Nicht HĂ€nsel, nicht Gretel, sondern Doedel verirrte sich im Wald…

Es war ein wundervoller Tag im KrĂŒger Nationalpark. Wir hatten GlĂŒck und konnten uns tags zuvor gerade noch den allerletzten Platz in Skukuza, dem grössten Camp im Park, sichern. Das riesige Areal mit seiner grosszĂŒgigen Infrastruktur inmitten des Nationalparks hat viele Vorteile, Orientierungsbanausen wie mich stellt es aber auf eine harte Probe, wie ich am eigenen Leib erfahren sollte. Aber alles der Reihe nach.

Wir erreichten das Camp am spĂ€ten Nachmittag und platzierten Guschti, unseren Camper, auf einem der wenigen noch nicht besetzten Quadratmetern. Es gab hier keine klar definierten, nummerierten PlĂ€tze, ergo gab es kein Richtig oder Falsch, wie man sein Vehikel parkte. Alles schien hier herrlich unkompliziert zu sein, das gefiel uns. Das reichlich chaotisch anmutende, emsige Treiben auf dem Campingplatz erinnerte mich an mein Wimmelbuch, mit dem ich mich in den frĂŒhen Jahren meiner Kindheit stundenlang verweilen konnte, weil es auf jeder einzelnen Seite so vieles zu entdecken gab. Mitten in dieser Wimmelbuch-Szenerie im legendĂ€ren KrĂŒger Nationalpark klappten wir schliesslich unsere Dachzelte auf.

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Symbolbild. Das Bild stammt nicht aus dem besagten Skukuza-Camp im KrĂŒger Nationalpark. Man stelle sich bitte mehr – deutlich mehr(!) – Betrieb drumherum vor… 😉

Neben uns hatte sich eine alleinreisende junge Frau mit ihrem Opel Corsa und einem Minizelt eingerichtet. Wie um alles in der Welt kann man sich den KrĂŒger-Nationalpark mit Corsa und Minizelt antun? fragte ich mich insgeheim, hielt aber beim kurzen BegrĂŒssungs-Smalltalk diplomatisch die Klappe. Es ging mich nichts an. Punkt.
Dass mir genau dieser Corsa und genau dieses Minizelt am gleichen Abend noch den Kragen retten wĂŒrden, ahnte ich zu jenem Zeitpunkt noch nicht.

Der Safari-Tag war heiss und staubig. Nun hiess es erst mal ab unter die Dusche. Die sanitĂ€ren Einrichtungen befanden sich ein gutes StĂŒck von unserem Stellplatz entfernt. Meine Freundin und ich schnappten also Bade-Ente & Co. und machten uns auf den Weg einmal quer durch den Campingplatz zum Dusch-Block. Nina war wie immer ruckzuck fertig mit ihrer Toilette und rief mir ein „ich gehe schon mal vor und bereite den ApĂ©ro zu“ durch die lottrige TĂŒre meiner Duschkabine zu. „Alles klar, bis gleich“, rief ich.

Als ich vielleicht zehn Minuten nach meiner Freundin den Dusch-Block verliess, stellte ich fest, dass bereits die Nacht ĂŒber Skukuza hereingebrochen war. Aufgrund der geringen Entfernung zum Äquator bricht die Dunkelheit im sĂŒdlichen Afrika wesentlich rascher herein, als wir EuropĂ€er es uns von unseren Breitengraden gewohnt sind. Keine halbe Stunde dauert hier nĂ€mlich die DĂ€mmerung. Ich hĂ€tte es so langsam aber sicher wirklich wissen mĂŒssen, doch diese Tatsache verblĂŒffte mich wĂ€hrend der ganzen Reise tĂ€glich aufs Neue. Langer Rede, kurzer Sinn, Fakt ist, dass es zum Zeitpunkt als wir unseren Guschti verlassen hatten und zu den wohltuenden Duschen aufgebrochen waren, noch hell war und jetzt war es dunkel. Stockdunkel.
An jeder Ecke brannten nun kleine oder grössere Lagerfeuer. Sie verliehen dem Camp einen komplett neuen Touch. Beim Hinweg war ich einfach neben Nina hergetrottelt. Klar hatte ich mir einige mir relevant erscheinenden Punkte an Weggabelungen zu merken versucht. Doch all diese BemĂŒhungen bei Tageslicht waren nun bei Nacht fĂŒr die Katze!
Wie ein ausgesetzter Dackel irrte ich in der Folge durch das Stellplatz-Labyrinth. Ohne Erfolg. Im Gegenteil. Je lĂ€nger ich herumirrte, desto mehr verblassten selbst die letzten Anhaltspunkte in meiner Erinnerung, desto mehr verwirrten mich all die Lichter, die da vorhin noch nicht waren, desto mehr Ă€rgerte ich mich ĂŒber meinen wirklichwirklichwirklich schlechten Orientierungssinn.
WĂ€ren die StellplĂ€tze wenigstens nummeriert gewesen, dann hĂ€tte ich mich durchfragen können.  Und hĂ€tte ich mein Telefon dabei gehabt, hĂ€tte ich Nina anrufen und um Hilfe bitten können. WĂ€re. HĂ€tte. WĂŒrde. Herrje!

Als ich zum wiederholten Mal an der einen Kreuzung vorbeikam, hielt mich das Ă€ltere Ehepaar von der Eck-Parzelle auf. Ob ich etwas Bestimmtes suchen wĂŒrde, wollten sie wissen. „Ja, allerdings“, erwiderte ich höflich und mit verzweifeltem Unterton in der Stimme, „meinen Camper. Ich suche meinen Camper. Er muss hier irgendwo sein.“ Die Situation war mir peinlich, keine Frage. Ich hĂ€tte auf der Stelle im staubigen Erdboden versinken können.
Was fĂŒr ein Camper es denn genau sei, erkundigte sich der sympathische Herr.
„Ein weisser Toyota Hilux“, erwiderte ich, wohlwissend, dass uns diese Information keinen Deut weiterbringen wĂŒrde. Immerhin waren gefĂŒhlt 90% der Autos auf dem Skukuza-Camp weisse Toyota Hilux.
Nach einer Weile stiess ein weiterer PensionÀr zu uns und blickte fragend in unsere aufgebracht gestikulierende Gruppe.
„Das Girl hier hat sich verirrt und findet nicht mehr zu ihrem Camper zurĂŒck!“, brachte die Ă€ltere Dame das Dilemma fadengerade auf den Punkt.
„Oh dear“, murmelte der Neu-Ankömmling voller Anteilnahme. Er musterte mich von Kopf bis Fuss und fĂŒgte dann stirnrunzelnd hinzu:“Dich kenne ich doch? Du bist doch die grosse Lady mit dem winzigen Zelt? Ich frage mich die ganze Zeit, wie du da bloss reinpasst?!“
„NEIN!“, schrie ich. Der Schrei war eine Mischung aus EntrĂŒstung, dass man mir einen solchen Reisestil ĂŒberhaupt zutrauen konnte und aus Erleichterung ob dem Hoffnungsschimmer der sich aus der WortĂ€usserung sofort in mir entzĂŒndete. „Aber die Lady mit dem kleinen Zelt ist meine Nachbarin“, fĂŒgte ich sofort hinzu und erklĂ€rte, dass ich von dem winzigen Zelt aus meinen eigenen Camper rasch finden wĂŒrde.
„Alles klar, Darling, dann bringe ich dich jetzt nach Hause“, schmunzelte der Opa, zwinkerte dem Ehepaar keck zu und bot mir seinen Arm an, damit ich mich ihm unterhaken konnte.

Nina wartete wie abgemacht mit dem ApĂ©ro auf mich. Und sie tat dies mittlerweile seit einer geschlagenen Stunde. Sie staunte nicht schlecht, als ich in charmanter, mĂ€nnlicher Begleitung um die Ecke bog 🙂

Übrigens: Leser, die diese Geschichte gelesen haben, haben auch den Artikel Roadtrip durch das sĂŒdliche Afrika gelesen 😉

Wie ich meinem Traum folgte und in Alboraya landete

Es ist noch keine vier Wochen her, als ich aus heiterem Himmel von Alboraya getrÀumt habe. Als mir der Traum am nÀchsten Morgen bei der ersten Tasse Kaffee wieder einfiel, zauberte er mir sofort ein LÀcheln ins Gesicht und ich fragte mich, was diese Eingebung wohl zu bedeuten hatte. War das vielleicht ein zarter Wink des Universums?

Fakt ist: vor exakt einem Jahr hatte ich wĂ€hrend meines Sprachaufenthalts in Valencia einen kurzen Blick auf Alboraya erhascht. Da ich einen Intensivkurs aus dem BoaLingua-Sortiment belegte, verbrachte ich einen grossen Teil meiner Zeit auf der Schulbank und schaffte es auf meiner Joggingrunde vor oder nach der Schule höchstens mal bis zum Strand Patacona, welcher im Norden fast nahtlos an Valencias imposanten Malvarrosa-Strand anknĂŒpft.
Mich verzĂŒckte die Gegend bei Patacona/Alboraya auf Anhieb. Das Ambiente war hier ein Tick entspannter, dezenter und schicker als weiter unten bei las Arenas. „Irgendwann“, so schwörte ich mir, „irgendwann schaue ich mir diese Ecke hier mal noch etwas genauer an!“

Man soll seine TrĂ€ume leben…

Und dieses „Irgendwann“ machte sich also nun, fast ein Jahr spĂ€ter in Form einer nĂ€chtlichen Eingebung bemerkbar. Der Gedanke, nach Alboraya zu reisen, fĂŒhlte sich spontan gut an. Dennoch liess ich ihn noch ein paar Tage auf mich wirken, bevor ich mir ĂŒber Flug und Unterkunft ernsthaft den Kopf zerbrach.
Bald stand mein Entschluss jedoch fest und ich suchte mir eine nette Airbnb-Unterkunft. Es durfte gerne was ruhiges sein, denn ich wollte die Zeit nutzen, um an meinem Buchprojekt mal wieder einen Schritt vorwĂ€rts zu kommen. Und dies wiederum schaffe ich am besten in einer ruhigen, inspirierenden Umgebung. Schliesslich entschied ich mich fĂŒr ein urbanes Beach-Apartment in Port Saplaya, Alboraya.

Port Saplaya – Romantik vom feinsten!

Port Saplaya, auch „klein Venedig“ genannt, ist ein wirklich schmucker Fleck.

Port Saplaya
Port Saplaya

Und ja, es erinnert tatsĂ€chlich an Venedig. Bis auf die BrĂŒcken; die fehlen hier nĂ€mlich komplett. Und so wird der Gang zum vielleicht 50 Meter Luftlinie entfernten Lieblingsrestaurant locker mal eben zu einem 15 minĂŒtigen romantischen Spaziergang, vorbei an dutzenden schicken Booten. Zur Verdauung dann natĂŒrlich dasselbe zurĂŒck. Aber hey! Man gönnt sich ja sonst nix! 😉

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Weniger ist manchmal Meer ❀

Einmal mehr habe ich auch mit meiner Airbnb-Wahl voll ins Schwarze getroffen. Mein Apartment ist einfach nur toll. Die Terrasse hat es mir besonders angetan. Hier esse, lese und schreibe ich oder starre einfach nur auf’s Meer hinaus und sauge die kostbare Energie in mir auf. Stundenlang wenn’s sein muss. Und wenn’s nicht sein muss, dann erst recht! 😉

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Aber das allerschrecklichste ĂŒberhaupt sind die SonnenaufgĂ€nge. Noch schrecklicher: ich muss dafĂŒr nicht mal aufstehen, sondern kann sie direkt vom Bett aus betrachten. ❀

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Ja, es war die richtige Entscheidung, meiner nÀchtlichen Eingebung zu folgen: AlboraJA, um genau zu sein!

Aletsch du mir am Tschööpli

Manchmal ĂŒberrasche ich mich mit meiner SpontaneitĂ€t selbst. Gestern war manchmal. 🙂

Eine Wanderung zum grossen Aletschgletscher hatte ich zwar schon lĂ€nger im Hinterkopf, direkt daneben lag jedoch stets der Beipackzettel mit unzĂ€hligen Wenn-und-Aber-Fragen und so dachte ich, dem Unterfangen wĂŒrde dann mal eine intensive Planungsphase vorausgehen. Doch als ich gestern Morgen aus meinem Dornröschenschlaf erwachte, drĂ€ngte sich der Hinterkopf-Gedanke in den Vordergrund und vermittelte mir das GefĂŒhl, dass heute ein guter Tag fĂŒr das Abenteuer Aletsch sei.

Ich startete also die Aletscharena-App, welche ich mir bereits vor einiger Zeit auf meinem Smartphone installiert hatte, wischte durch die prĂ€chtigen Webcam-Bilder und sagte mir:“Hey! Wenn nicht jetzt, wann dann?“
Nach einem abschliessenden Blick auf die Wetter-Prognosen ging schliesslich alles ganz schnell. Eine Stunde spÀter sass ich in kompletter Wandermontur im Zug.

Ich wusste, dass ich mindestens nach Brig im Kanton Wallis fahren musste. Die zwei Stunden Zugfahrt bis dorthin nutzte ich also, um den weiteren Verlauf des Tages zu skizzieren. Und so löste ich irgendwo zwischen dem Lötschbergtunnel und Brig das Anschluss-Ticket auf die Bettmeralp. Zuerst gings von Brig mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn bis Betten Talstation, wo bereits die Luftseilbahn auf uns – eine kunterbunt zusammengewĂŒrfelte kleine Wanderschar –  wartete.

Walliser Chalets vor dem Bettmerhorn
Idyllisch: Chalets auf der Bettmeralp. Im Hintergrund das Bettmerhorn

Kapelle Maria zum Schnee auf Bettmeralp, Wallis Schweiz

Von nun an gings hinauf: von der Bettmeralp (1950 m) via Bettmersee (2006 m) und Blausee (2207 m) bis zum berĂŒhmten ViewPoint Moosfluh (2333 m).

Pnoramakarte Aletscharena

Und dann stand ich fĂŒr einen, zwei oder sogar drei kostbare Augenblicke einfach mal nur da und sog jedes einzelne Detail dieses atemberaubend schönen Panoramas in mir auf – mit TrĂ€nen der RĂŒhrung in den Augen und einem GefĂŒhls-Cocktail aus Stolz, Patriotismus und tiefer Dankbarkeit.

ViewPoint Moosfluh beim grossen Aletschgletscher im Wallis/Schweiz
ViewPoint Moosfluh

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Nachdem ich mich im herzigen Moosfluh-Beizli mit Grillwurst und einem Suure Moscht gestĂ€rkt hatte, fĂŒhrte mich der Weg via Hohfluh (2227 m) durch den wunderschönen Aletschwald mit seinen uralten LĂ€rchen und Arven. SpĂ€testens hier lohnt es sich ĂŒbrigens definitiv, seinen Geruchsinn zu aktivieren – mmmmhhhhh!

Rastplatz im Aletschwald mit Blick auf den grossen Aletsch-Gletscher

Wanderer auf einem Wanderweg in der Aletscharena beim grossen Aletsch-Gletscher

Schon von weit oben sticht einem schliesslich die Villa Cassel auf der Riederfurka (2065 m) ins Auge. Die Villa beherbergt das Pro-Natura-Zentrum. Es gibt durchaus schlimmere „GeschĂ€ftssitze“ – wow! Das nĂ€chste Mal werde ich hier ein grosszĂŒgigeres Zeitfenster einplanen, versprochen! Hatte ich schon erwĂ€hnt, dass das gestern alles ziemlich spontan zustande kam? 😉

Blick auf die Villa Cassel in Riederfurka beim grossen Aletsch-Gletscher

Via Riederalp brachte mich der Herrenweg schliesslich zurĂŒck zum Ausgangspunkt auf der Bettmeralp. Zur Krönung dieses Bilderbuchtages fehlte nun nur noch eines: eine echte Walliser Röschti – et voilĂ  🙂

Walliser-Röschti

Meine Tweets zum gestrigen Bilderbuchtag findet ihr unter dem Hashtag #WALLISmirwertbin

 

Weitere BeitrÀge meiner Wanderungen

Bodensee und Alpstein: Wow-Garantie im Doppelpack

Rigi: Prinzessin trifft Königin der Berge

Giswilerstock: Wandere glĂŒcklich, wandere froh, Ă€lter wirst du sowieso


Wetten, dass?! Mit Thomas Gottschalk unterwegs

Island: Rendez-vous mit Feuer und Eis.

Seit meinem bombastischen Skandinavien-Trip im Jahre 2010 war fĂŒr mich sonnen- bzw. sogar mitternachtsonnenklar, dass ich irgendwann wieder zur Midsomar-Zeit in den hohen Norden reisen wĂŒrde. Zwar erinnere ich mich noch, wie mein Biorhythmus damals, nach den sechs Wikinger-Wochen, ziemlich aus den Fugen geraten war, aber daran war ich ja selbst schuld. Schliesslich hatte mich keiner gezwungen, nachts um 2 Uhr joggen zu gehen. Oder Spaghetti zu kochen. Oder die NĂ€chte, die eigentlich keine sind, weil die Sonne ĂŒber dem nördlichen Polarkreis im Sommer niemals untergeht, mit anderen AktivitĂ€ten zweckzuentfremden.

Dieses Jahr – nach verflixten sieben Jahren also – war die Zeit endlich reif, das Versprechen einzulösen. Am 17. Juni – dem islĂ€ndischen Nationalfeiertag, ĂŒbrigens – flog ich mit einem Freund auf die Insel im nördlichen Europa. Mein Freund wollte sich zu seinem runden Geburtstag  etwas besonderes gönnen. Und wenn man schon in der letzten Juni-Woche Geburtstag hat, was bitteschön sollte es da spezielleres geben, als den Tag bei 24-Stunden-Tageslicht voll auszukosten?

Mitternachtssonne bei Reykjavik, Island
Sonnenstand am 24.6. um 23.50 Uhr.

Wir hatten uns ein nettes Airbnb-Cottage mit eigenem SPA-Bereich (na ihr wisst schon: Whirlpool, Regendusche und so Kram halt) in Hveragerdi ausgesucht und um dorthin zu gelangen einen Mietwagen gebucht. Hand aufs Herz: etwas Bammel, dass mit dem Mietwagen alles klappte, hatten wir nach der Schenkelklopf-Geschichte von Lanzarote natĂŒrlich schon. ;-))) Aber Island war nun mal nicht Lanzarote und so klappte diesmal alles absolut komplikationslos!

Bananen, Tomaten, Erdbeeren und Co

Als wir in unserem Cottage ankamen, fiel mir als erstes die Fruchtschale auf dem Esstisch auf. Darin lagen drei Bananen. Ich hatte wirklich mit vielem gerechnet, aber bestimmt nicht mit Bananen zur BegrĂŒssung. Der Anblick war fĂŒr mich offenbar dermassen skurril, dass meine Gedanken immer wieder zu den Bananen abschweiften, wĂ€hrend Jacob uns durchs Cottage fĂŒhrte. Jacob war ein wahnsinnig sympathischer Mann aus dem die Ausflugs-Ideen und sonstige Tipps nur so heraussprudelten – er war wie so ein Geysir. Am liebsten hĂ€tten wir ihn fĂŒr den Rest der Woche bei uns behalten, doch Jacob hatte andere PlĂ€ne.

Am nĂ€chsten Morgen beim FrĂŒhstĂŒck schnappte ich mir eine Banane fĂŒr mein MĂŒesli und da erst viel mir das Etikett auf. Ich staunte nicht schlecht: es waren tatsĂ€chlich islĂ€ndische Bananen. Besser noch, die Bananen stammten aus Hveragerdi, also aus dem Dorf, in dem wir die kommenden Tage verbringen wĂŒrden. Ich habe schon viele Orte bereist und Bananenplantagen bestaunt. Es waren ausnahmslos tropische Orte mit feucht-warmem Klima. Wie zum Geier sollen hier in Island, wo das Thermometer selbst im Hochsommer grossmehrheitlich deutlich unter der 20-Gradmarke bleibt, also Bananen reifen? Wir beschlossen der Geschichte auf den Grund zu gehen und lernten bald, dass die IslĂ€nder nebst Bananen auch Erdbeeren und allerlei GemĂŒse wie Kartoffeln, Tomaten, Paprika, Brokkoli etc. in mit Geothermalenergie beheizten GewĂ€chshĂ€usern anbauten – wow!
Ein absolutes Muss ist unter diesen Voraussetzungen denn auch der Besuch der Farm Fridheimar. Die innovativen IslĂ€nder fĂŒhren hier tatsĂ€chlich in einem der GewĂ€chshĂ€user ein Restaurantbetrieb. Man sitzt mitten in den Tomatenstauden und bestellt (gefĂ€lligst!) den Klassiker: hausgemachte Fridheimar Tomatensuppe. Dazu werden frischer Basilikum, Sour Cream und köstliche Brotvariationen gereicht. Das Ganze Ă  discretion. Mmmhhh…

Heiss und Eis: Glescher und heisse Quellen

Ein weiterer Aspekt, der mich in Island total faszinierte, war das Zusammentreffen von kochendheissen, blubbernden „PfĂŒtzen“ und eiskaltem Gletscherwasser auf kleinstem Raum. Auf der einen Seite sind da die Geysire am Golden Circle. Auf der anderen Seite beeindrucken riesige Glescher und Gletscherseen, wie beispielsweise der JökulsĂĄrlĂłn.

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Kochend heisse PfĂŒtzen (hier am Golden Circle)…
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… vs. eisige Gletscherseen (hier: JökulsĂĄrlĂłn)

Im Tal Reykjaladur treffen die beiden Extreme – heiss und Eis – besonders imposant auf einander. Im Fluss, der durch das Tal fĂŒhrt, vermischt sich nĂ€mlich eine heisse Quelle mit Eiswasser, was einige Meter unterhalb der Gabelung in perfekter Badewannen-Temperatur von 38-40 Grad endet. Und so tauscht man hier liebend gerne seine warmen Wanderklamotten gegen den Badeanzug und chillt mal eine Runde (oder auch zwei) vor sich hin – einfach herrlich!

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BadevergnĂŒgen pur im Tal Reykjaladur
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Das Wandern ist des IslĂ€nders Lust…
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In meiner Badewanne bin ich KapitĂ€n… oder Schafhirt 😉

Fazit und weitere Impressionen aus Island

Mich hat Island schwer beeindruckt und ich schliesse nicht aus, irgendwann nochmals hierhin zurĂŒckzukehren. Vielleicht in den Wintermonaten zum Nordlicht-Spektakel. Nordlicht-Gucken steht schliesslich auf meiner Bucketlist.

Blick auf die Reynisdrangar Felsen bei VĂ­k, Island
Reynisdrangar bei VĂ­k
Puffins aka Papageientaucher in Island
Puffins.
Gletschersee in Island, Jökulsårlón
Bild mit Herz ❀
Blick auf den Gulfoss-Wasserfall am Golden Circle in Island
Gulfoss

Typische Landschaft am Golden Circle, Island

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Wie man Island hineinruft, so ruft es zurĂŒck.
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Earth Cooking.
Island: Landschaft dominiert von violetten Blumen
Die schönsten Pausen sind lila 😉

Blockhaus in Island

Blick durch den Wasserfall Seljalandsfoss in Island
Seljalandsfoss: Mitten drin statt nur dabei…

Rigi: Prinzessin trifft Königin der Berge

Zum Nationalfeiertag, dem 1. August, mische ich mich gerne unter das patriotische Schweizer-Volk. So unternahm ich letztes Jahr beispielsweise eine interessante Sightseeing-Tour durch die wunderschöne Landeshauptstadt Bern. Dieses Jahr gönnte ich mir einen herrlichen Wandertag auf der Königin der Berge, der Rigi.

1.-August-Feeling pur auf der Rigi: Höhenfeuer und Alphörner

Mit Zug und Bus reiste ich am Morgen nach Vitznau am VierwaldstÀttersee. Von hier gings mit der Àltesten Zahnradbahn der Welt hinauf nach Rigi Kaltbad.

Nostalgische Rigi-Dampflok-Bahn beim letzten Anstieg vor Rigi Kulm.

 

Von hier aus folgte ich dem Wanderwegweiser zum „ChĂ€nzeli“, wo ich das gewaltige Panorama ĂŒber den VierwaldstĂ€ttersee, den BĂŒrgenstock, den Pilatus, das Stanserhorn und auf die Stadt Luzern genoss.
Am Horizont erkennt man die grossen Stars der Schweizer Alpen – unter anderem Mönch, Eiger und Jungfrau (ja, in dieser Reihenfolge). Es gibt bestimmt Tage, an denen die Fernsicht besser ist, aber man kriegt auch an relativ dunstigen Tagen wie gestern einen tollen Eindruck von dieser atemberaubenden Kulisse. Man sieht von hier ĂŒbrigens auch den Giswilerstock, den ich nur wenige Tage zuvor bestieg (mehr dazu im Bericht Wandere glĂŒcklich, wandere froh, Ă€lter wirst du sowieso
).

Nachdem ich mich satt gesehen hatte (obschon man sich hier eigentlich gar nicht sattsehen kann) gings hinauf nach Rigi Staffel und Rigi Kulm (1797m). Auch von hier ist die Aussicht traumhaft. Bei guter Sicht soll man hier ĂŒber „meinen“ Kanton Aargau hinweg bis in den Schwarzwald sehen können.
Nordöstlich erkennt man von hier den Ägerisee, mit dem ich ja ebenfalls erst kĂŒrzlich Bekanntschaft geschlossen hatte (mehr dazu im Bericht Wetten, dass?! Mit Thomas Gottschalk unterwegs).

Der Wanderweg fĂŒhrte mich nun durch Kuhweiden hindurch hinunter zur SchochenhĂŒtte. Treue Begleiter sind hier auf der ganzen Strecke die GebrĂŒder Mythen.

Und die KĂŒhe muhten vor den Mythen 😉

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VoilĂ : die Kuhfirsten :-)) Im Hintergrund der grosse und der kleine Mythen.

Via Klösterli gings schliesslich zurĂŒck nach Rigi Kaltbad, wo ich mir zwar kein kaltes Bad, dafĂŒr einen kalten „suure Moscht“ gönnte, bevor mich die Zahnradbahn wieder sicher ins Tal hinunter beförderte.

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Eigentlich hatte ich geplant, den Heimweg von Vitznau aus per Schiff via Luzern anzutreten. Da jedoch der Himmel von Minute zu Minute dunkler wurde, beschloss ich, auf die Schifffahrt zu verzichten und stattdessen wiederum den Bus zu besteigen. Eine gute Entscheidung, denn just, als ich in den Bus eingestiegen war, setzte ein heftiger Gewitterregen ein. Manchmal meint es das Schicksal eben einfach nur gut mit mir. 😉

Und so ist die Prinzessin nach einem erfĂŒllten Tag wohlbehĂŒtet und trocken zu Hause angekommen. Und wenn sie nicht gestorben ist, dann trĂ€umt sie noch heute vom Wandern und von der Rigi, der Königin der Berge…  ❀

Milchstrasse vs. Time Square: Vom afrikanischen Lagerfeuer an den Time Square in New York

Heute vor exakt einem Jahr flog ich zum ersten mal in meinem Leben nach New York City. Zur Feier des 1-Jahr-JubilÀums verfasse ich heute diesen Blogpost in Erinnerung an eine wundervolle Zeit in einer wundervollen Stadt.

Eigentlich stand New York schon seit vielen Jahren auf meiner Bucketlist, schaffte es aber nie ganz an die Spitze und verlor das Destinationen-Duell im Zweifelsfall gegen kleinere, ĂŒberschaubarere, lĂ€ndlichere Reiseziele. Ich hatte stets grössten Respekt vor der gigantischen Welt-Metropole und befĂŒrchtete, dass mich – ein ĂŒberaus zartbehĂŒtetes Landei – das hektische Treiben zwischen den mĂ€chtigen Wolkenkratzern zerdrĂŒcken oder gar ĂŒberfordern könnte. Das war wohl auch mit ein Grund, weshalb ich mir die Stadt niemals im Alleingang zumuten wollte. Es fehlte aber stets die passende Begleitung – ein Teufelskreis, herrje!

Auf meiner Bike-Safari durch Namibia schliesslich lernte ich Nina kennen. Nina war nebst mir die zweite Single-Frau unserer achtköpfigen Reisegruppe. Es war die logische Konsequenz, dass wir beide uns irgendwie mit einander arrangieren wĂŒrden. Obschon wir vom Typ Frau her unterschiedlicher kaum sein könnten, stimmte die Chemie auf Anhieb zwischen uns beiden. Es sollte der Anfang einer wunderbaren Freundschaft werden… ❀

Eines Abends, Nina und ich hatten gerade unsere Zelte im ausgetrockneten Flussbeet des Tsauchab-River fertig eingerichtet und uns mit einem Glas sĂŒdafrikanischem Weisswein zum Rest der Gruppe ans Lagerfeuer gesellt, da gestand ich der Gruppe, dass ich noch niemals in New York gewesen sei. Ich mutmasste daraufhin, dass das Lichter-Spektakel am Time Square nie im Leben an die GrandiositĂ€t des Milchstrassen-Zaubers, der sich uns in jener wundervollen Nacht am namibischen Himmel prĂ€sentierte, herankommen wĂŒrde. Nach einer kurzen – oder auch lĂ€ngeren – Phase des wortlosen in den Himmel Staunens, meinte Nina schliesslich, dass sie ebenfalls noch nie in New York gewesen sei und man den Vergleich „Milchstrasse vs. Time Square“ eigentlich schon mal noch ziehen sollte.

„Okay, dann fliegen wir eben als nĂ€chstes nach New York.“ witzelte ich. „Alles klar!“ entgegnete Nina und prostete mir, verschmitzt grinsend, mit ihrem Weinglas zu.

Et voilà 🙂

Some Impressions from Big Apple

 

Reif fĂŒr die Insel. Welche ist egal. Oder doch nicht?

Es war an einem Sonntagvormittag Anfang November 2016. Nebst den PrĂ€sidentschaftswahlen in den USA stand auch die Adventszeit quasi vor der TĂŒr und die ersten Einladungen fĂŒr WeihnachtsanlĂ€sse flatterten ins Haus. Ich  sass mit meinem besten Freund gemĂŒtlich beim Brunch, als wir gemeinsam feststellten, dass wir unseren Körpern eigentlich viel lieber den Luxus von Ruhe und Bewegung an der frischen Luft gönnen wollten, als sie der drohenden Hektik und Völlerei auszusetzen. Biken wĂ€re toll. Beispielsweise. Es war ein prickelnder Gedanke, den wir auf jeden Fall noch mindestens eine Runde weiterdenken wollten. Nach zwei, drei NĂ€chten darĂŒber schlafen stand unser Entschluss schliesslich fest: ja, wir wollten weg.

Uns war bewusst, dass die Weihnachtszeit eine beliebte Reise-Saison ist und wir uns entsprechend zĂŒgig fĂŒr eine Destination entscheiden sowie FlĂŒge und Unterkunft buchen sollten, um am Ende nicht doch noch besinnlich unter dem Tannenbaum zu landen. Also machten wir uns sofort an die Arbeit und surften fleissig durch das Internet. Relativ rasch stiessen wir dabei auf Lanzarote. Die Kanaren-Insel wurde uns als regelrechtes Mekka fĂŒr Bike-Enthusiasten angepriesen. Das klang toll. „Au ja, das ist es!“, riefen wir wie aus einem Munde, „…und ich kann gleichzeitig mein  Spanisch weiter vertiefen, juhui!“, fĂŒgte ich euphorisch hinzu.

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Wir teilten uns die erforderlichen Buchungen gerecht unter einander auf. WĂ€hrend ich mich schnurstracks um die FlĂŒge und die Unterkunft bemĂŒhte, kĂŒmmerte sich mein Freund voller Elan um die Bikes und einen Mietwagen. Nachdem alle Buchungen und Reservationen getĂ€tigt waren und damit unser Gesamt-Paket unter Dach und Fach schien,  stiessen wir voller Vorfreude mit einem Glas Cava auf unseren Coup an. Den klitzekleinen FlĂŒchtigkeitsfehler der sich in unserem Buchungsprozedere eingeschlichen hatte, bemerkten wir erst spĂ€ter. Viel spĂ€ter. Eigentlich zu spĂ€t. Oder auch nicht. Aber eins nach dem anderen…

In den folgenden Wochen vor der Abreise durchlebten wir beide geschĂ€ftlich eine regelrechte Jahresend-Rally. Projekte und Tasks prasselten auf uns nieder, als obs kein Morgen, als obs kein 2017 gĂ€be und so waren wir am vierten Advents-Wochenende schliesslich mehr als nur reif fĂŒr die Insel. Die letzten E-Mails waren beantwortet, die Ferienvertretungen geklĂ€rt, die Taschen gepackt. Nun konnte nichts mehr schiefgehen. Eigentlich. Dachte ich…

Am Abend vor dem Abflug nach Arrecife/Lanzarote leitete mir mein Freund noch die BestĂ€tigung der Mietwagen-Reservation weiter, die bereits seit Wochen in seinem E-Mail Postfach vor sich hin schlummerte. „Damit du dann morgen auf der Insel auch Bescheid weisst…“ notierte er salopp dazu und schloss die Nachricht mit einem gutgelaunten Smiley. Ich setzte mich an meine KĂŒchenbar, nippte an einem Pfefferminztee und scrollte mich durch das Anschreiben des Mietwagen-Anbieters. Dabei stolperte ich ĂŒber die Worte Reina SofĂ­a. „Oh?!“, schoss es mir spontan durch den Kopf, „ich wusste gar nicht, dass der Flughafen von Arrecife auf Lanzarote gleich heisst, wie derjenige auf der Schwesterinsel Teneriffa…“. Ich war bereits zwei mal auf Teneriffa (mehr dazu gibt’s ĂŒbrigens im Artikel Die Kraft des Atlantiks oder wie man zufĂ€llig einen Halbmarathon lĂ€uft) und kenne den Flughafen dort daher ziemlich gut. Neugierig geworden zoomte ich in die entsprechende Passage des E-Mails hinein und realisierte allmĂ€hlich, dass die FlughĂ€fen der beiden Kanareninseln NICHT gleich hiessen. Sofort rief ich meinen Freund an. Bestimmt hatte er die BestĂ€tigungsmail fies manipuliert, um meine Aufmerksamkeit zu testen – zuzutrauen wĂ€r’s ihm ja! Doch sein Gestotter verriet mir, dass es kein Fake war. Nein, unser Auto wĂŒrde morgen um 16.00 Uhr tatsĂ€chlich auf Teneriffa fĂŒr uns bereitstehen, wĂ€hrend unsere Taschen 400 Kilometer weiter westlich auf Lanzarote ĂŒber das Kofferband tuckerten. Heiliger Bimbam!

Nachdem der erste Schreck verdaut war, machte mein Freund das einzige, was er in dieser Situation tun konnte: er stornierte die Reservation auf Teneriffa und setzte gleichzeitig eine Anfrage an die Filiale auf Lanzarote ab. Im Vertrauen darauf, dass am Ende eh immer alles gut wird und es vor Ort dann bestimmt irgendeine Lösung geben wĂŒrde, schlummerte ich schliesslich selig dem herbeigesehnten Abreisetag entgegen.

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Auf dem Weg zum Flughafen und am Gate checkte mein Freund im 10-Minuten-Takt seine E-Mails. Doch die erhoffte ReservationsbestĂ€tigung blieb aus. Dann hiess es schliesslich „Fasten Your Seatbelts“ und unsere Smartphones fielen fĂŒr die nĂ€chsten 4 Stunden in ihren wohlverdienten Dornröschenschlaf.

Nachdem wir unsere Taschen vom Kofferband geschnappt hatten, stellten wir uns mit leicht mulmigem BauchgefĂŒhl beim Autovermieter an die Theke. Ein sympathischer junger Mann, mit zimtfarbenem Teint und strahelndweissen ZĂ€hnen lĂ€chelte uns entgegen. Auf seiner linken Brust war ein Schild. „Pedro“ stand darauf. Pedro hiess uns auf Lanzarote willkommen und fragte, was er fĂŒr uns tun könne. Ich hörte, wie mein Freund ihm – ebenfalls sehr freundlich, aber bestimmt  – erklĂ€rte, dass wir gestern eine Reservationsanfrage eingereicht hĂ€tten, bis jetzt jedoch noch keine Antwort erhalten hĂ€tten. Augenblicklich zogen sich die Lachfalten um Pedros Mundwinkel zurĂŒck, um Sekunden spĂ€ter auf seiner Stirn in Form von Sorgenfalten wieder aufzutauchen. Pedro versicherte uns, wie unangenehm ihm die Angelegenheit sei. Dezent murmelte er, dass 24 Stunden vor Ankunft zwar schon etwas knapp seien fĂŒr eine Reservation, aber dass wir dennoch lĂ€ngst eine Antwort auf unsere Anfrage hĂ€tten erhalten mĂŒssen. Er entschuldigte sich mehrmals in aller Form und klickte gleichzeitig nervös in seinem Computer herum. WĂ€hrend mein Freund – seinen rechten Ellbogen lĂ€ssig auf der Theke abgestĂŒtzt – sich seine Emotionen nicht anmerken liess, stand ich mit ersten Anzeichen von Schnappatmung daneben. „Aber… Moment… das ist doch nur die halbe Geschichte… also höchstens… herrje…“ stammelte ich innerlich vor mich hin. Pedro tat mir leid. Er war doch nicht Schuld an unserer Misere. Ich nahm einen tiefen Atemzug und wollte schlichtend in das Geschehen eingreifen. In diesem Moment zog Pedro einen SchlĂŒssel aus der Schublade, begann mit dem AusfĂŒllen eines Formulars und entschuldigte sich erneut fĂŒr die Unannehmlichkeiten. Ja, es war nur die halbe Geschichte, die mein Freund da von sich gab, aber es war verdammt noch mal die richtige HĂ€lfte. Und so stand ich einfach nur perplex wie Babsi daneben und entschloss mich, das zu tun, was ich am besten kann: Klappe halten!

Kurze Zeit spĂ€ter sassen wir in einem weissen Opel Corsa mit FahrradtrĂ€ger am Heck (es war ĂŒbrigens der einzige Wagen mit FahrradtrĂ€ger in der ganzen Garage), gaben die Adresse des Hotels ins Navi ein und quitschten kurz darauf los in Richtung Costa Teguise.
Nach gut 20 Minuten Fahrt strandeten wir in einer Sackgasse. Das Navi behauptete steif und fest, dass wir hier unser Ziel erreicht hĂ€tten. Doch hier gab es kein Hotel – weit und breit nicht. „Fahr da rein!“ wies ich meinen Freund an, „dort vorn ist bestimmt die Einfahrt zum Hotel, siehst du?“ – „Ich kann doch da unmöglich reinfahren! Das ist die Strand-Promenade. Sieh nur die vielen Leute!“ – „Ach, jetzt fahr halt mal die zwanig Meter vor, dann sehen wir, ob das dort tatsĂ€chlich die Hoteleinfahrt ist.“ Ich mag MĂ€nner, die in brenzligen Situationen einfach tun, was man von ihnen verlangt, ohne langes Tamtam. Und so holperte unser Corsa auch schon zielstrebig ĂŒber die Pflastersteine…
Wir schafften nicht mal die vorgenommenen 20 Meter, da ertönte auch schon  eine schrille Sirene und im RĂŒckspiegel erblickten wir das rotierende Blaulicht eines Streifenwagens. „Das macht dann 40 Euros, por favor!“ gab uns der Polizeibeamte – in scharfem Tonfall zwar, aber mit einem charmanten Grinsen im Gesicht – zu verstehen. Die Costa Teguise hat echt einiges zu bieten, aber in dem Moment waren wir hier die Hauptattraktion. Die FussgĂ€nger zeigten auf  unseren Corsa, schĂŒttelten den Kopf oder hielten sich den Bauch vor lachen. Einige taten sogar alles gleichzeitig. FĂŒr mich fĂŒhlte sich das gerade wie die gerechte Strafe fĂŒr unser nicht ganz astreines Spiel beim Auto-Vermieter an. Nun waren wir aber quitt, ey!
WĂ€hrendem wir unsere Euros hervorkramten erklĂ€rten wir dem Polizisten, dass wir gerade vom Flughafen kĂ€men und unser Navi der Meinung sei, dass da vorne unser Hotel, das BarcelĂł, stĂŒnde. Der Polizist kassierte und bot uns dann an, uns zum Hotel zu lotsen. Wir sollten einfach hinter ihm herfahren. Die Zufahrt zum Hotel war in der Tat etwas verwinkelt. Wir wĂ€ren da definitiv noch lange herumgeirrt. Die 40 Euros waren am Ende jedenfalls gut investiertes Geld. 😉

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The Winner Takes it All, den Andalusiern ists egal

Um es gleich vorweg zu nehmen: der spontan möglicherweise etwas provokant anmutende Titel dieses Blogposts ist aus Sicht der Andalusier absolut im positiven Sinne zu verstehen. Zehn Tage an der Costa del Sol genĂŒgten, um mir eine ganz fette Scheibe vom andalusischen Zauberkuchen abzuschneiden. Der Kuchen besteht aus kostbaren Zutaten wie Gelassenheit, Zufriedenheit, Herzlichkeit und einer grosszĂŒgigen Prise Charme.
„Kein Wunder, dass die so zufrieden sind. Die haben ja auch 320 Sonnentage pro Jahr“, könnte man da resĂŒmieren. Rein statistisch ist diese Aussage zwar korrekt, aber hey! letztlich bestimmt nicht die Sonne, die vom Himmel lacht, wieviel Licht wir in unseren Herzen zulassen. Ich jedenfalls knabbere noch heute genĂŒsslich an meinem andalusischen StĂŒck Kuchen.

Nun aber zur eigentlichen Geschichte, die meine Zeit in Andalusien zu einem Meilenstein in meinem Leben gemacht hat.

Obschon ich einige Punkte meiner damals in Barcelona skizzierten Strategie bereits tapfer in die Tat umgesetzt hatte, blieb ein Vorsatz zunĂ€chst hartnĂ€ckig auf der Pendenzenliste stehen. Jener nĂ€mlich, alleine ein Auto zu mieten und damit auf eigene Faust eine neue Gegend zu entdecken. In meinem alten Leben waren mein Mann und ich oft per Auto bzw. Camper unterwegs. Da mein Mann Chauffeur war, war es naheliegend, dass er in aller Regel am Steuer sass, wĂ€hrenddem ich mich nebenan auf dem BeifahrersitzÂ ĂŒber all die Jahre zur quirligen Entertainerin und zur Weltmeisterin im Kartenlesen entwickelte.

Meine Andalusien-Mission lautete also, ein Auto zu mieten und damit die Gegend unsicher zu machen. Nach ĂŒber drei Stunden in der Europcar-Schlange am Flughafen von MĂĄlaga, habe ich meinen Fiat500 endlich erhalten. ❀

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Mein 500er, aka „Erbse“ 😉

Als ich dann die Adresse meines Hotels im Navi eingeben wollte, stellte ich erstaunt fest, dass die auf dem Voucher aufgedruckte Strasse gemĂ€ss Navi nicht existierte. Ich beschloss daraufhin, einfach mal bis nach Marbella durchzufahren und dort nach dem Weg zu fragen. Und so stoppte ich bei der ersten Tankstelle nach dem Ortsschild von Marbella, hielt dem braungebrannten Spanier an der Kasse meinen Hotel-Voucher unter die Nase, legte mein charmantestes Sonntags-LĂ€cheln auf und zog gleichzeitig die Achseln bis zu den Ohren. Der Mann kapierte sofort und so erfuhr ich, dass ich bereits auf der richtigen Strasse war (Bingo!). Allerdings auf der falschen Seite und ca. zwei Kilometer zu östlich. „Easy!“, dachte ich bei mir, „Strassenseite wechseln kriege ich hin, wĂ€r‘ ja gelacht, ey!“.

Motiviert verliess ich also den Tankstellenshop und verschaffte mir als erstes einen Überblick. Wieviele Spuren hatte diese Strasse denn eigentlich von der der Tankstellenmann behauptete, dass es die richtige sei? Eine, zwei, drei… pro Richtung, wohlverstanden (meine Fresse!). Ich setzte mich in meinen 500er und war entschlossen, zwei bis drei Kilometer in westliche Richtung weiterzufahren, um dann irgendwie die Seite zu wechseln. NatĂŒrlich kam nach drei Kilometern keine Bitte-Wenden-Ausfahrt. Auch nach vier, fĂŒnf und sechs Kilometern nicht.  So verliess ich die Autostrasse halt einfach bei der ersten Gelegenheit, die sich mir bot. Unnötig zu erwĂ€hnen, dass ich den Überblick zu dem Zeitpunkt lĂ€ngst verloren hatte (Herrje!).
Ein Plan B musste her und zwar schnell. Et voilĂ : Ich wĂŒrde uns (also fĂŒr die Erbse und mich) ein Taxi rufen. Das mag jetzt bescheuert klingen, ist aber eigentlich ein ziemlich intelligenter Plan, auf den man zuerst mal kommen muss! 🙂 Das Taxi sollte HĂ€uptling spielen, voraus reiten und uns zwei Bleichgesichtern so den Weg zum Hotel weisen…

Ich war inzwischen auf dem Parkplatz eines Surfclubs gelandet. Ich stieg aus dem Wagen und kaum stand ich mit meinem hilflosen Taxi-Such-Blick auf dem Platz, kam auch schon ein knackiges, braungebranntes und von Sonnenöl glÀnzendes Sixpack auf mich zu. Er hiess Francisco und genau so sah er auch aus (hach!)!
Francisco strahlte ĂŒbers ganze Gesicht. Seine Augen leuchteten, als er fragte, ob und wie er mir denn helfen könne. „Oh… Ă€hm… hola… un momento… por favor… soy suiza…“, stammelte ich und kramte meinen Hotel-Voucher hervor. Francisco sah das Logo auf dem Papier und meinte, dass er bereits wisse, wo das Hotel sich befinde und er mir den Standort im Navi locker sogar ohne Adressangabe programmieren könne. FĂŒr einen Moment war ich skeptisch, doch dann sah ich auf das beeindruckende Sixpack in Franciscos funkelnde, braune Augen und vertraute ihm aus tiefem Herzen. Ich sollte es nicht bereuen…

Eine halbe Stunde spĂ€ter checkte ich im Hotel ein, bezog meinen knallorangen Bungalow und gönnte mir eine erfrischende Dusche. SpĂ€ter genoss ich den lauen Abend bei einem Glas Sangria an der Strandbar und war einfach nur dankbar (ĂŒbrigens: dankbar reimt sich auf Strandbar). Ich hatte es geschafft, war angekommen – nicht nur im Hotel 😉 Manchmal meint es das Schicksal eben verdammt gut mit mir…

In den darauffolgenden Tagen unternahm ich mit meiner Erbse einige sehr tolle Ausfahrten. VergnĂŒgt kurvten wir durch die berĂŒhmten „weissen Dörfer“ Andalusiens, machten Halt im romantisch-imposanten Ronda, im lieblichen Nerja, im stĂŒrmischen Gibraltar und liessen selbst das 260 km entfernte Sevilla, die Hauptstadt Andalusiens, nicht aus.

Wer weiss, vielleicht schreibe ich mal noch eine weitere Geschichte ĂŒber mein Self-Drive-Abenteuer an der Costa del Sol… aber natĂŒrlich nur, wenn ihr das mögt?!?? 🙂

Impressionen aus Andalusien

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/Mai 2014

Impressionen meiner Bike-Safari durch Namibia

Das Jahr 2015 war ein besonderes Jahr fĂŒr mich. Warum und weshalb verrate ich hier.

Hier ein paar Impressionen zu einem meiner ganz besonderen Reise-Leckerbissen. Per Bike gings im September 2015 quer durch Namibia.

NatĂŒrlich gibts auch jede Menge Geschichten zu den Bildern. Es sind eindrĂŒckliche Geschichten. Witzige Geschichten. VerblĂŒffende Geschichten. Es sind Geschichten, die mich geprĂ€gt haben und fĂŒr die ich mein Leben lang dankbar sein werde. ❀ Stay tuned.

Verwandter Artikel: Bike-Safari durch Namibia

Im Anschluss an diese Bike-Safari gönnte ich mir noch ein paar Tage in der Two-Oceans-Metropole Kapstadt.

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/September 2015