Rothaar meets Rothorn: Meine Mini-Auszeit auf dem Brienzer Rothorn

Soviel vorweg: brĂ€uchte man zum Bloggen seine Beine und FĂŒsse, hĂ€tte dieser Beitrag keine Chance gehabt, heute online zu gehen. Ich spĂŒre jeden einzelnen Quadratzentimeter von den HĂŒften bis runter zur grossen Zeh. Wir sprechen hier von sagenhaften 96 Zentimetern Jammer-Strecke. Lange Beine haben eben nicht nur Vorteile.

Trotz Wehwehchen blicke ich voller Dankbarkeit auf zwei wundervolle Wandertage im Berner Oberland zurĂŒck. Wobei das nicht ganz korrekt ist, denn das Brienzer Rothorn gehört offiziell zum Kanton Luzern und ist mit seinen 2349 Metern sogar der „höchste Luzerner“ (Ja, genau so habe ich auch gekuckt…). Wer wie ich, ĂŒber das idyllische Berner Oberland via Thun, Interlaken und Brienz anreist, der hat Luzern so ĂŒberhaupt nicht auf der Rechnung und ist bei der Ankunft auf dem Gipfel entsprechend perplex.

Die Fahrt in der nostalgischen Dampf-Zahnradbahn, der Brienz Rothorn Bahn,  ist ein Muss. Geduldig und tapfer stampft sich das bald 130 jĂ€hrige Vehikel Meter fĂŒr Meter voran. Welch Leistung dies tatsĂ€chlich ist, sollte ich noch am eigenen Leib erfahren. Aber erst mal galt es, sich zurĂŒckzulehnen und die bequeme Anfahrt zu geniessen.

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Die Fahrt mit der nostalgischen Dampf-Zahnradbahn ist ein Muss!

Hinter jeder Kurve offenbart sich einem ein neues Panorama und je höher man kommt, desto selbstbewusster zeigen sich einem die ganz Grossen der Schweizer Alpen – allen voran das Trio Eiger, Mönch und Jungfrau.

Meine knapp vierstĂŒndige Anreise mit all seinen „Hachs“ und „Wows“ machte hungrig und nach einem flĂŒchtigen Blick auf die Speisekarte des Bergrestaurants gab es kein Pardon mehr: die Rothorn Röschti musste her, aber dalli! 😋

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Röschti with a view…

Frisch gestĂ€rkt begab ich mich schliesslich zur Rezeption des Berghauses Rothorn Kulm. Drei Tage zuvor war ich durch eine Internet-Annonce auf das Brienzer Rothorn und das schmucke Berghaus aufmerksam geworden und fragte spontan per E-Mail an, ob fĂŒr die Nacht von Freitag auf den Samstag noch ein Einzelzimmer zu haben wĂ€re. Ich zögerte einen Moment, bevor ich auf den Senden-Button klickte.  FĂŒr die ganze Woche waren im Flachland Temperaturen weit ĂŒber 30 Grad Celsius angesagt. Ich wĂŒrde bestimmt nicht die Einzige sein, die – noch dazu am Wochenende – in kĂŒhlere Gefilde entfliehen wĂŒrde und stellte mir vor, wie sich die ganze Berghaus-Crew ĂŒber meine kurzfristige Anfrage vor Lachen krĂŒmmte. Aber nix dergleichen: wenige Stunden spĂ€ter flatterte die ReservationsbestĂ€tigung herein – DAS war ja leicht!

Mein Zimmer war Àusserst charmant und heimelig. Und der Blick aus dem Fenster schlicht unbezahlbar.

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Room with a view… (Stimmung bei Sonnenaufgang)

Nach dem Zimmerbezug schnallte ich meine Wanderschuhe an und knöpfte mir den Weg zum Gipfel des Rothorns vor. Mich interessierte vorallem der Blick Richtung Norden und Osten. Man soll hier ĂŒber das Entlebuch hinweg den Pilatus und die Rigi sehen – das wollte ich mir natĂŒrlich nicht entgehen lassen. Doch statt eines fetten Panoramas gab es nur fette, graue Wolken zu sehen. Der Anblick erinnerte an den Kanton Aargau im Herbst 😏
Etwas spÀter an dem Abend rissen die Wolken dann aber mindestens eben so plötzlich wie sie aufgezogen waren wieder auf und so erklomm ich die Spitze eben ein zweites Mal: Rothaar meets Rothorn!

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Rothaar đŸ‘©â€đŸŠ°Â meets Rothorn ⛰

 

«Den Sonnenuntergang auf der Terrasse des Berghauses zu geniessen, ist wie mit offenen Augen zu trÀumen.»
Monika Tuschy, Berghaus Rothorn Kulm

(Zitat-Quelle: https://brienz-rothorn-bahn.ch/berghaus/)

Ich kann die Aussage von Frau Tuschy nur bestĂ€tigen…

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Auch die Dampf-Zahnradbahn hat Feierabend…
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Sonnenuntergang auf dem Brienzer Rothorn.

…dasselbe gilt ĂŒbrigens auch fĂŒr den Sonnenaufgang.

Am nĂ€chsten Morgen wachte ich ohne Wecker um 5.20 Uhr aus meinem Dornröschenschlaf auf und war damit pĂŒnktlich zum Sonnenaufgangspektakel zur Stelle. Man weiss hier gar nicht so genau, wohin man seinen verschlafenen Blick zuerst richten soll.

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Sonnenaufgang auf dem Brienzer Rothorn mit Sicht auf den Pilatus und die Rigi.

Nach dem leckeren FrĂŒhstĂŒck war packen angesagt. Hoch motiviert zurrte ich die Senkel meiner Wanderstiefel fest, setzte Kopfbedeckung und Sonnenbrille auf und fĂŒllte meine Wasserflaschen auf. Von nun an gings buchstĂ€blich bergab.

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Auf dem Bild ist eine Jungfrau zu sehen – wer findet sie? Such-Quiz 🙂

Auf der Planalp befand sich die Mittelstation der Brienz Rothorn Bahn. Hier hÀtte ich notfalls auf die Schiene wechseln können, falls mir der Downhill-Marsch allzu sehr in die Knie gegangen wÀre. Mit dieser Option im Hinterkopf setzte ich optimistisch und kraftvoll einen Schritt vor den anderen.

Unterwegs galt es drei Schneefelder und einige Kuhherden zu durchqueren. Und natĂŒrlich kommt einem die sĂŒsse Nostalgie-Bahn ab und zu in die Quere. Es gibt definitiv Schlimmeres!

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Schiene kreuzt Fussweg: fast wie in Downtown ZĂŒrich.
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tschipfu tschipfu Isebahn 🚂

Mit einem aufwĂ€rts keuchenden Wandervogel tauschte ich mich kurz ĂŒber den jeweils vor uns liegenden Weg aus. So erfuhr ich, dass das StĂŒck nach der Planalp runter bis Brienz nicht unterschĂ€tzt werden sollte und stellenweise ziemlich steil sei. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich fĂŒr das letzte StĂŒck auf die Bahn wechseln wĂŒrde, stieg ab diesem Zeitpunkt markant an.
Doch als ich die Planalp auf 1347 Metern erreichte, war ich gut bei KrĂ€ften. Ich beschloss mir in der flauschigen Alp-Beiz eine erfrischende Apfelschorle zu gönnen und anschliessend zu entscheiden, ob ich die letzte Etappe zum See aus eigener Muskelkraft zurĂŒcklegen oder die gemĂŒtlichere Variante nehmen wĂŒrde.
Der Weg war hier sehr breit und ĂŒbersichtlich. Ich entschloss, ein StĂŒck weit zu wandern und notfalls zur Planalp zurĂŒckzukehren. Das Drama zeichnete sich nach vielleicht 20-30 Wanderminuten langsam ab. Zuerst war nur ein kurzes StĂŒck steil, bevor sich der Weg wieder gemĂŒtlich abfallend durch den Wald dahinschlĂ€ngelte. Doch diese kurzen WegstĂŒcke hĂ€uften sich und wurden ausserdem zunehmend lĂ€nger und gerölliger. Doch Umdrehen war lĂ€ngst keine Option mehr. Also biss ich auf die ZĂ€hne (und einmal sogar auf die Unterlippe… 🙄)  und erreichte Brienz endlich mit reichlich schlotternden Knien. Ich weiss gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal dermassen weiche Knie hatte. Vermutlich steckte damals ein Mann dahinter. Ich sagte: vermutlich.

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Am See reanimierte ich meine tot geglaubten FĂŒsse und Unterschenkel im eisig kalten Brienzersee, um sie anschliessend in einer schattigen Ecke fĂŒr ein paar kostbare Augenblicke auf der Ufermauer hochzulagern.
Im flauschigen Gartenbeizli des Hotels BĂ€ren stĂ€rkte ich mich mit einem köstlichen Forellenfilet auf buntem Salatbouquet. Dann fĂŒhrte mich der Weg der schönen Seepromenade entlang zum Bahnhof.

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Mein Wander-GspĂ€nli entlang der Brienzer Seepromenade war ein echter Holzkopf. Psssssst…. das bleibt unter uns, gelled?!

Direkt gegenĂŒber des Bahnhofs liegt der Hafen und der Zufall wollte es, dass just zehn Minuten nach meinem Eintreffen das Kursschiff nach Interlaken ablegen wĂŒrde. Es brauchte nicht allzuviel Überredenskunst, um mich von meinem ursprĂŒnglichen Plan, nĂ€mlich die Heimreise ab Brienz im Zug anzutreten, abzubringen. Und so schwang ich meinen mĂŒden Hintern an Deck der MS Irgendwas und summte ein vergnĂŒgtes „Seemann, lass das TrĂ€umen. Denk‘ nicht, an Zuhaus’…“ vor mich hin.

Ich genoss den Perspektivenwechsel und zwinkerte dem Brienzer Rothorn ein letztes Mal keck zu. Es hatte sich inzwischen mit der einzigen Wolke weit und breit verbĂŒndet und gemeinsam thronten sie friedlich vor sich hin…

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Perspektivenwechsel: Blick vom Schiff auf das Brienzer Rothorn (direkt unter der rechten Wolke)

Trotz – oder vielleicht gerade wegen – der zwischenzeitlichen Momente, an denen ich an meinen physischen Grenzen geschnuppert hatte, wird mir mein spontaner Ausflug auf das Brienzer Rothorn – den höchsten Luzerner, ĂŒbrigens! đŸ€“Â – noch lange in Erinnerung bleiben, wetten?!

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Krönender Abschluss eines Bilderbuchtages: chillige Schifffahrt von Brienz nach Interlaken.

Übrigens: hatte ich schon erwĂ€hnt, dass mir heute meine Beine schmerzen?

Ich werd‘ ja wohl noch fragen dĂŒrfen?!??

Cinque Terre: Eine Kulisse wie bei Malen nach Zahlen

Cinque Terre stand schon seit einiger Zeit auf meiner Ausflugs- und Kurztrip-Ideen-Liste. Als ich Anfang MĂ€rz in einem Bericht ĂŒber Ligurien las, dass die fĂŒnf malerischen Dörfer an der italienischen Riviera an Ostern besonders und danach den ganzen Sommer ĂŒber an den Wochenenden von Touristenströmen geradezu ĂŒberrollt wĂŒrden, war fĂŒr mich klar, dass ich bald, sehr bald, auf jeden Fall noch vor Ostern, hinreisen wĂŒrde. Was fĂŒr ein GlĂŒck, dass Ostern dieses Jahr so spĂ€t fĂ€llt. Das gab mir noch etwas Luft fĂŒr die Planung.

Als erstes ĂŒberlegte ich mir, ob ich alleine nach Ligurien reisen oder ob ich mich um eine nette Begleitung bemĂŒhen sollte. Ich wollte dem Projekt „GspĂ€nli“ zumindest eine Chance geben und schrieb drĂŒben bei Spontacts eine entsprechende Annonce aus:


Hallo Leute
Ich plane einen 4-Tages-Trip (3 Übernachtungen) in die malerischen Dörfer der Cinque Terre und hĂ€tte nichts gegen eine nette Begleitung (MĂ€nnlein oder Weiblein, 38-52 Jahre) einzuwenden.

Folgende Eckdaten zum Trip:

  • Wann: 5.-8.4.19 oder 12.-15.4.19
  • An/RĂŒckreise im Zug
  • AktivitĂ€ten vor Ort: Wandern, Pasta, Pizza und Wein
  • Übernachtung im Hotel (im Einzelzimmer)
  • Kosten: ca CHF 500 (Zugfahrt und Übernachtung im Hotel)

VorgĂ€ngiges persönliches Treffen erwĂŒnscht.

Bist du dabei? Dann freue ich mich, von dir zu lesen!


Einige Anekdoten, Verstrickungen und imaginÀre Gin Tonics spÀter entschied ich, den Trip alleine durchzuziehen. Ich suchte mir also ein nettes Hotel, besorgte mir ein Zugticket und zehn Tage spÀter ging es dann auch schon los. Das Leben kann ja so einfach sein!

Via Mailand und Genua erreichte ich nach gut sieben Stunden Zugfahrt mein frisch renoviertes Zimmer im Hotel Italia e Lido in Rapallo.

Blick von meinem Zimmer auf Schloss Rapallo
Blick von meinem Zimmer auf Castello Rapallo

Rapallo liegt eine gute Zug-Stunde nördlich der Cinque Terre. Dies hat den Vorteil, dass man relativ weit weg vom Schuss ist und hat den Nachteil, dass man relativ weit weg vom Schuss ist. Wer die Cinque Terre zum Ziel hat, der findet möglicherweise geeignetere Ausgangsorte. Egal, Rapallo ist nett, ich hatte eine wirklich gute Zeit dort und es ist wohl nur meiner angeborenen HartnÀckigkeit zu verdanken, dass ich jetzt nicht mit Franco, dem Kellner von nebenan verlobt bin.

Am nĂ€chsten Morgen besorgte ich mir die Cinque-Terre-Card und nahm diese gute Zug-Stunde Richtung SĂŒden auf mich. Der Plan war, ab Monterosso, dem ersten der fĂŒnf Dörfer, den KĂŒstenwanderweg „Sentiero Azzurro“ zu suchen, welcher die fĂŒnf Dörfer in einer gut bewĂ€ltigbaren Tageswanderung verbindet.
Da jedoch just an jenem Tag der „Sciacche Trail 2019“ (Cinque Terre Ultra Trail) stattfand, war der Wanderweg fĂŒr gemĂŒtliche Wandervögel wie mich an dem Tag gesperrt. Es blieb mir also nichts weiter ĂŒbrig, als per Zug nach Vernazza, dem nĂ€chsten und gemĂ€ss ReisefĂŒhrer schönsten der fĂŒnf Dörfer zu reisen.

Vernazza ist wirklich sehr schmuck – eine wahre Perle! Weil meine Beine nach der bequemen Anfahrt per Zug noch superfit waren, entschloss ich mich fĂŒr einen ausgiebigen Dorfrundgang. Wobei der Rundgang im Falle von Vernazza ja eher ein Auf-und-Abgang ist.

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In Vernazza zĂ€hlt man vermutlich nicht Schafe zum Einschlafen, sondern Treppenstufen…

UngezÀhlte Treppenstufen spÀter hatte ich das Castello Doria erreicht und genoss den zauberhaften Ausblick auf das idyllische Vernazza.

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Blick vom Castello Doris… Ă€h Doria in Vernazza

Wieder unten am malerischen Hafen angekommen, gönnte ich mir eine superleckere Pizza mit frischen Tomaten. Ja, ihr habt schon richtig gelesen: FRISCHEN TOMATEN! wo gibts denn sowas noch?

Nachdem ich von einem gut aussehenden Italiener in gelber Staff-Weste und damit quasi aus erster Hand die Mitteilung erhalten hatte, dass der Wanderweg von Vernazza bis nach Corniglia nun geöffnet sei, nahm ich erneut einige Höhenmeter auf mich und arbeitete mich zum Wanderweg hoch. Immer wieder kamen mir Ultra-Trail-Runner entgegen und ich ahnte schon, worauf das Ganze hinauslaufen wĂŒrde. Und prompt wurde ich erneut aufgehalten und nett aber bestimmt von der Trail-Staff zum RĂŒckzug aufgefordert.
Was fĂŒr ein GlĂŒck, dass ausgerechnet an dieser schicksalhaften Ecke einer ein schickes Restaurant eröffnet hat.

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Und so genoss ich hier nebst einem GlÀschen Cinque Terre DOC eine weitere atemberaubende Perspektive auf Vernazza.

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Den restlichen Tag verbrachte ich mit ausgedehnten Berg-und-Tal-SpaziergĂ€ngen durch die beiden Dörfer Manarola und Riomaggiore und natĂŒrlich mit der einen oder anderen Schlemmerei 😋

FĂŒr den nĂ€chsten Tag, es war der Sonntag, war Regen angesagt. Ich sass beim FrĂŒhstĂŒck und musste durch die grosszĂŒgige Fensterfront feststellen, dass Petrus genau das tat, was die Wetterprognose von ihm verlangte. Am Nachmittag sollte der Regen aufhören. Mit dieser optimistischen Aussicht schnappte ich mir eine weitere Tasse Kaffee, zĂŒckte mein Buch hervor und verweilte noch eine ganze Weile an meinem FrĂŒhstĂŒckstisch.
Erst zum Mittag machte ich mich bei inzwischen nur noch leichtem Regen auf den Weg zum Bahnhof und kaufte mir erneut eine Cinque-Terre-Card. Mit jedem Kilometer den ich Richtung SĂŒden fuhr, wurde es sonniger und als ich Manarola erreicht hatte, herrschte Wetter wie aus dem Bilderbuch.

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vor der malerischen Kulisse von Manarola war ich mal wieder in Selfie-Laune 😉

Dem prĂ€chtigen Wetter zuliebe beschloss ich erneut eine kleine Wanderung zu wagen. Wie ich erst viel spĂ€ter (genau genommen erst als ich lĂ€ngst wieder zu Hause war) erfahren sollte, ist der einfache, ca. 2 Kilometer lange  KĂŒstenwanderweg, der „Sentiero Azzurro“, zwischen Manarola und Corniglia voraussichtlich bis 2021 gesperrt – und nein, nicht 20.21 Uhr, sondern 2021 – BÄM! Ahnungslos folgte ich an jenem Sonntag den Wanderwegweisern, die mich automatisch auf die Alternativ-Route, genau: den Sciacche-Ultra-Trail, lotsten. Und so wurde aus der geplanten Easy-Peasy-Sonntagnachmittagswanderung ein harter 14 Kilometer Ultra-Marsch mit ĂŒberwĂ€ltigenden Ausblicken auf die ligurische KĂŒste – man gönnt sich ja sonst nix, ey! 😉

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Blick auf das malerische Manarola

Von nun an ging’s bergauf.

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Unterwegs auf dem Sciacche Trail, dem Cinque Terre Ultra Trail

Endlich war Corniglia in Sicht.

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Nach 14 Ultra-Kilometern endlich in Sicht: Corniglia

Bevor ich hier die 332 Stufen vom Dorfkern runter zum Bahnhof in Angriff nahm, gönnte ich mir noch einen kleinen Apéro.

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Eine willkommene StÀrkung in den Nationalfarben!

Am nĂ€chsten Morgen hiess es bereits Ligurien auf Wiedersehen zu sagen. Tja, liebe Leute, wer „A“ sagt, muss auch „rrivederci“ sagen können, so ist nun mal das Leben.

Ich werde den Verdacht nicht los, dass ich mich nicht zum letzten Mal in dieser wundervollen Ecke herumgetrieben habe.

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Fronalpstock: Switzerland at its Finest â€ïž

Den Fronalpstock  hatte ich schon lĂ€nger auf meiner Wander-Todo-Liste, doch es sollte irgendwie einfach noch nie sein. KĂŒrzlich, an einem Kaiserwetter-Sonntag Anfang September, passte nun endlich alles zusammen:

 das Wetter, 
  die Tagesform und
 die Gesellschaft

Es war ein wahrhaftiger Bilderbuch-Wandertag. Zuerst beförderte uns die steilste Standseilbahn  der Welt von der Talstation bei Schwyz auf den Stoos (1300 m). Anschliessend ging’s zu Fuss in knapp zwei Stunden weiter hoch zum Fronalpstock (1922 m).

Der Weg ist das Ziel

Es sind gut 600 Höhenmeter, die es zu bewĂ€ltigen gilt. Aber hey! ich schwöre: jeder einzelne Meter lohnt sich. Und man hat mit den GebrĂŒdern Mythen im RĂŒcken auf der ganzen Strecke beste Gesellschaft.
Der Weg zum Gipfel ist gut zu bewĂ€ltigen. Alternativ kann er aber auch per Sessellift zurĂŒckgelegt werden. Und fĂŒr die „FĂŒnfer-und-Weggli“-Kameraden bietet sich ein fliegender Wechsel an der Sessellift-Mittelstation an.
Bis zur Mittelstation ist der Wanderweg supereasy. Erst im oberen Viertel, also kurz vor dem Gipfel wird der Weg gerölliger. Er ist zwar auch hier nicht sonderlich anspruchsvoll, aber mit vernĂŒnftigem Schuhwerk ist man auf jeden Fall gut bedient.

Das 360-Grad-Panorama „On The Very Top of Fronalpstock“ ist grandios. Mit weit aufgerissenen Augen und MĂ€ulern liessen wir hier unsere Blicke von der legendĂ€ren RĂŒtli-Wiese, ĂŒber das idyllisch gelegene StĂ€dtchen Brunnen SZ und die Rigi (Königin der Berge) weiter ĂŒber den VierwaldstĂ€ttersee bis hin zum BĂŒrgenstock und den Pilatus schweifen!!! Wow, einfach nur Wow!!!   

Fazit: Der Fronalpstock ist ein absolutes Muss – nicht nur fĂŒr Wander-Enthusiasten. 

 

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Traumhafte Aussicht vom Fronalpstock. Switzer-Wonder-Land ❀
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*jetzt wĂ€mmer eis jööödele und lohoschtig siiii* 🙂
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Blick Richtung Gratwanderweg hinĂŒber zum Klingenstock

 

Weitere Wander-Artikel gibt es ĂŒbrigens hier: Das Wandern 🎒 ist des Doedel’s Lust

 

Aletsch du mir am Tschööpli

Manchmal ĂŒberrasche ich mich mit meiner SpontaneitĂ€t selbst. Gestern war manchmal. 🙂

Eine Wanderung zum grossen Aletschgletscher hatte ich zwar schon lĂ€nger im Hinterkopf, direkt daneben lag jedoch stets der Beipackzettel mit unzĂ€hligen Wenn-und-Aber-Fragen und so dachte ich, dem Unterfangen wĂŒrde dann mal eine intensive Planungsphase vorausgehen. Doch als ich gestern Morgen aus meinem Dornröschenschlaf erwachte, drĂ€ngte sich der Hinterkopf-Gedanke in den Vordergrund und vermittelte mir das GefĂŒhl, dass heute ein guter Tag fĂŒr das Abenteuer Aletsch sei.

Ich startete also die Aletscharena-App, welche ich mir bereits vor einiger Zeit auf meinem Smartphone installiert hatte, wischte durch die prĂ€chtigen Webcam-Bilder und sagte mir:“Hey! Wenn nicht jetzt, wann dann?“
Nach einem abschliessenden Blick auf die Wetter-Prognosen ging schliesslich alles ganz schnell. Eine Stunde spÀter sass ich in kompletter Wandermontur im Zug.

Ich wusste, dass ich mindestens nach Brig im Kanton Wallis fahren musste. Die zwei Stunden Zugfahrt bis dorthin nutzte ich also, um den weiteren Verlauf des Tages zu skizzieren. Und so löste ich irgendwo zwischen dem Lötschbergtunnel und Brig das Anschluss-Ticket auf die Bettmeralp. Zuerst gings von Brig mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn bis Betten Talstation, wo bereits die Luftseilbahn auf uns – eine kunterbunt zusammengewĂŒrfelte kleine Wanderschar –  wartete.

Walliser Chalets vor dem Bettmerhorn
Idyllisch: Chalets auf der Bettmeralp. Im Hintergrund das Bettmerhorn

Kapelle Maria zum Schnee auf Bettmeralp, Wallis Schweiz

Von nun an gings hinauf: von der Bettmeralp (1950 m) via Bettmersee (2006 m) und Blausee (2207 m) bis zum berĂŒhmten ViewPoint Moosfluh (2333 m).

Pnoramakarte Aletscharena

Und dann stand ich fĂŒr einen, zwei oder sogar drei kostbare Augenblicke einfach mal nur da und sog jedes einzelne Detail dieses atemberaubend schönen Panoramas in mir auf – mit TrĂ€nen der RĂŒhrung in den Augen und einem GefĂŒhls-Cocktail aus Stolz, Patriotismus und tiefer Dankbarkeit.

ViewPoint Moosfluh beim grossen Aletschgletscher im Wallis/Schweiz
ViewPoint Moosfluh

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Nachdem ich mich im herzigen Moosfluh-Beizli mit Grillwurst und einem Suure Moscht gestĂ€rkt hatte, fĂŒhrte mich der Weg via Hohfluh (2227 m) durch den wunderschönen Aletschwald mit seinen uralten LĂ€rchen und Arven. SpĂ€testens hier lohnt es sich ĂŒbrigens definitiv, seinen Geruchsinn zu aktivieren – mmmmhhhhh!

Rastplatz im Aletschwald mit Blick auf den grossen Aletsch-Gletscher

Wanderer auf einem Wanderweg in der Aletscharena beim grossen Aletsch-Gletscher

Schon von weit oben sticht einem schliesslich die Villa Cassel auf der Riederfurka (2065 m) ins Auge. Die Villa beherbergt das Pro-Natura-Zentrum. Es gibt durchaus schlimmere „GeschĂ€ftssitze“ – wow! Das nĂ€chste Mal werde ich hier ein grosszĂŒgigeres Zeitfenster einplanen, versprochen! Hatte ich schon erwĂ€hnt, dass das gestern alles ziemlich spontan zustande kam? 😉

Blick auf die Villa Cassel in Riederfurka beim grossen Aletsch-Gletscher

Via Riederalp brachte mich der Herrenweg schliesslich zurĂŒck zum Ausgangspunkt auf der Bettmeralp. Zur Krönung dieses Bilderbuchtages fehlte nun nur noch eines: eine echte Walliser Röschti – et voilĂ  🙂

Walliser-Röschti

Meine Tweets zum gestrigen Bilderbuchtag findet ihr unter dem Hashtag #WALLISmirwertbin

 

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Bodensee und Alpstein: Wow-Garantie im Doppelpack

Wenn immer möglich, verbringe ich im Sommer jeweils zwei bis drei Tage bei meiner Familie in der wunderschönen Bodensee-Region. Ein Highlight ist dabei das gemĂŒtliche Beisammensein am Abend. Wenn Daddy am Grill steht, fĂŒr die ganze Schar Leckereien brutzelt und man sich spĂ€ter – bei einem GlĂ€schen Rotwein – ĂŒber all die Dinge unterhĂ€lt, die im Familien-Chat bei WhatsApp einfach keinen Platz finden. Ich geniesse die Stunden im Kreise meiner Liebsten jeweils sehr, hach! ❀
Gerade bin ich zurĂŒck von meinem diesjĂ€hrigen Kurztrip in meine alte Heimat. Dieser Artikel kann daher noch Spuren von Heimweh enthalten – Sie entschuldigen?!

Radtour um den Untersee

Mein Auto war diesmal vollgepackt mit Bike- und Wanderkram. An mir sollen schliesslich selbst spontane Ausflugsideen nicht scheitern 🙂
FĂŒr Donnerstag war jedoch bereits seit einiger Zeit eine Biketour am Bodensee geplant. Und weil das Wetter so wunderbar mitspielte, sprach also auch nichts dagegen, diesen Plan nun in die Tat umzusetzen. Und so besammelten wir uns um 9.30 Uhr in Ermatingen, wo wir zuerst einmal unsere Bikes zusammenbauten. Dann zog der edle Konvoi, bestehend aus zwei e-Bikes und drei gewöhnlichen Mountainbikes, schliesslich los.

Dem Untersee entlang ging’s via Steckborn, Mammern und Eschenz bis ins malerische Stein am Rhein, wo wir uns eine erste Pause gönnten. Einige Passagen des regulĂ€ren Radweges mussten wir grosszĂŒgig umfahren, da das kĂŒrzliche Unwetter teilweise massive SchĂ€den an BĂ€umen und HĂ€usern hinterlassen hatte und die Wege noch nicht alle freigerĂ€umt waren. So richtig will man es sich gar nicht vorstellen, welche Naturgewalt sich hier nur wenige Tage zuvor entladen haben muss… (meine Fresse!)
Anschliessend fĂŒhrte uns die Route dem deutschen Rheinufer entlang nach Gaienhofen und damit zu unserer Lunch-Pause. Im gemĂŒtlichen Biergarten des Restaurant Hirschen liessen wir uns leckeren Bodenseefisch auf knackigem Reichenauer Salat schmecken. Anschliessend ĂŒberquerten wir den Untersee per FĂ€hre und strampelten schliesslich zurĂŒck zu unseren Autos nach Ermatingen.

biketour-bodensee-ermatingen-gaienhofen
>> zur Route auf GoogleMaps

Es war eine gemĂŒtliche, chillige Tour, doch das tropische Klima trieb uns dennoch den Schweiss aus allen Poren. An dieser Stelle passt das Gedicht vom Bodensee ganz wunderbar:

Mir tut das Herz so weh,
wenn ich vom Glas den Bodensee 🙂

Abends beim Barbeque schmiedeten wir schliesslich PlĂ€ne fĂŒr den nĂ€chsten Tag. Relativ rasch zeichnete sich eine kleine Wanderung im Alpsteingebiet ab. Und so verabredeten wir uns zum Zmittag im weltbekannten Berggasthaus Aescher-Wildkirchli.

Wanderung zum Berggasthaus Aescher-Wildkirchli

Mein Bruder, dessen Freundin und ich parkierten unser Auto beim Parkplatz unterhalb der Alp Bommen und trampelten dann los, bergwĂ€rts. Über Stock und ĂŒber Steine und wir brachen uns nicht die Beine… [Bitte hier einen zĂŒnftigen Appenzöller-Juchzer vorstellen]

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Bald geschafft: nur noch ein paar Stufen bis zum „heemelige Beggaschthuus“ Aescher.

>> zur Route „Bommen > Aescher-Wildkirchli“ auf GoogleMaps

Oben erwarteten uns bereits Daddy und seine Frau Silvia, welche von Wasserauen aus via Luftseilbahn zur Ebenalp und von da aus den ca. zwanzigminĂŒtigen Abstieg bis zum Aescher erfolgreich hinter sich gebracht hatten. [hier bitte nochmals einen Appenzöller-Juchzer vorstellen. Bitte. Danke!]. Hungrig wie wir alle waren, bestellten wir uns endlich unsere wohlverdienten Aescher-Röstis, dazu en „suure Moscht“ – en Guete und Proscht! (Das reimt sich imfall! 🙂 )

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SpezialitĂ€t des Hauses Aescher: Rösti –> ein MUSS!

Auf dem Abstieg legten wir in der Alp Bommen noch eine Rast ein, die dann allerdings etwas lĂ€nger als geplant ausfiel. Man vergisst in dieser entschleunigenden Gegend halt leicht die Welt um sich herum. Und wisst ihr was? Das ist verdammt gut so, denn wer „A“ sagt sollte definitiv auch „lpstein“ sagen oder „ppenzellerland“…

Nachdem wir uns noch grosszĂŒgig mit leckerem AlpkĂ€se eingedeckt hatten, wanderten wir schliesslich die letzte Etappe bis zu unserem Auto und fuhren nach Hause zurĂŒck, wo Daddy und Silvia bereits mit dem Vesper auf uns warteten.

Und ja, in meinem nĂ€chsten Leben werde ich Prinzessin! 🙂

 

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Zum Nationalfeiertag, dem 1. August, mische ich mich gerne unter das patriotische Schweizer-Volk. So unternahm ich letztes Jahr beispielsweise eine interessante Sightseeing-Tour durch die wunderschöne Landeshauptstadt Bern. Dieses Jahr gönnte ich mir einen herrlichen Wandertag auf der Königin der Berge, der Rigi.

1.-August-Feeling pur auf der Rigi: Höhenfeuer und Alphörner

Mit Zug und Bus reiste ich am Morgen nach Vitznau am VierwaldstÀttersee. Von hier gings mit der Àltesten Zahnradbahn der Welt hinauf nach Rigi Kaltbad.

Nostalgische Rigi-Dampflok-Bahn beim letzten Anstieg vor Rigi Kulm.

 

Von hier aus folgte ich dem Wanderwegweiser zum „ChĂ€nzeli“, wo ich das gewaltige Panorama ĂŒber den VierwaldstĂ€ttersee, den BĂŒrgenstock, den Pilatus, das Stanserhorn und auf die Stadt Luzern genoss.
Am Horizont erkennt man die grossen Stars der Schweizer Alpen – unter anderem Mönch, Eiger und Jungfrau (ja, in dieser Reihenfolge). Es gibt bestimmt Tage, an denen die Fernsicht besser ist, aber man kriegt auch an relativ dunstigen Tagen wie gestern einen tollen Eindruck von dieser atemberaubenden Kulisse. Man sieht von hier ĂŒbrigens auch den Giswilerstock, den ich nur wenige Tage zuvor bestieg (mehr dazu im Bericht Wandere glĂŒcklich, wandere froh, Ă€lter wirst du sowieso
).

Nachdem ich mich satt gesehen hatte (obschon man sich hier eigentlich gar nicht sattsehen kann) gings hinauf nach Rigi Staffel und Rigi Kulm (1797m). Auch von hier ist die Aussicht traumhaft. Bei guter Sicht soll man hier ĂŒber „meinen“ Kanton Aargau hinweg bis in den Schwarzwald sehen können.
Nordöstlich erkennt man von hier den Ägerisee, mit dem ich ja ebenfalls erst kĂŒrzlich Bekanntschaft geschlossen hatte (mehr dazu im Bericht Wetten, dass?! Mit Thomas Gottschalk unterwegs).

Der Wanderweg fĂŒhrte mich nun durch Kuhweiden hindurch hinunter zur SchochenhĂŒtte. Treue Begleiter sind hier auf der ganzen Strecke die GebrĂŒder Mythen.

Und die KĂŒhe muhten vor den Mythen 😉

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VoilĂ : die Kuhfirsten :-)) Im Hintergrund der grosse und der kleine Mythen.

Via Klösterli gings schliesslich zurĂŒck nach Rigi Kaltbad, wo ich mir zwar kein kaltes Bad, dafĂŒr einen kalten „suure Moscht“ gönnte, bevor mich die Zahnradbahn wieder sicher ins Tal hinunter beförderte.

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Eigentlich hatte ich geplant, den Heimweg von Vitznau aus per Schiff via Luzern anzutreten. Da jedoch der Himmel von Minute zu Minute dunkler wurde, beschloss ich, auf die Schifffahrt zu verzichten und stattdessen wiederum den Bus zu besteigen. Eine gute Entscheidung, denn just, als ich in den Bus eingestiegen war, setzte ein heftiger Gewitterregen ein. Manchmal meint es das Schicksal eben einfach nur gut mit mir. 😉

Und so ist die Prinzessin nach einem erfĂŒllten Tag wohlbehĂŒtet und trocken zu Hause angekommen. Und wenn sie nicht gestorben ist, dann trĂ€umt sie noch heute vom Wandern und von der Rigi, der Königin der Berge…  ❀

Wandere glĂŒcklich, wandere froh, Ă€lter wirst du sowieso…

Es ist inzwischen so etwas Ă€hnliches wie zur Tradition geworden, dass ich mir zu meinem Geburtstag ein spezielles Abenteuer zu GemĂŒte fĂŒhre. So radelte ich letztes Jahr an meinem Geburtstag von Bad Zurzach im Kanton Aargau nach Konstanz am Bodensee, wo ich schliesslich mit meinem Daddy zum Abendessen verabredet war.  Ich hatte also einen verdammt guten Grund, die ĂŒber 100 Bike-Kilometer auf mich zu nehmen 😉 Mehr dazu in meinem letztjĂ€hrigen Blogpost Radle glĂŒcklich, radle froh, Ă€lter wirst du sowieso


Gestern nun war es wieder soweit: ich wurde ein Jahr Àlter weiser.
Meine Freundin hatte mir einige Tage zuvor mitgeteilt, dass sie an meinem Geburtstag zusammen mit zwei ihrer Kolleginnen eine Wanderung auf den Giswilerstock plane und fand, dass ich die dĂ€mliche Gruppe, Ă€h… nein Moment, ich meine natĂŒrlich die Damen-Gruppe wunderbar ergĂ€nzen wĂŒrde.

Was gab es da schon zu ĂŒberlegen? Klar wollte ich mit!!!

Um Punkt 16.37 Uhr besammelte sich unsere knuffige Damenschar in Sarnen OW. Und von nun an ging’s buchstĂ€blich bergauf mit uns… heiterefahne!

Wer selbst auf den letzten paar Höhenmeterleins tapfer durchbeisst, wird „on the very top of Giswilerstock“ mit einem herrlichen Panorama ĂŒber den Sarnersee, den Pilatus, das Stanserhorn & Co. belohnt. Die Sicht reicht sogar bis zum VierwaldstĂ€dtersee – es ist einfach traumhaft!

giswilerstock

Auf dem Weg zurĂŒck ins Tal kann (und sollte!) man sich ĂŒbrigens im idyllischen Beizli Fluonalp unbedingt mit einer Portion „Hindersi Magronen“ und einem „Beckenrieder Moscht“ stĂ€rken  „Ă€ GĂŒete!“

hindersimagronen

 

 

 

 

 

Die Kraft des Atlantiks… oder wie ich zufĂ€llig einen Halbmarathon lief

September 2012. Ich war gerade mit meinem damaligen Freund – nennen wir ihn Klaus-Dieter 😉 – aus Ägypten zurĂŒckgekehrt. Klaus-Dieter und ich waren knapp drei Monate ein Paar und verbrachten – zum krönenden Abschluss unserer Beziehung, wie sich herausstellen sollte – eine total witzige und absolut friedvolle Woche am roten Meer. Eigentlich hatte alles wunderbar gepasst zwischen uns beiden. Dennoch kehrten wir nach Hause zurĂŒck und jeder ging fortan seinen eigenen Weg, als wĂ€re es die logischste Sache der Welt. In der Nachbetrachtung eine reichlich skurrile Geschichte… eine Geschichte, die das Leben schreibt.

In den darauffolgenden Wochen wurde ich zunehmend zappelig, hatte sprichwörtlich Hummeln im Hintern. VerstĂ€ndlich, denn bis dahin war das Jahr 2012 ja proppenvoll mit Wohnungssuche, Umzug, HaushaltgrĂŒndung und Klaus-Dieter :-P. Doch jetzt, wo wieder Ruhe und so was Ă€hnliches wie Routine in mein Leben eingekehrt war, drehte ich buchstĂ€blich am Rad. Ich musste dringend etwas unternehmen, doch was?

Ich dachte an die tolle Zeit in Barcelona zurĂŒck und an die ambitiösen VorsĂ€tze, die ich in jener lauen Silvesternacht in den katalonischen Himmel hinauf beschwörte. Ja, die Zeit war definitiv reif, einen weiteren, bewussten Schritt zu wagen, um meine Leidenschaft fĂŒrs Reisen weiter auszuleben. Ich ĂŒberlegte mir also, welche Art von Urlaub denn geeignet sein könnte fĂŒr mich als Alleinreisende. Das war gar nicht so einfach, denn wie in BarceLOVEna – wo alles begann
 beschrieben, war ich bis dahin grossmehrheitlich per Camper unterwegs. Ich fand Camping immer toll. Doch die Vorstellung alleine zu campieren, ĂŒberforderte mich – ĂŒbrigens genauso, wie der Gedanke an eine Gruppenreise und/oder an Cluburlaub…

Sport + Urlaub = Sporturlaub

Sport genoss schon immer lange einen wichtigen Stellenwert in meinem Leben und wurde nun, in meiner Singlezeit, zunehmend zu einer zentralen Energiequelle. Und genau dies brachte mich schliesslich auf eine geniale Idee: ich könnte irgendwohin ans Meer reisen, um dort Sport zu treiben – joggen zum Beispiel. Gesagt getan und so flog ich drei Wochen spĂ€ter fĂŒr zehn Tage nach Teneriffa.

Verkehrsregelung im Teide Nationalpark

Ich strandete an der Costa Adeje, einer ziemlich edlen Gegend im SĂŒden der Kanareninsel – perfekt zum joggen und wandern und nah genug an der legendĂ€ren Playa de las Americas, falls es mal einen Tick flotter zu und her gehen durfte. Mein Hotel war 10 Gehminuten vom Busbahnhof entfernt und damit ideal gelegen fĂŒr Tages-AusflĂŒge auf der ganzen Insel. Mein Zimmer befand sich auf Etage acht (von acht), hatte einen ĂŒberraschend grosszĂŒgigen Grundriss und war Ă€usserst stilvoll eingerichtet. Eine charmante, kleine Dachterrasse mit seitlichem Meerblick rundete das Profil meiner Behausung fĂŒr die nĂ€chsten zehn Tage krönend ab. Ich bin heute noch ĂŒberzeugt, dass das die Prinzessinnen-Suite war. Fakt ist: ich fĂŒhlte mich vom ersten Moment an wohl hier und das war schon mal viel wert.

Etwas Bammel hatte ich durchaus vor dem ersten FrĂŒhstĂŒck. Was, wenn ich als Single irgendwo an einen Familientisch mit kreischenden Kindern gesetzt wĂŒrde – als „LĂŒckenfĂŒller“, quasi? Oder die andere AusprĂ€gung: Was, wenn ich Ă€tzend labernde Kerle abwimmeln musste, die sich zu mir an den Tisch gesellen wollten?

GlĂŒcklicherweise traf nichts von beidem ein. Im Gegenteil: ich erhielt jeden Morgen meinen (zur Suite passenden) Prinzessinnen-Tisch, wurde Ă€usserst respektvoll und zuvorkommend behandelt und das FrĂŒhstĂŒcks-Buffet verdiente das PrĂ€dikat „Wow“!

Ich liebte es, ausgiebig zu brunchen, um mich dann fĂŒr den Rest des Tages mit dem Rucksack auf dem Buckel einfach von der Atlantikbrise treiben zu lassen. Oder aber, ich schnallte meine Laufschuhe an, steckte IdentitĂ€tskarte und einen Notgroschen ein und joggte einfach drauflos. Ohne Ziel und ohne auch nur irgendjemandem Rechenschaft darĂŒber abzuliefern. Ich war frei und das fĂŒhlte sich nicht nur okay, sondern verdammt richtig an…

Joggito ergo sum…

Eines Tages joggte ich also wieder der lebhaften Strandpromenade entlang. Vorbei an unzĂ€hligen Restaurants und den fĂŒr Teneriffa so typischen schwarzen SandstrĂ€nden. Beschwingt setzte ich einen Fuss vor den anderen, als wĂŒrde ich auf Watte laufen. Ich nahm eine wunderbare Leichtigkeit in mir wahr und mit jedem Atemzug sog ich noch etwas mehr von dieser kraftspendenden Atlantikluft in mir auf. Ich spĂŒrte die vielen bemitleidenden bewundernden Blicke des „faulen“ Strandvolks auf mir. Ich fĂŒhlte mich grossartig. Leicht und dennoch vor Energie strotzend – frei nach Descartes: «joggito ergo sum» – ich jogge, also bin ich.

Nach knapp zwölf Kilometern endete die Strandpromenade schliesslich bei Los Christianos. Erst da realisierte ich, wie weit ich schon gelaufen war. Jetzt noch zurĂŒck zu meiner Prinzessinnen-Suite und er war geschafft: mein erster Halbmarathon…

2014-06-04 18.41.57
Beeindruckende Flora im Teide-Nationalpark