sagen, wir waren ein verdammt starkes Team: mein K├Ârper, der Schiedsrichter und ich. Und ja, nat├╝rlich schwang eine grosse Portion Dankbarkeit mit, als ich oben auf dem Gipfel des Cerro Toco – auf sage und schreibe 5’616 Metern ├╝ber Meer – die H├Ąnde zum Himmel warf und ein stolzes ┬íCaramba! in die d├╝nne Andenluft schrie.

Ich winke hier von 5616 Metern ├╝ber Meer.
GESCHAFFT!!! Ich winke hier von 5616 Metern ├╝ber Meer.

Das Panorama vom Gipfel des Cerro Toco ist atemberaubend sch├Ân.

Die Luft ist d├╝nn, daf├╝r das Panorama umso fetter!

Nach diesem H├Âhenflug ging es zur├╝ck nach San Pedro und damit buchst├Ąblich nur noch bergab – bis S├Ąntis-Niveau eben┬á­čśë

Der Rest des Tages stand zur freien Verf├╝gung. Ich nutzte die Zeit f├╝r einen Spaziergang durch die staubigen Gassen San Pedros.

Am n├Ąchsten Morgen hiess es bereits Abschied nehmen von der wundervollen Atacama-W├╝ste. Irgendwie werde ich das Gef├╝hl nicht los, dass ich hier nicht zum letzten Mal war…

Mein uneingeschr├Ąnktes Fazit zur Atacama-W├╝ste:

Oh ja, das ATACAMA schon so machen,
aber dann bleibt es halt
auf immer und ewig im Herzen!┬áÔŁĄ´ŞĆ

P.S. w├Ąhrend ihr diese Zeile lest, versammeln sich in meinem Kopf bereits die Puzzle-Teile f├╝r die Fortsetzung dieser Blogserie. In diesem Sinne: dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich – wir lesen uns dr├╝ben in Bolivien!

P.P.S. als ├ťberbr├╝ckung kann ich┬ádiese Anekdote aus Lima offerieren ­čĄá

┬íHasta luego, amigos! ­čÖé